Von: Ivd
Bozen – Die Kommission, der Rat und das Parlament der EU wollen die neuen gentechnischen Verfahren fast vollständig liberalisieren. Für die Verbraucher stehen Transparenz, Wahlfreiheit und die gentechnikfreie Lebensmittelproduktion auf dem Spiel. Die Verbraucherzentrale ruft zur Teilnahme an einer Eilaktion auf.
Voraussichtlich Anfang März 2026 wird das Europäische Parlament über den Verordnungsentwurf (VO (EU) 2017/625) über Pflanzen, Lebens- und Futtermittel, die mit neuen gentechnischen Verfahren gewonnen werden, abstimmen. Sofern eine Mehrheit der Abgeordneten dafür ist, wird die neue Verordnung im Amtsblatt der EU veröffentlicht werden und 20 Tage später in Kraft treten. Die enthaltenen Bestimmungen werden nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren wirksam.
Für Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen sowie Bio-Verbände sind diese Bestimmungen inakzeptabel. Denn sie markieren das Ende von Transparenz und Wahlfreiheit in Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln sowie eine Missachtung des Vorsorgeprinzips. Mit der neuen Verordnung würden die neuen gentechnischen Verfahren (NGT = New Genomic Techniques) nahezu vollständig liberalisiert, ja dereguliert: für die allermeisten NGT-Pflanzen sowie die daraus hergestellten Lebens- und Futtermittel wären zukünftig weder ein Zulassungsverfahren noch eine Risikoprüfung noch eine Kennzeichnung erforderlich. Und das, obwohl eine große Mehrheit der Bürger in Europa der Gentechnik in der Landwirtschaft, auch der Neuen Gentechnik, gegenüber sehr skeptisch eingestellt und wegen der möglichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und den Verlust der Biodiversität besorgt ist. Und obwohl in Umfragen 80 bis 90 Prozent der Befragten verlangen, NGT-Lebensmittel genauso streng zu kontrollieren und zu regulieren wie solche aus alter Gentechnik und sie entsprechend zu kennzeichnen.
Um die Deregulierung der neuen gentechnischen Verfahren in letzter Minute doch noch zu verhindern, hat ein breites Bündnis von Organisationen, darunter Bioland Deutschland, Demeter International, Save Our Seeds, IG Saatgut, Informationsdienst Gentechnik und Centro Internazionale Crocevia, eine Eilaktion gestartet. Mit wenigen Klicks können Bürger eine vorformulierte E-Mail an die Abgeordneten im Europäischen Parlament adressieren und sie dazu auffordern, gegen die neue Verordnung zu stimmen.
Die nationalen Verbraucherverbände Adiconsum, Adoc, Adusbef, Assoutenti, Codacons, Codici, Confconsumatori, Federconsumatori, Lega Consumatori, Movimento Consumatori e Movimento Difesa del Cittadino und die Verbraucherzentrale Südtirol unterstützen die E-Mail-Aktion und laden die Verbraucher ein, sich zahlreich an der Aktion zu beteiligen. Zeigen wir den gewählten Vertreter:innen in Brüssel, dass wir den Verordnungsentwurf ablehnen, fordern wir Transparenz und Wahlfreiheit durch verpflichtende Kennzeichnung sowie den Schutz der gentechnikfreien Lebensmittelproduktion.




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