Welttierschutztag am 4. Oktober

Tierwohl und Fleischkonsum: Zwischen Anspruch und Realität

Samstag, 02. Oktober 2021 | 08:18 Uhr

Bozen – Verbraucher und Verbraucherinnen wünschen sich laut Umfragen mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung. Zugleich kaufen nur wenige tatsächlich Fleisch aus Tierhaltung mit hohen Tierwohlstandards. Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) beleuchtet die Diskrepanz zwischen den Erwartungen und Wünschen und dem tatsächlichen Kaufverhalten. Was müsste sich ändern?

Verbraucher und Verbraucherinnen sind sehr daran interessiert zu erfahren, wie bei Produkten tierischen Ursprungs die Tiere gehalten wurden, dies zeigen viele Umfragen. Trotz der hohen Sensibilität für Tierschutz und Tierwohl entscheiden sie sich beim Einkauf aber oft für das billigste Produkt und blenden Tierwohlbedenken scheinbar aus. Woran kann das liegen?

Artgerecht ist nicht gleich artgerecht

Begriffe wie „artgerecht“ oder „tiergerecht“ sind gesetzlich nicht definiert – leider. Daher werden damit auch Produkte aus der Massentierhaltung beworben. Für die Erzeugung von Südtiroler Speck g.g.A. zum Beispiel werden „nur magere, vollfleischige Schlegel von Schweinen aus artgerechter Haltung verwendet“. Dass – vermutlich – nur die gesetzlichen Mindeststandards eingehalten wurden, vielleicht nicht einmal diese zur Gänze (lies unter Umständen Haltung in Ställen ohne Tageslicht oder Frischluft, Fütterung mit Gentech-Soja oder gar Kastrierung der Ferkel ohne Betäubung), wird nicht erwähnt.

Bewusste Entscheidung ohne Information? Fehlanzeige

Bei den meisten Produkten fehlt jegliche Information über die Tierhaltung. Damit ist es für Verbraucherinnen und Verbraucher unmöglich, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen. Wenn auch das Billigprodukt mit „artgerecht“ ausgelobt wird, wieso sollte man dann für ein Produkt, für welches tatsächlich höhere Tierschutzstandards eingehalten wurden, deutlich mehr bezahlen? Videos von Intensivtierhaltungen machen jedoch immer wieder deutlich, dass die gesetzlichen Mindeststandards bzw. die Kontrollen zur Einhaltung derselben nicht ausreichen, um Tierwohl zu garantieren.

Geiz sei geil, wurde uns beigebracht

Im Handel wird mit Dumpingpreisen für Fleisch geworben. Verbraucherinnen und Verbraucher haben so „gelernt“, dass Fleisch und Co zu Billigstpreisen zu haben sind. Der Griff zum besseren, teureren Produkt fällt da schwer – der Preisunterschied wird als enorm empfunden. Doch nicht das Bio-Produkt ist zu teuer, sondern das Billigprodukt zu billig. Hinzu kommt, dass der Bezug zwischen Produkt und lebendem Tier fehlt.

Ohne Angebot keine Nachfrage

In Südtirol ist Verfügbarkeit von Fleisch aus artgerechter lokaler Produktion bzw. aus lokaler biologischer Produktion begrenzt. Rindfleisch ist immerhin vereinzelt in Supermärkten erhältlich, lokales Schwein und Geflügel aber praktisch nicht verfügbar. Selbst wer bereit ist, für lokal und artgerecht produziertes Fleisch mehr zu bezahlen, kann es häufig nicht kaufen, weil schlicht das Angebot fehlt.

Was muss sich ändern?

Politisch braucht es eine Anhebung der gesetzlichen Mindeststandards sowie Anreize für wirklich artgerechte Produktion. Der Handel müsste auf Billigangebote verzichten. Wichtig und hilfreich wäre eine verpflichtende Kennzeichnung von tierischen Produkten in der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Schlussendlich braucht es ein Umdenken bei den VerbraucherInnen, denn durch ihren Einkauf können sie eine bestimmte Art der Tierhaltung unterstützen – sofern transparent informiert wird.

Deutlich weniger, dafür aber qualitativ hochwertiges Fleisch aus umwelt- und tierfreundlicher, im besten Fall lokaler Haltung, lautet die Devise.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

14 Kommentare auf "Tierwohl und Fleischkonsum: Zwischen Anspruch und Realität"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
wellen
wellen
Universalgelehrter
18 Tage 10 h

Da wird geschwindelt, was das Zeug hält. Deshalb nur eine Konsequenz: kein Fleisch mehr essen. Fleisch ist ein Klimakiller ersten Ranges , vom Leid der Tiere ganz zu schweigen, das direkt in die menschlichen Zellen hineingeht, Stichwort Antibiotikaresistenz. Der Südtiroler Speck ist reiner Etikettenschwindel. Tönnies Laster stehen vor der Senfter in Klausen. Graus . Dasselbe gilt für die ” Südtiroler”Milch, wo sich die Sennereien weigern, zu sagen, wieviel Fremdmilch in Mozzarella und Joghurt drinnen ist. Alternativen gibt es genug, die sehr gut schmecken.

tomsn
tomsn
Superredner
18 Tage 7 h

Schaugs amol in die meisten Ställer in Südtirol hängen die Kühe auf a holb Meter longen Kette und kenen grod austien und net mear. Sel isch a Tierquälerei!

Oracle
Oracle
Superredner
18 Tage 6 h

@tomsn, ein Hund an der Leine? Ein Kanarienvogel oder Hamster im Käfig? Es ist nicht so einfach, wie man es vielleicht möchte. Mehr Freiflächen für Tiere, weniger Flächen für andere Zwecke….

schneidigozoggla
schneidigozoggla
Superredner
18 Tage 8 h

jo logisch kafn nocha wienig Tierwohl Fleisch wenns billig-Fleisch gib.
I bin do gonz in do Meinung wie in Artikel. Sot jedo essn wossa will obbo is Billigfrisch gheart voboten.

N. G.
N. G.
Tratscher
18 Tage 10 h

Der Südtiroler Bauer würde, wenn er müsste, sein Fleisch genau so produzieren wie jeder andere in Europa!
Er wird in hohem Maß subventioniert und so manch Einer macht dann auf Bio und tut wie wenn..!
Würde man das Thema wirklich ernst nehmen, wäre schon lange viel mehr passiert!
Alles Heuchelei, vin Seiten der Politik und den Bauern!
Alleune der Verbraucher hätte die Macht dazu aber wir so schön im Bericht… GEIZ IST GEIL

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
17 Tage 9 h

@N.G.
Schau dir mal die andere Seite an, nicht den Bauern sondern den Verwerter.
Die Restaurants bieten für die Erwerbstätigen das Billigmenü an und mittlerweile auch für die Touristen das gleiche fixe Billigmenü zu etwa 11-12 Euro. Natürlich kann da nur Industrieschweinefleisch hergenommen werden sowie Industriegeflügelfleisch.
Kein Restaurant kauft da einheimisches Fleisch vom Bauern des Vertrauens.
Da müsste man viel mehr bezahlen sonst hat der Bauer auch nix. So funktionierts nicht. Es hilft nix gegen die Tierhalter zu wettern und selber das vakumierte Billigwürstchen ins Wasser zu schmeissen.

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
18 Tage 6 h

schuld sind auch wir konsumenten wenn wir solches grausiges Zeug kaufen…hauptsache schön verpackt und billig ! 🤮
arme Tiere !

Neumi
Neumi
Kinig
18 Tage 8 h
“Geiz ist geil” musste uns nicht beigebracht werden. Sparfüchse sind wir, weil wir’s sein müssen. Heißt es nicht andernorts, man sollte immer mehrer Angebote vergleichen? Muss nicht bei einer öffentlichen Ausschreibung der günstigste geeignete Anbieter gewählt werden? Wie blöd bin ich, wenn ich für ein identisches Produkt bei Anbieter B 20% mehr ausgebe als bei Anbieter A? Dem Fazit kann man allerdings zustimmen. Die gesetzlichen Standards müssen der Notwendigkeit folge leisten. Es kann nicht der Endkunde allein verantwortlich gemacht werden. ps: In den Verbrauchertests in Deutschland schneiden die Diskonter-Angebot oft gleich gut ab wie die vom heimischen Metzger. Dass dieses… Weiterlesen »
falschauer
18 Tage 3 h

ich bin überzeugt, dass sich die 0 km produkte auf kurz oder lang durchsetzten werden (siehe zb die immer mehr aufkommenden bauermärkte), vor allem beim fleisch ist man bei einheimischen produkten relativ sicher, dass sie aus keiner massentierhaltung stammen, ja dieses fleisch ist teurer, aber ich ziehe es vor einmal in der woche fleisch zu essen dann aber eine gute qualität, dabei unterstütze ich nicht nur die lokale wirtschaft sondern steuere auch dem sinnlose güterverkehr in meinem bescheidenen ausmaß entgegen, es liegt in der hand der konsumenten für eine nachhaltige bessere welt einzustehen

sophie
sophie
Universalgelehrter
18 Tage 9 h

Dann muss eben die Politik das unterstützen mit einer Regelung, damit sich der Konsument und Endverbraucher endlich mal auskennt beim Einkauf und auch das sein richtiges Produkt kauft !!!!!!

Oracle
Oracle
Superredner
18 Tage 6 h

@sophie, … das kann man auch am Preis erkennen. bei 6€ pro kg Fleisch für den Endverbraucher…. keiner produziert Fleisch um des Produzierens wegen, Arbeitsplätze müssen sich auch auszahlen…

inni
inni
Universalgelehrter
18 Tage 3 h

Wenn i des Foto unschaug, krieg i Hunger  😋

Hotznplotz
Hotznplotz
Grünschnabel
18 Tage 9 h

Artgerecht geschlachtet…

Johannes
Johannes
Tratscher
17 Tage 10 h

Der weltweite Fleischkonsum und die damit verbundene Zuchttierhaltung beeinflusst den Klimawandel mit ihren enormen Mengen an Methangasausstößen am meisten! Wollen wir den Klimawandel und die damit einhergehenden Unweltschäden begrenzen, bleibt und nichts anderes übeig als weltweit auf Fleisch gänzlich zu verzichten!

wpDiscuz