Von: apa
Im Insolvenzverfahren gegen die von Immobilienunternehmer René Benko einst mitgegründete Laura Privatstiftung hat Montagnachmittag am Landesgericht Innsbruck die erste Prüfungstagsatzung stattgefunden. Von den bereits im Vorfeld bekannt gewordenen rund 1,7 Mrd. Euro an Forderungen der Gläubiger wurden vorerst nur 32,7 Mio. Euro vom Masseverwalter als berechtigt anerkannt. Doch letzterer Betrag dürfte ziemlich bald in die Höhe schnellen.
Die anerkannten Forderungen betrafen sechs der insgesamt 32 Gläubiger, darunter etwa Banken und andere, die Darlehen gewährten. Doch mit der nicht-öffentlichen Verhandlung am Dienstag, die rund zwei Stunden dauerte und zu der auf Schuldnerseite keine einer breiten Öffentlichkeit bekannten Proponenten bzw. Vertreter erschienen, dürfte es noch lange nicht getan sein. Jedenfalls was die anerkannten Forderungen betrifft. Schon in den kommenden Tagen sollten sogenannte “Intercompany-Forderungen”, also solche von mit der Laura-Stiftung verbundenen Gesellschaften, anerkannt werden. Rund 30 Mio. Euro würden dabei zu den bereits anerkannten 32,7 Mio. Euro hinzugerechnet werden, brachte die APA in Erfahrung.
Forderungen aus Schiedsverfahren dürften anerkannt werden
Doch der wirklich große Brocken dürfte erst etwas später kommen: Denn den überwiegenden Teil der angemeldeten Ansprüche machten solche von Fonds aus dem Nahen und Mittleren Osten aus – hier liefen bzw. laufen noch Schiedsverfahren. Diese wurden am Montag noch nicht anerkannt. Dem Signa-Gläubiger Mubadala aus Abu Dhabi war zuletzt in einem solchen von einem Schweizer Schiedsgericht etwas mehr als 700 Mio. Euro zugesprochen worden. Dies führte letztlich dazu, dass die Laura Privatstiftung einen Eigenantrag auf Insolvenzeröffnung einbrachte. Insgesamt hat man es laut dem Kreditschutzverband KSV1870 bisher mit Schiedssprüchen des internationalen Schiedsgerichts ICC in Genf zu tun, die die Stiftung zur Zahlung von über 900 Mio. Euro inklusive Zinsen verpflichten.
Bezüglich dieser Schiedssprüche ist es jedenfalls wahrscheinlich, dass es für die Laura Privatstiftung noch äußerst unangenehm wird: Denn die Forderungen aus dem Schiedsgerichtsurteil dürften letztlich auch anerkannt werden, erfuhr die APA aus verlässlicher Quelle. Es wurde davon ausgegangen, dass sich die anerkannten Forderungen schließlich auf etwa 1,5 Mrd. Euro summieren könnten.
Jedenfalls sei ein Gutachten in Auftrag gegeben worden, um zu prüfen, ob in Österreich hinsichtlich des Schiedsgerichts-Entscheids eine Vollstreckbarkeit vorliegt. Mit dem Ergebnis werde in “ein bis zwei Monaten gerechnet”, sagte Masseverwalter Stefan Geiler am Montag nach der Verhandlung zur APA.
Insolvenzverfahren wird Jahre dauern
Nicht so schnell wird hingegen das komplette Insolvenzverfahren abgeschlossen sein. Vielmehr steht fest: Es wird Jahre dauern, bis alles verwertet sein wird. Denn der Insolvenzverwalter muss sich erst einmal einen Überblick über sämtliche Beteiligungen der Laura Privatstiftung verschaffen. Diese hält zahlreiche Unternehmensbeteiligungen in Österreich und war in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Immobilientransaktionen auch im Ausland aktiv. Die österreichischen Beteiligungen der Stiftung verfügten wiederum selbst über eine Vielzahl an Beteiligungen.
Masseverwalter Geiler muss sich jede einzelne dieser hunderten Gesellschaften anschauen, von denen viele auch vermögenslos seien. Jede dieser Beteiligungen müsse auf ihre Werthaltigkeit überprüft und im Falle des Falles aus der Verwertung der Liegenschaften Geld realisiert werden. Zu den Liegenschaften gehören einige, die zu einer gewissen medialen Berühmtheit gelangten, wie etwa die Villa N in Igls, das Chalet in Lech oder ein Forstgut in der Steiermark. Das Vermögen der Stiftung besteht aber auch aus Immobilien in Deutschland und Italien, Start-up-Beteiligungen und anderen Firmenbeteiligungen. Kurzum: Eine äußerst diffizile Aufgabe für den Masseverwalter, denn: Ein klassischer Unternehmensbetrieb wurde und wird von der Laura Privatstiftung nicht geführt.
Keine Klarheit gibt es vorerst somit auch weiter über die noch vorhandenen Aktiva bzw. das Vermögen der Stiftung. Die “Buchwerte” der Beteiligungen würden sicher mehrere hundert Millionen Euro betragen, erklärte der KSV1870-Leiter in Tirol, Klaus Schaller, am Montag. Doch offen sei, was sich aus den “darunterliegenden” Liegenschaften letztlich realisieren lasse, die teilweise auch mit Pfandrechten belastet seien.
Der Jahresabschluss 2024 habe jedenfalls noch ein Stiftungsvermögen von rund 247 Mio. Euro ausgewiesen, berichtete der Alpenländische Kreditorenverband (AKV). Jener für 2025 liege noch nicht vor.
Benko kein Begünstigter mehr
Die Privatstiftung war von den Stiftern René Benko und seiner Mutter Ingeborg Benko im Dezember 2006 gegründet und Anfang 2007 im Firmenbuch registriert worden. Über die Jahre erfolgten viele Änderungen der Stiftungsurkunde. Im Rahmen einer dieser Änderungen schied der inzwischen insolvente und in Untersuchungshaft sitzende Benko aus der Gruppe der Begünstigten aus.
Die Laura Privatstiftung spielt auch in den Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) rund um die Causa Signa eine wichtige Rolle. Signa-Gründer Benko selbst befindet sich seit über einem Jahr in Untersuchungshaft. Er wurde in zwei Strafverfahren nicht rechtskräftig verurteilt. Benko wies bisher stets jegliche Vorwürfe zurück und bekämpft die Gerichtsentscheidungen.




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