Weinberge unter Klimastress

Forschung zeigt neue Wege für den Weinbau

Dienstag, 21. Juli 2026 | 08:04 Uhr

Von: luk

Bozen – Zwei Studien der Freien Universität Bozen zeigen, wie sich Traubenreife und Wasserversorgung in Weinbergen in Berglagen steuern lassen. Vielversprechende Ansätze sind eine gezielte Bewässerung, die Wahl klimaresilienter Rebsorten und Maßnahmen zur Verzögerung der Traubenreife.

Auch der Weinbau bleibt von den Folgen des Klimawandels nicht verschont. Steigende Temperaturen führen zu einer verfrühten Traubenreife, während immer häufiger auftretende Trockenperioden die Rebstöcke unter Wasserstress setzen. Für Weinbaubetriebe wird es dadurch zunehmend schwieriger, die Qualität der Trauben und den Charakter der Weine unter sich wandelnden klimatischen Bedingungen zu bewahren.

Die Forschungsgruppe für Baum-Ökophysiologie an der Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften der Freien Universität Bozen untersucht seit Jahren, wie sich der Klimawandel auf den Bergweinbau auswirkt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Traubenreife und die Wasserverfügbarkeit. Die aktuellen Ergebnisse liefern konkrete Ansätze, wie sich der Weinbau an die veränderten Bedingungen anpassen kann.

Die Besonderheiten Südtirols

Südtirol bietet für den Weinbau besondere Voraussetzungen: Viele Weinberge liegen an sonnigen Hängen mit Böden, die Wasser nur begrenzt speichern können. Obwohl die Niederschläge im Vergleich zu vielen anderen europäischen Weinbauregionen relativ häufig sind, setzen bereits wenige Tage intensiver Hitze die Reben unter Wasserstress.

„Viele der in den vergangenen Jahren entwickelten Anpassungsstrategien stammen aus deutlich wärmeren und trockeneren Weinbauregionen“, erklärt Carlo Andreotti, Professor für Obst- und Weinbau an der Freien Universität Bozen und Koordinator der Forschungsarbeiten. „Unser Ziel war es herauszufinden, ob diese Maßnahmen auch in Weinbergen in Berglagen wirksam sind, deren Klima- und Bodenverhältnisse ganz andere Voraussetzungen mitbringen.“

Eine der deutlichsten Folgen des Klimawandels ist eine verfrühte Traubenreife. Sie lagern schneller Zucker ein und verlieren gleichzeitig an Säure. Dadurch besteht die Gefahr höherer Alkoholgehalte und eines weniger ausgewogenen Geschmacksprofils – insbesondere bei Weißweinen.

Im Rahmen ihrer Untersuchungen testeten die Forschenden verschiedene Maßnahmen, um die Reifeentwicklung zu verlangsamen. Besonders vielversprechend erwies sich der Einsatz eines Antitranspirationsmittels auf Basis von Pinolen, einem natürlichen Wirkstoff aus Kiefernharz. Auf die Blätter der Rebe aufgebracht, reduziert es vorübergehend die Photosyntheseleistung und verzögert die Traubenreife um rund zehn Tage. Dadurch gewinnen Winzerinnen und Winzer zusätzliche Flexibilität bei der Wahl des optimalen Lesezeitpunkts.

Die Studie weist jedoch auch auf eine bislang wenig beachtete Einschränkung hin: In Weinbergen in Berglagen können häufige Sommerniederschläge die Wirksamkeit solcher Behandlungen deutlich verringern, da der Wirkstoff immer wieder abgewaschen wird. Das zeigt, dass Anpassungsmaßnahmen stets auf die jeweiligen Standortbedingungen abgestimmt werden müssen.

Der richtige Zeitpunkt entscheidet

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschung war die Frage, wie sich Trockenheit auf zwei der am häufigsten angebauten Weißweinsorten Südtirols – Sauvignon Blanc und Chardonnay – auswirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem der Zeitpunkt des Wasserstresses entscheidend ist: Tritt Wassermangel unmittelbar nach der Blüte oder in den frühen Entwicklungsstadien der Beeren auf, sind die Ertragseinbußen schwerwiegender als bei einem – selbst stärkeren – Wassermangel in späteren Reifephasen.

Zugleich wurde deutlich, dass die Rebsorten unterschiedlich auf Trockenheit reagieren. Während sich Sauvignon Blanc als besonders empfindlich gegenüber Trockenheit erwies, erwies sich Chardonnay als deutlich weniger empfindlich. Damit gewinnt auch die Wahl der Rebsorte künftig eine immer wichtigere Rolle bei der Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen.

Was bedeutet das für den Weinbau?

Aus den beiden Studien lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen für den Weinbau ableiten: Der Wasserhaushalt von Boden und Rebe sollte mithilfe bereits verfügbarer Sensoren kontinuierlich überwacht werden, um die Bewässerung gezielt an die besonders sensiblen Entwicklungsphasen der Rebe anzupassen. Ebenso wichtig sind die Wahl widerstandsfähiger Rebsorten und eine an die lokalen Bedingungen angepasste Bewirtschaftung, mit der sich die Traubenreife gezielt verzögern lässt.

„Unsere Forschung zeigt, dass es keine Patentlösung gibt“, fasst Damiano Zanotelli, Professor für Obstbau an der Freien Universität Bozen und Mitautor beider Studien, zusammen. „Die Anpassung an den Klimawandel wird nur gelingen, wenn verschiedene Maßnahmen sinnvoll miteinander kombiniert und auf die Eigenschaften des jeweiligen Weinbergs abgestimmt werden – etwa auf Bodenbeschaffenheit, Rebsorte, Unterlage oder Reberziehung. Nur so lässt sich auch künftig die Qualität der Weine und ihre enge Verbindung zum Herkunftsgebiet bewahren.“

Bezirk: Bozen

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