Verbraucherschützer: Betrügerische Anzeigen nur selten entfernt

AK geht gegen Facebook und Co. wegen betrügerischer Ads vor

Donnerstag, 21. Mai 2026 | 11:58 Uhr

Von: apa

Die sozialen Netzwerke sind voll von betrügerischen Finanzwerbungen. Sie lauten “Ohne Risiko reich werden” oder “Mit Kryptowährungen zum schnellen Geld”. Die Arbeiterkammer (AK) geht nun gemeinsam mit dem europäischen Verbraucherverband BEUC und Konsumentenschutzorganisationen aus 27 Ländern gegen Meta, TikTok und Google vor. Sie haben am Donnerstag Beschwerden bei der EU-Kommission und nationalen Behörden eingebracht, weil diese viele der Ads nicht löschen.

Die Verbraucherschützer werfen den Plattformbetreibern vor, ihren Verpflichtungen aus dem EU Digital Services Act (DSA) nicht nachzukommen – gefährliche, betrügerische Finanzwerbungen blieben deshalb online. Anzeigen mit falschen Gewinnversprechen “fluten täglich Facebook, Instagram, TikTok und Google und locken Nutzer:innen in die Falle”, erklärte AK-Expertin Louise Beltzung das Problem.

Nur 27 Prozent der betrügerischen Anzeigen wurden entfernt

Die AK Wien und ihre Partner haben zwischen Dezember 2025 und März 2026 knapp 900 Anzeigen gemeldet, aber die Plattformen hätten nur 27 Prozent davon tatsächlich entfernt. Mehr als jede zweite Meldung hätten sie einfach zurückgewiesen oder ignoriert. Die Folge: Hunderte Finanzbetrugsmaschen blieben online und erreichten Monat für Monat über 200 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten in Europa.

Die Arbeiterkammer selbst meldete rund 130 problematische Videos. “Es zeigte sich ein Unterschied zwischen offiziellen Meldungen und Beschwerden privater Nutzer:innen”, so Beltzung. Die AK verfügt seit Kurzem über die Berechtigung als sogenannter “Trusted Flagger” (deutsch: “vertrauenswürdiger Hinweisgeber”). Trusted Flagger sind zertifizierte, unabhängige Organisationen, die rechtswidrige sowie dubiose Inhalte melden. Ihre Meldungen müssen gemäß EU-Recht von den Plattformen vorrangig behandelt und unverzüglich bearbeitet werden, um die Entfernung illegaler Inhalte zu beschleunigen.

Als Trusted Flagger zeigten die AK-Meldungen immerhin teilweise Wirkung, Hinweise privater Nutzer hingegen seien überall ins Leere gelaufen. Beltzung: “Die Plattformen müssen dubiose Anzeigen nicht nur schneller löschen, sondern auch User:innen-Meldungen endlich ernst nehmen. Private Meldungen wurden vielfach einfach ignoriert – mit der Begründung, die Werbung verstoße angeblich nicht gegen die Werbestandards.”

AK: “Empfindliche Geldstrafen” bei Untätigkeit

Die Arbeiterkammer fordert von der EU-Kommission und den nationalen Aufsichtsbehörden, die Plattformen streng zu prüfen und die Einhaltung des Digital Services Act durchzusetzen. Falls Meta, TikTok und Google weiterhin untätig bleiben, müssten “empfindliche Geldstrafen” folgen.

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