Von: mk
Bozen – Passionsfrucht, Apfelpunsch, Pflaume-Zimt oder nicht zu vergessen Cola – für jede nur erdenkliche Geschmacksrichtung gibt es heute Brausewürfel (z.B. „waterdrop“), Aroma-Sirupe (z.B. „Zerup“) oder Aroma-Briefchen als Trinkwasserzusatz. Die meisten davon kalorienfrei und ohne Zucker, werden sie als gesunde und trendige Alternative sowohl zu zuckergesüßten Getränken als auch zum geschmacksneutralen Leitungswasser beworben. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) hat für einen Marktcheck neun solche Aromazusätze (zwei Brausewürfel, zwei Aroma-Sirupe, zwei Aroma-Briefchen, zwei Teebeutel für den kalten Aufguss und einen Duftzusatz) berücksichtigt.
Dabei fiel auf, dass bis auf den Duftzusatz alle Produkte Süßungsmittel oder süßende Zutaten enthalten. Mehrheitlich sind dies künstliche Süßstoffe – Acesulfam K (E950), Natrium-Saccharin (E954), Sucralose (E955) und Steviolglykoside (E960) –, bei einigen Produkten auch Fruchtpulver, Fruchtsaftkonzentrate, Maltodextrin und Süßblätter sprich Steviablätter. Studienergebnisse weisen darauf hin, dass der regelmäßige Konsum von künstlichen Süßstoffen die menschliche Darmflora verändern und die Regulation des Blutzuckerspiegels stören kann, wodurch langfristig das Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes ansteigt. Verwendet man die Aromazusätze gemäß der jeweiligen Zubereitungsempfehlung, erhält man der Verbraucherzentrale NRW zufolge Getränke, die sehr stark süß schmecken. Bei regelmäßigem Genuss gewöhnt man sich an den intensiven Süßgeschmack. Die Geschmackswahrnehmung verschiebt sich.
Künstlich hergestellt sind vermutlich auch einige der verwendeten Aromen, während die Bezeichnung „natürliches Aroma“ nur für die Gewinnung aus pflanzlichen, tierischen oder mikrobiologischen Rohstoffen steht, ohne über den genauen Ursprung zu informieren.
Die beiden Brausewürfel im Marktcheck sind zudem mit Vitaminen wie Vitamin C, Niacin, Pantothensäure, Folsäure, Vitamin B1, Vitamin B6 und Vitamin B12 angereichert. Bei einem der Brausewürfel stießen die Verbraucherschützer zudem auf nicht zugelassene gesundheitsbezogene Angaben wie „innere Harmonie und Ausgeglichenheit“. Zu oft erfolgt die Vitaminanreicherung bei Lebensmitteln willkürlich und ohne Notwendigkeit. Im Vordergrund stehen für die Hersteller die Verkaufsargumente und Werbebotschaften in Zusammenhang mit den zugesetzten Vitaminen. Dabei sind gesunde Menschen über eine vielseitige und ausgewogene Ernährung in der Regel ausreichend mit Vitaminen versorgt und nicht auf deren Aufnahme über Getränke angewiesen.
Der gewohnheitsmäßige Konsum von Wasserzusätzen verteuert die Kosten für das Trinken von Leitungswasser merklich. Die im Marktcheck erhobenen Preise (für Deutschland) betragen für Aroma-Sirup 0,18 bis 0,73 Euro pro Liter aromatisiertes Wasser, für Teebeutel 0,46 bis 0,83 Euro pro Liter, für Brausewürfel 1,34 Euro pro Liter und für Aroma-Briefchen 1,20 bis 2,65 Euro pro Liter.
Fazit
Trinkwasserzusätze können demnach manchen Menschen dabei helfen, mehr Leitungswasser zu trinken, und anderen, weniger Erfrischungsgetränke in Einweg-Flaschen zu kaufen. Wer die Wasserzusätze stärker verdünnt, als von den Herstellern empfohlen, reduziert sowohl den übertrieben süßen Geschmack als auch die Kosten für das aromatisierte Wasser.
„Kalorienfreie künstliche Süßstoffe sind jedoch kein guter Zuckerersatz“, unterstreicht Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol. „Wenn überhaupt, sollte man sie nur gelegentlich und in geringen Mengen konsumieren. Eine natürliche Alternative zu den süßen Aromazusätzen der Lebensmittelindustrie sind frische Kräuter und/oder Früchte, die man kurz in einer Karaffe Wasser ziehen lässt.“ So oder so ist es wichtig, die verwendete Trinkflasche oder Karaffe immer gründlich zu reinigen, um Verunreinigungen und Bakterienfilmen vorzubeugen.




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