Anthropic will an Börse

Anthropic wirbt mit hohen Wachstumsraten um Investoren

Montag, 26. Oktober 2026 | 19:37 Uhr

Von: importer

Der KI-Entwickler Anthropic wirbt mit hohen Wachstumsraten um die Gunst potenzieller Investoren. Gleichzeitig warnte das US-Start-up in seinem am Montag offiziell veröffentlichten Emissionsprospekt vor den Gefahren Künstlicher Intelligenz (KI). Ein Datum für das Debüt an der US-Technologiebörse Nasdaq mit dem Börsensymbol “ANT” oder finanzielle Details wie die Zahl der ausgegebenen Aktien nannte Anthropic in dem Dokument nicht.

Das Unternehmen hält an seinen Börsenplänen fest, obwohl der Erzrivale OpenAI wegen Affären um außer Kontrolle geratene KI-Modelle sein Debüt verschiebt. Auch andere Kandidaten warten lieber ab. Sie befürchten, wegen der jüngsten Kursturbulenzen an den Finanzmärkten Abstriche beim Emissionspreis machen zu müssen. Anthropic dürfte Schätzungen zufolge auf eine Marktkapitalisierung von 1,5 Billionen Dollar kommen. Das ist zwar etwa eineinhalb Mal so viel wie bei der jüngsten Finanzierungsrunde im vergangenen Mai. Anthropic hatte jedoch ursprünglich eine Bewertung von etwa zwei Billionen Dollar angepeilt.

Börsengang verschafft Unternehmen größere finanzielle Flexibilität

“Vielleicht hätten sie im nächsten Jahr eine höhere Bewertung erzielen können, aber sie haben sich entschieden, ‘das Pflaster schnell abzuziehen'”, sagte Anlagestratege Matt Kennedy vom ETF-Anbieter Renaissance Capital. Der Börsengang verschaffe dem Start-up zum einen größere finanzielle Flexibilität und setze zum anderen interne Ressourcen frei, die bisher durch die Emissionspläne gebunden waren.

Mit dem Emissionserlös will Anthropic unter anderem in Forschung und Entwicklung sowie den Ausbau der KI-Infrastruktur investieren. Anleger bezweifeln jedoch zunehmend, dass sich die Investitionen auszahlen werden, und befürchten massive Abschreibungen. Gleichzeitig treiben steigende Zinsen die Kosten in die Höhe. “Unser Erfolg hängt zu einem großen Teil von unserer Fähigkeit ab, weiterhin die fortschrittlichsten und leistungsfähigsten KI-Modelle zu entwickeln”, hieß es im Börsenprospekt weiter. “Sollte uns dies nicht gelingen, könnte dies unser Geschäft schwer beeinträchtigen.”

Sprunghaftes Wachstum, zahlreiche Fallstricke

Bisher ist davon jedoch nichts zu spüren. Im zweiten Quartal steigerte das Start-up seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 1.400 Prozent. In der ersten Jahreshälfte 2026 erwirtschaftete Anthropic einen Erlös von insgesamt 16,3 Milliarden Dollar, hieß es im Börsenprospekt weiter. Gleichzeitig vervielfachte sich der Verlust auf 80,7 Milliarden Dollar. Ein Viertel des Umsatzes erzielt Anthropic jedoch mit lediglich zwei Großkunden. Diese und andere Abnehmer hätten meist keine langfristigen Verträge abgeschlossen. Sie könnten daher jederzeit Auftragsvolumina reduzieren oder stornieren. Zu den wichtigsten Kooperationspartnern des Start-ups zählen Amazon und Google.

Anthropic warnt im Börsenprospekt darüber hinaus eindringlich vor den Gefahren einer sich weiter beschleunigenden KI-Entwicklung. Menschliche Entwickler drohten die Kontrolle zu verlieren, weil sie nicht schnell genug angemessene Vorsichtsmaßnahmen umsetzen könnten. So könnten die KI-Modelle versuchen, sich ihrer Abschaltung zu entziehen oder erpresserisches Verhalten an den Tag legen. Nach einer Serie von Cyberattacken autonom agierender KI-Agenten warnen führende Experten, darunter auch Anthropic-Chef Dario Amodei, vor einer drohenden Auslöschung der Menschheit und fordern eine strengere Regulierung der Branche.

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