„Tagebuch der Lebensmittelabfälle“

Welternährungstag: Was landet in der Tonne?

Mittwoch, 16. Oktober 2019 | 08:02 Uhr

Bozen – Ein Drittel aller für den menschlichen Konsum erzeugten Lebensmittel geht weltweit jedes Jahr verloren oder wird verschwendet: Rund 1,3 Milliarden Tonnen sind das laut Schätzungen der FAO. Mit dem „Tagebuch der Lebensmittelabfälle“ erhebt die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) gemeinsam mit Eurac Research, wie viele Lebensmittel in den Südtiroler Haushalten entsorgt werden.

Der Welternährungstag rückt die Themen Hunger, Ernährungssicherheit und Lebensmittelverschwendung in den Fokus. „Wie ernähren wir die Welt bei täglich 821 Millionen hungernden Menschen? Wir könnten es jetzt schon – wenn wir nicht so sorglos mit unseren Ressourcen umgehen würden. Heute ist also eine gute Gelegenheit, um zu überlegen, was man selbst im Alltag tun kann“, so der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Südtirol, Walther Andreaus. In „schöner“ Regelmäßigkeit wird am 16. Oktober auf das enorme Ausmaß der Lebensmittelverschwendung und auf die unglaubliche Zahl von 1,3 Milliarden Tonnen hingewiesen. In den reicheren Ländern gehen rund 40 Prozent der verschwendeten Lebensmittel (die Abfälle aus Landwirtschaft und Fischerei sind dabei nicht berücksichtigt) auf das Konto der Haushalte. Dabei darf nicht übersehen werden, dass Lebensmittelverschwendung ihren Ursprung in unserem industriellen Lebensmittelsystem hat, welches billig und auf Masse produziert und noch dazu große Mengen an genießbaren Produkten aufgrund von optischen „Mängeln“ von der Vermarktung ausschließt. Verschwendung wird damit sozusagen als Nebenwirkung in Kauf genommen.

Einladung zum Tagebuchführen

Wie viele Lebensmittel in den Südtiroler Haushalten als Abfälle enden, das möchte die Verbraucherzentrale Südtirol in Zusammenarbeit mit dem Institut für Regionalentwicklung von Eurac Research herausfinden und hat zu diesem Zweck die Aktion „Tagebuch der Lebensmittelabfälle“ initiiert. Alle privaten Haushalte in Südtirol werden eingeladen, eine Woche lang Tagebuch über die entsorgten Lebensmittel zu führen und zu notieren, welche Lebensmittel in welcher Menge und aus welchem Grund entsorgt werden. Bis spätestens 26. November 2019 müssen die ausgefüllten Fragebögen an die Verbraucherzentrale Südtirol übermittelt werden, damit sie – selbstverständlich in anonymisierter Form – ausgewertet werden können. Der Fragebogen samt Tipps wird mit dem aktuellen Verbrauchertelegramm verteilt und steht auch auf der Internetseite der Verbraucherzentrale zum Herunterladen und Ausdrucken sowie als Excel-Tabelle zur Verfügung. „Wir hoffen, dass sich viele Haushalte beteiligen“, wünscht sich Silke Raffeiner, die Projektverantwortliche der VZS, „zum einen, damit wir verlässliche Daten erhalten, zum anderen aber auch, weil allein schon durch die Aufzeichnung mehr Bewusstsein geschaffen wird.“

Ein Gutteil der Lebensmittelabfälle wäre vermeidbar

Der Blick über die Landesgrenzen zeigt: Mindestens 55 Kilogramm Lebensmittel werden in den privaten Haushalten in Deutschland pro Person und Jahr weggeworfen – so die Ergebnisse einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus 2017. Einer der Gründe dafür ist der vorzeitige Verderb – beispielsweise weil mehr eingekauft wurde, als tatsächlich benötigt wird. Auch werden Lebensmittel weggeworfen, weil sie nicht mehr richtig frisch sind oder nicht mehr appetitlich aussehen. Speise- und Tellerreste landen im Müll und nicht zuletzt Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wurde. Entsprechend werden die Hälfte bis zwei Drittel der Lebensmittelabfälle als vermeidbar eingestuft. Das bedeutet, sie sind oder waren essbar und gesundheitlich einwandfrei, wurden aber wegen Verderbs, Verfalls, Qualitätsmängeln oder aus anderen Gründen nicht verzehrt, sondern entsorgt.

Ein Beitrag zu Klimaschutz und Ressoucenschonung

3,3 Milliarden Tonnen Treibhausgase (CO2-Äquivalente) im Jahr und damit – nach China und den USA – der dritte Platz im Ranking der größten Treibhausgasproduzenten: so viel trägt laut FAO die weltweite Lebensmittelverschwendung zum Klimawandel bei. Eine Verringerung der Lebensmittelabfälle ist daher aktiver Klimaschutz und schont die natürlichen Ressourcen. Schließlich werden auch für Lebensmittel, die nicht auf dem Teller, sondern in der Tonne landen, Wasser, Boden und Energie benötigt. 1.600 Liter Wasser werden beispielsweise für ein Kilo Brot benötigt, über 15.000 Liter Wasser sind es für ein Kilo Rindfleisch.

Weitere Initiativen sind geplant

Die Aktion „Tagebuch der Lebensmittelabfälle“ wird im Rahmen des Projekts „Una Buona Occasione – Eine gute Gelegenheit“ zur Verringerung der Lebensmittelabfälle durchgeführt. Die Verbraucherzentrale Südtirol arbeitet dafür mit den Regionen Piemont und Aostatal zusammen, das Projekt wird über die Autonome Region Trentino-Südtirol durch das Land finanziell gefördert. Neben den Haushalten sind die Südtiroler Oberschulen, Berufsschulen und Fachschulen eine weitere Zielgruppe. Für sie werden im laufenden Schuljahr die beiden Unterrichtsmodule „Lebensmittelverschwendung: was geht mich das an?“ und „Lebensmittelverschwendung: was tun?“ kostenlos angeboten. In den nächsten Monaten werden zudem Resteverwertungsrezepte gesammelt und veröffentlicht sowie eine eigene App mit Tipps für die korrekte Lagerung von Lebensmitteln erstellt.

„Lebensmittel bedarfsgerecht und anhand einer Einkaufsliste einkaufen, dabei die nicht benötigten Aktionsangebote ignorieren und zu Hause die eingekauften Produkte sachgerecht und mit System in Kühl-, Gefrierschrank und Vorratskammer einräumen: damit lassen sich Lebensmittelüberschüsse, die dann später vielleicht entsorgt werden, von vornherein vermeiden“, so die Tipps der Verbraucherzentrale Südtirol.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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12 Kommentare auf "Welternährungstag: Was landet in der Tonne?"


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Anderrrr
Anderrrr
Tratscher
27 Tage 8 h

Es konn net sein das a produkt wos laut datum lez sein sollet ober men decht no essn kannt in der Tonne londeb
Die supermärkte hauen zuig wek wos oft kansch bedürftige gebn..

Staenkerer
27 Tage 6 h

de gschäfte sein an gsetze gebunden, noch verfollsdatum geat nix mehr! ober in einige gschäfte gibs ware de kurz vorn verfollsdatum stien zum holbn preiß und a “gutes von gestern” werd

Staenkerer
27 Tage 6 h

de gschäfte zwing es gsetz verfollene ware zu verschmeißn!
viele bitn ober ware kurz vorn verfollsdatum zum holbn preiß un, oder “gutes von gestern”, einige gebn es der “tafel”, ober ba den überangebot an produckte werd leider ollm no unmengen a ledensmittel den weg in de tonne gien!
oh, no eppas: lebensmittel wie zucker, honig, solz und ondre holtn ba richtiger logerung ewig, das es sem a verfollsdatum brauch isch a oberqitz und reine verkaufsstrategie!

8888
8888
Neuling
27 Tage 10 h

das angegebene Datum mit der Mindesthaltbarkeit ist ein absoluter Witz und stimmt nicht die meisten Lebensmittel kann man drei bis sechs Monate später ohne Probleme noch essen wenn sie ordentlich gekühlt sind

toeeuni
toeeuni
Tratscher
27 Tage 8 h

ja, aber wer haftet im falle des falles? sicher nicht der kunde

Staenkerer
27 Tage 7 h

i kaf nie viel in voraus, außer long holtbares wie mehl, zucker, kaffe, nudel u.ä., holt mi nie ans verfollsdatum sonder schaug, riech und kost, und oanmol de woche gibs “kühlschrankrückschau-menù, somit londer sehr, sehr selten, fost nie eppas in der tonne!

Reitiatz
Reitiatz
Tratscher
27 Tage 11 h

i schmeiß lai zuig aweck wos wirklich nimmr guat isch

Andreas1234567
Andreas1234567
Tratscher
27 Tage 3 h

Hallo zum Nachmittag,

bekanntlich streife ich ja gern in den Südtiroler Bergregionen herum.

Wenn man alte Südtiroler aus den Bergregionen beim Essen zuschaut, die Teller gehen “wie frisch gespült” zurück.
Ein mit Sosse bekleckerter Teller? Undenkbar, es wird mit Brot aufgesogen.
Kuchenkrümel? Fast andächtig wird mit der angefeuchteten Kuchengabel jeder Krumen vom Teller geklaubt.

Diesen Respekt vor Lebensmitteln habe ich mir abgeschaut..

Zum Ärger der dort oben allgegenwärtigen Hof-und Almschweine, von mir gibt es keine Essensreste.

Gruss nach Südtirol

Sag mal
Sag mal
Kinig
27 Tage 10 h

aber Müll verkaufen und das meiste verlangen soll auch nicht sein dürfen!!!!!

toeeuni
toeeuni
Tratscher
27 Tage 8 h

ein drittel. EIN DRITTEL WTF!
ins isch nimmer zi helfn

schreibt...
schreibt...
Superredner
27 Tage 4 h

Laut weltweiter Nahrungsmittelproduktion hätten 12 Milliarden Menschen ausreichend zu essen!

nikki
nikki
Tratscher
26 Tage 11 h

Definitiv viel zu viele Sochen, de no guat waren.

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