Die Schuld liegt beim Täter

Warum richten sich Tipps gegen Vergewaltigungen immer nur an Frauen?

Sonntag, 24. September 2017 | 08:35 Uhr

Bozen – Die Gefahr, Opfer einer Vergewaltigung zu werden, stellt für Frauen eine Extremsituation dar. Aus reinem Selbsterhaltungstrieb geraten Frauen häufig in eine Art „Schockstarre, wenn es brenzlig wird (Südtirol News hat berichtet), die es zu überwinden gilt. Techniken zur Selbstverteidigung können eine gute Hilfe sein. Etwas anderes ist die Prävention. Ein Flyer, der auf Facebook kursiert, prangert an, dass sich Ratschläge ausschließlich an Frauen wenden. Dabei liegt das Problem eigentlich woanders.

Tipps wie “Tragt nicht zu kurze Röcke, trinkt nicht zu viel, nehmt immer eine Pfefferspray-Dose mit, geht nicht alleine auf die Straße, ermutigt die Männer nicht!”, haben viele Frauen und Mädchen sicher schon gehört. Viele meinen es sicher gut mit solchen Hinweisen.

Einerseits stärken viele dieser Ratschläge jedoch nicht unbedingt das Selbstbewusstsein von Frauen und minimieren auch die Ängste nicht – und gerade die Angst kann lähmend sein.

Andererseits ist all das nicht die Ursache einer Vergewaltigung. Denn Schuld trägt nämlich einzig und allein der Täter. Der Flyer auf Facebook richtet sich deshalb ausschließlich an Männer.

Die Tipps klingen teilweise wie ein Scherz. Doch die beißende Ironie will aufzeigen, dass man Frauen keinen Gefallen tut, wenn man sie für ein Leid, das ihnen angetan wird, auch noch mitverantwortlich macht.

So lauten die Tipps an potentielle Vergewaltiger:

“1. Wenn jemand betrunken ist, nutze das nicht aus, um sie zu vergewaltigen.

2. Wenn du eine Frau alleine auf der Straße siehst, lass sie einfach in Ruhe.

3. Lass dich von deinen Freunden unterstützen: Wenn es dir schwierig erscheint, dich zurückhalten zu können, jemanden zu vergewaltigen, dann lass dich von einem vertrauenswürdigen Freund begleiten, der dich abhält.

4. Trag immer eine Not-Pfeife bei dir! Wenn dir klar wird, dass du jemanden vergewaltigen willst, dann pfeife so laut du kannst, bis jemand kommt und dich zurückhält.

5. Ehrlichkeit ist immer die beste Taktik: Wenn du mit jemandem ausgehen willst, gib nicht vor, dass du an ihr als Person interessiert wärst. Sag ihr geradeaus, dass du sie vergewaltigen willst. Wenn du deine Absichten nicht klar kommunizierst, dann sehen Frauen das als Zeichen, dass du sie nicht vergewaltigen willst.”

 

Pubblicato da Liberate the Ladies su Martedì 7 febbraio 2017

 

Die Moral von der Geschichte: Auch Männern darf Verstand zugetraut werden. Sie sind keine willenlosen Sklaven ihrer Triebe, die beim Anblick eines nackten Oberschenkels oder eines Minirocks nicht mehr für ihre Taten verantwortlich gemacht werden können.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Mehr zu diesem Thema
Hier gibt es die Tipps!
Vergewaltigung: Wie soll sich eine Frau wehren?
22. September 2017 | 08:01