Was Kerzen mit Wärme zu tun haben

Der stille Heiztrick der Finnen

Donnerstag, 08. Januar 2026 | 07:00 Uhr

Von: red

In Finnland gehören lange, dunkle und frostige Winter zum Alltag. Trotz effizienter Heizsysteme und moderner Gebäude suchen viele Finnen nach zusätzlichen Möglichkeiten, ihr Zuhause angenehmer zu gestalten – sowohl aus Kostengründen als auch aus Umweltbewusstsein.

Ein unerwarteter Helfer hat dabei an Bedeutung gewonnen: das Kerzenlicht.

Kleine Flamme, große Wirkung?

Was auf den ersten Blick romantisch wirkt, hat auch physikalischen Nutzen: Ein einziges brennendes Kerzenlicht erzeugt zwischen 30 und 80 Watt Wärme. Das reicht nicht aus, um ein Haus zu heizen, aber in kleinen, gut isolierten Räumen kann eine Gruppe von fünf bis sechs Kerzen die Umgebungstemperatur spürbar erhöhen – ähnlich wie ein kleines Heizgerät auf niedriger Stufe.

Besonders in Bereichen, in denen sich Menschen länger aufhalten – etwa auf dem Sofa oder am Schreibtisch – sorgt diese Zusatzwärme für mehr Komfort.

Mehr als nur ein Heiz-Trick: Das Ritual der Gemütlichkeit

Doch es geht nicht nur um Physik. In skandinavischen Ländern spielt das Gefühl von „Hygge“ oder „Koselig“ – also Gemütlichkeit – eine zentrale Rolle im Umgang mit den harten Wintern.

Das Anzünden von Kerzen am Abend wird für viele Finnen zu einem persönlichen Ritual: Es markiert das Ende des Arbeitstags und den Beginn der privaten Zeit. Die flackernden Flammen schaffen nicht nur Licht und Wärme, sondern beeinflussen auch die Stimmung positiv – gerade in Monaten mit wenig Tageslicht.

Psychologen betonen: Menschen empfinden einen Raum oft schon dann als wärmer, wenn er durch weiches Licht heller und lebendiger wirkt – noch bevor das Thermometer eine reale Temperaturveränderung anzeigt.

Nachhaltig, aber nicht ohne Risiko

Wichtig ist: Kerzen sind kein Ersatz für Heizsysteme. Sie sollten stets nur unter Aufsicht verwendet werden, auf stabilen, nicht brennbaren Unterlagen stehen und fern von Vorhängen oder anderen leicht entzündlichen Materialien platziert werden.

In Finnland gelten sie nicht als Heizmethode, sondern als ergänzende Maßnahme in einem größeren Konzept des Energiesparens – ein kleiner Beitrag für mehr Wohnkomfort ohne hohen Energieverbrauch.

Wärme beginnt mit einem Licht

Der finnische Umgang mit Winterkälte zeigt: Manchmal sind es gerade die einfachen Dinge, die einen Unterschied machen – ein paar Kerzen, ein ruhiger Abend, ein wenig Licht im Dunkel. Und vielleicht auch ein Grad mehr Wärme, wo es darauf ankommt.

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