Von: importer
Das ASCII hat Österreichs Lieferketten in wichtigen Technologiebereichen untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass Abhängigkeiten vor allem in indirekter Form bestehen. Unter die Lupe nahmen die Forscher sieben von neun Bereichen, die in der Industriestrategie der Regierung als “Schlüsseltechnologien” definiert wurden. Kritisch sehen sie vor allem die Rolle von “Produktionszentren”, die auch dann Abhängigkeiten schaffen, wenn Produkte in verschiedenen Ländern gekauft werden.
Erhoben wurden 201 Güter, darunter Vorprodukte, die für die Entwicklung und Herstellung dieser “Zukunftstechnologien” benötigt werden. Gerade bei diesen Vorprodukten bestünden für Österreich und Europa “teils erhebliche direkte und indirekte strategische Abhängigkeiten von Lieferanten in konfliktanfälligen Regionen oder Ländern, die Handel als Wirtschaftswaffe einsetzen, vor allem China und die USA”, schreibt das im Wifo angesiedelte Lieferketteninstitut.
Betroffen seien verstärkt die Bereiche Advanced Production und Robotik, Chips und Elektronik sowie Energie und Umwelt. Das geringste systemische Risiko weise der Bereich Life-Sciences und Biotechnologie auf, in dem Handelsbeziehungen mit der Schweiz dominieren.
Mehrere Länder bedeuten nicht gleich Diversifizierung
Zugenommen hätten in der jüngeren Vergangenheit insbesondere “versteckte Abhängigkeiten” entlang der Lieferkette, die bisher wenig beachtet worden seien. “Mehr Lieferanten bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit. Das ist eine gefährliche Form der Abhängigkeit: Ein Unternehmen kann fünf Lieferanten in fünf Ländern haben – wenn diese am Ende alle vom selben Produktionshub abhängig sind, ist die Lieferkette nicht wirklich diversifiziert, auch wenn dies auf den ersten Blick so scheint”, erläutert ASCII-Direktor Peter Klimek.
China etwa ist laut der Studie mit einem Anteil von 76 Prozent die mit Abstand größte Nicht-EU-Quelle für wichtige industrielle Vorprodukte und Technologien – darunter tragbare Computer, Druckmaschinenteile, Dateninfrastrukturen, Industriemaschinen, Automatisierungstechnik und Fertigungstechnologie. Bei Taiwan seien es Halbleitervorprodukte, im fossilen Energiebereich wiederum weist das ASCII auf Abhängigkeiten von den USA (Flüssiggas) hin. “Diese starke Lieferantenkonzentration ist ein Warnsignal”, so Klimek, da geopolitische Spannungen zu Ausfällen führen oder die Preise massiv erhöhen könnten.
Mehr Kooperation auf EU-Ebene gefragt
Als mögliche Maßnahmen nennt die Analyse unter anderem den strategischen Einkauf in “verbündeten” Ländern, die Bündelung des Bedarfs europäischer Unternehmen (“Demand Pooling”) sowie eine stärkere Kooperation auf EU-Ebene. Bei Halbleitern solle Österreich gezielt bestehende Stärken wie Test- und Verpackungsausrüstung sowie IC-Designfähigkeiten ausbauen. Im Energiebereich könne der Ausbau erneuerbarer Energien, von Speicherinfrastruktur und grünem Wasserstoff neben der Erreichung der Klimaziele zugleich strategische Abhängigkeiten reduzieren.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen