Amygdala unterscheidet

Freundschaftliche Nähe hat starke Wirkung auf Emotionen

Samstag, 13. Februar 2021 | 08:00 Uhr

Innsbruck – Beste Freunde sind in stressigen Situationen von besonders großem Wert, auch wenn diese nicht persönlich anwesend sind. Das konnte Carmen Morawetz vom Institut für Psychologie der Universität Innsbruck gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen in einer bildgebenden Studie belegen. Die im Fachmagazin NeuroImage publizierten Ergebnisse zeigen, wie das menschliche Gehirn negative Emotionen durch soziale Unterstützung abschwächen kann.

Gerade in Zeiten der Pandemie, in denen soziale Isolation und Quarantäne an der Tagesordnung stehen, ist es vielen Menschen nicht möglich, ihre besten Freundinnen und Freunde persönlich zu treffen und sich über ihre Ängste, Gefühle und Sorgen des Alltags auszutauschen. Im Angesicht von weltweiten Lockdowns gewinnt die von Universitätsprofessorin Carmen Morawetz in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen der Freien Universität Berlin und der Universität Melbourne im Journal NeuroImage veröffentlichte Studie an besonderer Aktualität und kommt zu folgender Schlussfolgerung: Aufbauende Botschaften, die zusammen mit einem Foto eines besten Freundes oder einer besten Freundin präsentiert werden, wirken sich sehr positiv auf die Fähigkeit aus, mit negativen Gefühlen umzugehen. Dies steht in Zusammenhang mit einer differenzierten Aktivierung in einem Netzwerk von Hirnregionen, das für die Kontrolle von Emotionen zuständig ist. Mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) konnte gezeigt werden, dass bestimmte Hirnregionen bei sozialer Unterstützung durch eine andere Person – egal ob Freund oder Fremder – mehr rekrutiert werden als bei dem Versuch, negative Gefühle alleine in den Griff zu bekommen.

Große Kraft sozialer Verbundenheit

Emotionen werden im Gehirn durch ein Zusammenspiel mehrerer interagierender Netzwerke kontrolliert und bei Bedarf abgeschwächt. Befinden wir uns in einer stressigen Situation, die uns vielleicht Angst macht, dann versuchen wir, durch verschiedene Strategien, das Gefühl der Angst abzuschwächen. Zum Beispiel, in dem wir probieren, die Situation als weniger negativ zu interpretieren, uns innerlich Mut zusprechen oder gedanklich ablenken. „Hierbei übernimmt der laterale präfrontale Kortex eine zentrale Rolle und unterdrückt Antworten in Regionen, die mit der Emotionsentstehung zu tun haben, wie der Amygdala, auch Mandelkern genannt. Diese emotionale Kontrolle kann durch soziale Unterstützung verbessert werden“, verdeutlicht Carmen Morawetz, die an der Universität Innsbruck das Affective Neuroscience Lab eingerichtet hat und dort erforscht, wie sich Emotionen in neuronalen Prozessen abbilden. „Wir wissen aus zahlreichen anderen Studien, dass Menschen Gefühle durch soziale Nähe besser bewältigen können“, ergänzt sie. Das Spannende an der aktuellen Studie war aber laut Morawetz, dass sich diese soziale Unterstützung auf das Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen selbst dann auswirkt, wenn diese nur „virtuell“ erfolgte, die unterstützend wirkende Person also nicht selbst im Raum anwesend war. Dabei wird die Hirnaktivierung durch die soziale Nähe zum Unterstützer beeinflusst. „Das heißt, es macht für unser Gehirn einen Unterschied, ob wir Hilfe von uns nahestehenden Menschen, wie in diesem Fall unserem/unserer besten Freund*in bekommen, oder ob es sich um eine für uns unbekannte Person handelt“, betont Carmen Morawetz.

Erkenntnisse in Pandemie besonders bedeutend

„Auch wenn die Daten zur Studie vor Corona entstanden sind, sind die Erkenntnisse jetzt umso bedeutsamer“, meint die Wissenschaftlerin. Gerade junge Leute kommunizieren – noch mehr in Zeiten von Social Distancing – schriftlich, tauschen sich über Messenger-Apps über Gefühle aus und suchen so auch Hilfe. Nicht ganz unähnlich sind die Bedingungen, die Carmen Morawetz für ihren Versuch geschaffen hat: Während des fMRT Experiments wurde den Probandinnen und Probanden negative Bilder präsentiert und sie wurden angewiesen, ihre dadurch entstandenen Gefühle abzuschwächen. Dies geschah unter drei Bedingungen: Die Versuchteilnehmerinnen und -teilnehmer sollten versuchen, ihre negativen Emotionen (1) alleine ohne Hilfe abzuschwächen, (2) mit Hilfe ihres besten/er Freundes/in oder (3) mit Hilfe einer fremden Person. Die soziale Unterstützung erfolgte durch einen aufbauenden Satz zusammen mit einem Foto des besten Freundes oder eines Fremden. In der Kontrollbedingung sollten die Probanden ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Aufwändig waren aber nicht nur die bildgende Versuche, sondern auch die Vorbereitungen, in denen die tatsächliche soziale Nähe der Probanden und ihrer Freunde ermittelt wurde. „Auch wenn unsere Stichprobe mit 37 Teilnehmern vergleichsweise klein erscheint, sind unsere Ergebnisse auf die Allgemeinheit übertragbar, weil wir sehr harte statistische Kriterien und Analysen einsetzen“, so die Wissenschaftlerin.

Amygdala unterscheidet

Neben der Kraft sozialer Verbundenheit, die in der Studie gezeigt werden konnte, gibt es ein weiteres spannendes Detail. Von den ganzen aktivierten Hirnregionen, die an der Abschwächung der Emotionen beteiligt sind, differenziert einzig die Amygdala zwischen Freunden und Fremden. „Obwohl wir das gesamte neuronale Netzwerk der Emotionsregulation untersucht haben, zeigte nur die Amygdala unterschiedliche Aktivierung für Fremde im Vergleich zu Freunden. Sie ist bei der Hilfe durch Unbekannte stärker aktiviert“, erklärt Morawetz.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass soziale Nähe einen wichtigen Faktor für die effektive Integration von sozialer Unterstützung in herausfordernden Situationen darstellt und eine positive Wirkung auf unsere Fähigkeit, Emotionen zu kontrollieren, hat. „In diesem Sinne, unterstützen die Ergebnisse der Studie das alte Lied: ‚Ein Freund, ein guter Freund, ist das Beste, was es gibt auf der Welt‘“, so die Wissenschaftlerin abschließend.

Von: luk

Kommentare

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6 Kommentare auf "Freundschaftliche Nähe hat starke Wirkung auf Emotionen"


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Kinig
12 Tage 9 h

dazu werden Studien gemacht?🙈Wenn Menschen Menschen meiden dann hatt das oft tiefliegende Gründe.

Staenkerer
12 Tage 8 h
intressant! wenn man des do im forum behauptet des zommholtn, mitanonder sein, nähe suachn, sich treffn, sich ins gsicht, in de augn schaugn, de mimik ung gestik sechn und deuten usw. wichtig isch, werd man mit oft genua belächelt! de akustische nähe isch lei a notlösung, wors vorn virus a schun, denn de auacht man sem a wenn oan distanz trennt ! am wichtigsten isch und bleib persönliche nähe denn i behaupt trotz olle studien der welt, das des telefon a treffn an händedruck, a mitanond, nebenanond redn, feiern, nit ersetzn konn, wenn jo, gien mir lieblosen zeiten entgegen, a… Weiterlesen »
Anderrrr
Anderrrr
Universalgelehrter
12 Tage 10 h

Deswegn hot sich der umgang mit Mitmenschen so geändert

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
12 Tage 6 h

Heut ist strahlend schönes Wetter. Die Freunde wuseln (mit Abstand) im “Dorf” umeinander herum. Dazu summ ich: 
“Und wenn de Sonn schön schingk
Wed et Wedder widder wärm
Dann pack sich d’r Pap de Mama en d’r Ärm
Wenn de Sonn schön schingk
Deit dat da zwei jot, su jot, hm hm
Doch wenn de Sonn nit schingk
Un et Wedder is nit wärm,
Dann pack sich de Mama d’r Pap en d’r Ärm
Wenn de Sonn nit schingk
Kütt dr Papa trotzdem nit zo koot hm hm
Doheim blieve deit och ens jot.”
Lied 3: Wenn de Sonn schön schingk (michael-lawen.de)

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Superredner
12 Tage 3 h

Nur wer allein ist, ist sich treu.

Staenkerer
11 Tage 22 h

i sogat … nur wer aus freier entscheidung alloan isch, isch alloan glücklich! isch woll ba ollem so, oder? de freie entscheidung mochts!

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