Streuobstwiesen sind Arten-Hotspots und helfen beim Klimaschutz

Streuobstwiesen sind ökologische Schatzkammern

Sonntag, 14. April 2024 | 08:05 Uhr

Von: apa

Blühende Obstbäume bieten derzeit vielerorts ein malerisches Landschaftsbild und Naturerlebnis. Die großkronigen Bäume, bunt in Wuchsform, Alter und Sorte, stehen in Weingärten, auf Äckern und Grünland, in Hausgärten und Höfen in ganz Österreich und sind bedeutsam für die regionale Wertschöpfung in Landwirtschaft und Tourismus sowie für die Biodiversität. Österreich sitzt auf einem Obstschatz. Der Klimawandel stellt den Erhalt des Streuobstes aber vor Herausforderungen.

Sie tragen Namen wie “Steirische Schafnase” oder “Gute Graue” und ihre Früchte finden kaum je den Weg in den Supermarkt – laut Schätzungen gibt es in Österreichs Streuobstgärten rund 2.000 Obstsorten, genau weiß man es nicht. Einige davon sind so selten, dass sie nie beschrieben wurden, und viele sind sehr alt. So dürfte die “Streuobstsorte des Jahres 2024”, die “St. Veiter Pfelzkirsche”, laut der “ARGE Streuobst” bereits weit vor 1900 im Pongau verbreitet gewesen sein. In vielen Regionen Österreichs, wie in Oberösterreich, im Mostviertel, in Kärnten, der Steiermark oder in Vorarlberg, gehören Streuobstflächen, als Grundlage für Tafelobst, Most und Edelbrände, zur Kulturlandschaft.

Doch seit dem Beginn des Intensivobstbaus Mitte des 20. Jahrhunderts werden die Streuobstflächen immer weniger. Pflanzenkrankheiten wie der “Feuerbrand” oder der Birnenverfall, Verbauung und der Verlust von Wissen um Pflege und Schnitt tun ihr Übriges. Bis zu 70 Prozent der Obstbäume sind laut der “ARGE Streuobst” bereits verschwunden, viele bestehende sind überaltert. Inzwischen hat aber ein Umdenken eingesetzt: Brenner, Mosterzeuger, Bauern, Imker-, Obst- und Gartenbauvereine engagieren sich für den Erhalt der Bäume.

Seit 2000 bemüht sich die Initiative “ARGE Streuobst” um das Kulturgut, das 2023 als immaterielles UNESCO-Kulturerbe anerkannt wurde, etwa im Rahmen des “Tags der Streuobstwiese” jeden letzten Freitag im April, heuer am 26. April. Vielerorts werden Bestände aufgeforstet: So wird eine Aktion der Vorarlberger Landwirtschaftskammer 1.500 neue Obstbäume in die Gärten bringen, 1.000 waren geplant. Parallel müsse auch bei der Wissensvermittlung um Schnitt und Obstverwertung nachgezogen werden, so Obstbaumreferent Ulrich Höfert, “allein die Pflanzung ist zu wenig”.

Immer mehr anerkannt wird die Bedeutung der Streuobstwiesen als Kohlenstoff-Speicher, Erosionsschutz, Schattenspender, Umgebungskühler und für die Biodiversität. Sie gehören zu den artenreichsten Ökosystemen Mitteleuropas, bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten sollen dort zu finden sein. Seit Ende 2023 untersucht ein interdisziplinäres Forschungsprojekt an der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) das genauer. Ziel ist eine Methode zur Erfassung und zum Biodiversitätsmonitoring von Streuobstflächen.

Mithilfe von Geodaten und Felderhebungen sollen die Baumbestände bundesweit kartiert werden, denn viel weiß man dazu bisher außerhalb des landwirtschaftlichen Bereichs nicht. 1930 dürfte es rund 35 Mio. Obstbäume in Österreich gegeben haben, heute sind es vermutlich nur mehr 4,2 Mio., so die Schätzung. Das Projektteam erfasst zudem Indikatorarten: Wildbienen, Tagfalter, Vögel, Fledermäuse. “Viele definieren den Wert von Streuobstflächen über die traditionelle Bewirtschaftung, ihr Stellenwert als Lebensraum rückt aber immer mehr in den Fokus”, sieht Projektleiterin Sophie Kratschmer vom Institut für Zoologie ein wachsendes Bewusstsein.

“Jeder neu gepflanzte Obstbaum hat einen hohen Wert”, betont auch Johanna Kronberger von Birdlife. Die Streuobstbäume seien für Vögel, darunter die selten gewordenen Arten Gartenrotschwanz, Wendehals oder Steinkauz, extrem wichtig, da die alten Bäume Nisthöhlen und viele Insekten böten. “Sie sind Nahrungs- und Wohnplatz in einem”, so die Expertin. Lange habe es kaum Bewusstsein für den Wert dieser Bäume gegeben und gerade im Vorarlberger Rheintal habe der Feuerbrand große Verluste verursacht, nachgepflanzt wurde wenig. “Dass sich das nun ändert, ist sehr, sehr erfreulich”, so Kronberger.

Der Klimawandel mit langen Trockenphasen und Hitze, warmen Wintern und Spätfrösten fordert die Obstbäume allerdings stark heraus. Dieser Stress führe zu einer stärkeren Anfälligkeit gegenüber Krankheiten, so Andreas Spornberger, der für das BOKU-Institut für Wein- und Obstbau in einem federführend vom Verein “Arche Noah” geleiteten Forschungsprojekt Strategien zur Klimawandelanpassung im Obstanbau entwickelt. “Gerade bei der Birne hatten wir durch den Birnenverfall ein großes Baumsterben”, erzählt Spornberger. Die Wahl des richtigen Standorts und der richtigen Obstart wird also wichtiger – und schwieriger.

Für derzeitige Gunstlagen kommen laut dem Forscher in Zukunft vielleicht andere Obstarten als bisher in Frage, möglicherweise erschließen sich auch neue Anbaugebiete in höheren Lagen. Wie alle Bäume leisteten die Obstbäume einen wichtigen Beitrag zur Umgebungskühlung und zur CO2-Speicherung. “Die Streuobstflächen sind im Prinzip ein lichter Laubwald und wirken klimaausgleichend”, so Spornberger. Am Ende soll ein konkreter Leitfaden für die klimafitte Anlage und Baumpflege entstehen, in den auch lokales Wissen der Obstbauern einfließt.

In der Sorten- und Artenvielfalt liegt also der Schlüssel zum Erhalt des Streuobstes: Der bunte Genpool bietet Sorten, die Wetterextremen und neuen Krankheiten gewachsen sind. So wird die Obstbaumblüte hoffentlich auch in den nächsten Jahrhunderten der Inbegriff des Frühlings in Österreich sein.

 

Kommentare

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16 Kommentare auf "Streuobstwiesen sind ökologische Schatzkammern"


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Oracle
Oracle
Kinig
1 Monat 11 Tage

.. Natur kann sehr schön sein, die hysterischen Umweltschützer vergessen manchmal aber, dass man auch (genügend und ausreichend) essen müsste und das landwirtschatlicher Kulturgrund endlich ist bzw bei uns stätig abnimmt. Da steckt in dem Artikel sehr viel Oberflächlichkeit. Also gilt es diesen Kulturgrund möglichst effizient zu nutzen. Von Schmetterlingen und der schönen Vielfalt kann man nicht leben! Das scheinen einige Ökos zu vergessen oder wollen sie wirklich den Hunger in der Welt fördern? Die sollten mal in den Wohngebieten mehr Natur hineinbekommen und vor der eigenen Haustür kehren!

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 11 Tage

…bei uns hier wachsen Äpfel nur noch auf Bonsai Bäumchen…

😄

Bissgure
Bissgure
Superredner
1 Monat 11 Tage

gib i dir gonz recht , wenn mehr sträucher und bäume in die gärtn gepflonzt weratn , anstot lei grünfläche . obo se nutzt holt a nix , wenn zweks jedn käffole und insekt wiedo zi Gift gigriffn wersch !! Man soll a amol als privato mit wianiga Ernte zifriedn sein , und et olm mehr mehr mehr …. !!!

Aurelius
Aurelius
Kinig
1 Monat 11 Tage

Magerwiesen ist das Zauberwort da finden alle Insekten Nahrung

So sig holt is
1 Monat 11 Tage

@Doolin wenn du zu mir kommst und mit der leiter und korb tagelang pflücken hilfst Pflanze ich gern wieder ein paar Sämlinge.. von den ausländischen klaubern geht keiner mehr auf eine leiter oder hängt sich einen korb um, schön wenn ein einheimischer sich das antun würde.. ich gebe dir keine 3 tage bis du aufgibst 😂

So sig holt is
1 Monat 11 Tage
@Bissgure das Problem ist auch dieses, dass früher unter den streuobstbäumen noch heu für die kuhe gemähtwurde , also doppelnutzung.. hat mein opa gemacht, da konntest aber noch jeden “putz” verkaufen egal ob klein, krumm, deformiert und was weiß ich alles… da gabs auch noch viele einheimische die da gepflückt haben mit leiter und tschaggl.. das macht heute nichtmal mehr ein Rumäne oder Bulgaren… die zeiten haben sich halt geändert und der bauer muss halt auch von was leben, es ist schließlich sein Geschäft! Es ist halt immer Heuchelei wenn man sagt wir vergiften alles, zerstören die Umwelt, diese leute… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 11 Tage

Wenn wir dann weltweit alle Flächen nur für Nahrung nutzen ist die Welt im Grunde tot! Hauptsache wir haben gegessen.
Wenn du Natur genießen willst stellst du dich nen Tag auf nen Kartoffelacker?
Ist dein Garten mit Nahrungsmitteln bepflanzt? Man muss ja jeden qm nutzen..!?
Die Nahrung ist zu knapp, stimmt aber nur weil wir für diesen Planeten zu viele sind! Das Problem liegt woanders.
Oberflächlichkeit lese ich nur aus deinen Sätzen!

So sig holt is
1 Monat 11 Tage

@N. G. man muss die Flächen, welche wir bis jetzt haben, eben intensiv nutzen, dann ist für alle essen genug es braucht keine weiteren Flächen… alle anderen Flächen können dann für insekten, Vögel, Tiere usw bleiben, insofern keiner den boden wieder zubetoniert… aber die menschen müssen ja irgendwo mit ihren Autos fahren, einkaufen oder wohnen… man könnte halt Hochhäuser bauen undden bestehenden Platz besser, also intensiver, nutzen! gleiche qm2 versiegelt, jedoch viel mehr wohnraum

Vonmiraus
Vonmiraus
Tratscher
1 Monat 11 Tage

Ich persönlich kenne viele Bauern die noch einen Anger mit verschiedenen Obstbäumen am Hof haben.
Leider gibt es im Gegenzug Privatgärten, die zum Teil mit Steinen, nichtheimischen Pflanzen und mit einem “unkautfreien” Rasen geschmückt sind. Damit das alles unkrautfrei, bzw. Insekten frei bleibt, wird dementsprechend gespritzt und behandelt.
Alle diese Klugscheißer, die immer alles auf die Bauern abwälzen, sollen selber etwas zum Klimawandel usw. dazutun.

So sig holt is
1 Monat 11 Tage

ganz genau!

Oracle
Oracle
Kinig
1 Monat 11 Tage

 “..wird die Bedeutung der Streuobstwiesen als Kohlenstoff-Speicher, Erosionsschutz, Schattenspender, Umgebungskühler und für die Biodiversität…” naja, da wird alles was nur geht in einen Topf geworfen, wieviel Schmarrn. Da sieht man, wie realitätsfremd manche “Experten” aus ihren gut klimatisierten Büros heraus Vorgaben und Forderungen stellen….. die würden unseren Wohlstand in Europa glatt an die Wand fahren. Als ob man mit ein paar Streuobstwiesen Österreich ernähren könnte! Naja, für mich, reine Hysterie…

Aurelius
Aurelius
Kinig
1 Monat 11 Tage

Magerwiesen sind die Wohnung für Insekten die auch am Boden brüten….
Apfel und Wein wiesen sind meist steril

So sig holt is
1 Monat 11 Tage

naja ich weiß nicht obs gut ist wenn ein vogel da in den wiesen brütet… dem mulcher ists beim grasschneiden egal, dem vogel wohl eher nicht und mir persönlich auch nicht, ich bin kein unmensch! und steril kann man nun wirklich nicht behaupten… nach einem regen ist mein boden übersät von regenwurmkacke, Marienkäfer und florfliegen sieht man hin und wieder und Vögel nisten auch genug in den Bäumen… aber natürlich jeder Stadtgarten ist besser und top für flora und Fauna nur der bauer haltet seine anlage steril und killt alles, passt schon👌

Aurelius
Aurelius
Kinig
1 Monat 10 Tage

@So sig holt is

es geht nicht um Vögel sondern um Wildbienen 80 % der Wildbienen sind Bodenbrüten

So sig holt is
1 Monat 10 Tage

@Aurelius achso bei brüten denke ich halt eher auf Vögel. es gibt aber derart viele verschiedene Arten an wildbienen, die wiederum alle ein eigenes nistverhalten haben… dir einen brauchens steinig, die anderen sandig oder lehmig, senkrechte Löcher oder horizontal… im weinbau würden sie da bestimmt was finden..

brutus
brutus
Superredner
1 Monat 11 Tage

…aber leider kann niemand davon leben!

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