Von: importer
Audi-Chef Gernot Döllner hat sich für seinen Auftritt zusammen mit US-Präsident Donald Trump gerechtfertigt, der ihm massive Kritik und die Forderung nach seinem Rücktritt eingebracht hat. Man habe im Interesse des Unternehmens gehandelt, betont er in einem internen Schreiben an die Mitarbeiter. Eine Stellungnahme auf der Audi-Website geht in eine ähnliche Richtung. In beiden räumt Döllner aber auch ein, dass der Auftritt “Fragen und auch Unverständnis” ausgelöst habe.
Produktionsvorstand Gerd Walker und er seien in Georgia gewesen, um die Gespräche und Verhandlungen über das geplante Werk voranzubringen. “Im Rahmen unserer Gespräche wurden wir gebeten, unsere Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika öffentlich vorzustellen”, schrieb Döllner. “Die Entscheidung, dieser Einladung zu folgen, haben wir ausschließlich im Interesse des Unternehmens getroffen.” Da die Gespräche vertraulich waren, habe man zudem nicht vorab darüber informieren können. “Gleichzeitig sehen wir, dass der Rahmen der Ankündigung als politisches Signal wahrgenommen wurde”, so Döllner. “Das nehmen wir sehr ernst.” Man stehe zu den Werte des Unternehmen, trage aber ebenso Verantwortung für die wirtschaftliche Zukunft von Audi.
Lokale Produktion von großer Bedeutung
Döllner verteidigte auch die Entscheidung für den Bau eines Werks. “Eine lokale Produktion in den USA ist für Audi von großer strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung.” Die USA seien der zweitgrößte Premiummarkt der Welt, das Geschäft von Audi dort aber “heute nicht profitabel”. Viele Konkurrenten hatten bereits seit Jahren eine lokale Produktion. Eine eigene Fertigung ermögliche es Audi wettbewerbsfähiger zu werden, Handels- und Währungsrisiken zu reduzieren und unser Wachstumspotenzial besser zu nutzen.
“Ein stärkeres US-Geschäft ist daher keine Entscheidung gegen Deutschland, sondern ein wichtiger Beitrag zur globalen Wettbewerbsfähigkeit von Audi und zur langfristigen Sicherung des Unternehmenserfolges”, betont der Chef des Autobauers.
VW-Konzernbetriebsrat: Vor “Scham im Boden versinken”
Der gemeinsame Auftritt mit Trump hatte für große Überraschung aber auch scharfe Kritik bis hin zur Rücktrittsforderung gesorgt. Ein Aspekt dabei ist, dass Audi in internen Regeln in den drei letzten Monaten vor Wahlen öffentlich wirksame Termine mit zur Wahl stehenden Parteien oder Politikern ausschließt. In den USA sind am 3. November aber Zwischenwahlen.
“Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie – und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe”, sagte VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo in einem internen Interview, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Wer die Rede von Trump gehört habe und dann habe wahrnehmen müssen, dass Döllner zum aktiven Teil dieser Veranstaltung geworden sei, müsse vor “Scham im Boden versinken”.
Audi erklärte, dass bei der Entscheidung “die Möglichkeit, die Voraussetzungen für eine langfristige Investition von Audi in den USA voranzubringen” im Mittelpunkt gestanden habe. “Ein solches Investment ist auf Jahrzehnte und damit weit über einzelne Wahlperioden hinaus angelegt. In dieser besonderen Situation galt es, das Unternehmensinteresse und ein konkretes Zeitfenster für das Vorhaben angemessen zu berücksichtigen.” Die internen Grundsätze stelle man damit nicht infrage. “Die Teilnahme diente ausschließlich der Wahrnehmung konkreter Unternehmensinteressen im Zusammenhang mit dem geplanten Investitionsvorhaben und war nicht Ausdruck einer parteipolitischen Positionierung.”
IG-Metall-Chefin: “Audianerinnen und Audianern nicht würdig”
“Die Art und Weise, wie Gernot Döllner sich und Audi in den USA präsentiert hat, ist höchst peinlich, politisch inakzeptabel und dem Unternehmen, vor allem aber den Audianerinnen und Audianern, nicht würdig”, erklärte Benner am Montag. Dieses Verhalten stoße ihr nicht nur persönlich sauer auf, sondern sie verurteile es auch klar. Döllner verletze zudem eklatant die eigenen Unternehmensregeln, die ausdrücklich politische Neutralität im Vorfeld von Wahlen verordnen.
Die Volkswagen-Tochter Audi betont in ihrem im April veröffentlichten Code of Conduct, der auch von Döllner unterschrieben wurde, die politische Neutralität: “Um diesen Grundsatz zu respektieren, werden in den letzten drei Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Parteien/Politikern und keine Sponsorings von entsprechenden Veranstaltungen mehr durchgeführt.”
“Befremden” auch in deutscher Politik
Die Partei “Linke” forderte den Rücktritt Döllners. Auch der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies kritisierte den Auftritt des Audi-Chefs bei der Trump- Wahlkampfveranstaltung scharf. “Eine Wahlkampfveranstaltung kann nicht der richtige Ort sein, eine solche Investition zu verkünden”, erklärte der SPD-Politiker am Montag. Der Chef der VW-Tochter Audi sei “Teil einer politischen Inszenierung” geworden, was Befremden ausgelöst habe.
Audi will in den USA produzieren
Trump hatte am Samstag überraschend den Bau eines Audi-Werks in Perry im US-Bundesstaat Georgia angekündigt. Döllner trat anschließend auf die Bühne und dankte dem US-Präsidenten für dessen Unterstützung. Der Chef der VW-Tochter ist auch Mitglied im Wolfsburger Konzernvorstand. Dort verantwortet Döllner die Markengruppe Progressive, die neben Audi auch die Luxusmarken Bentley und Lamborghini sowie den Motorradhersteller Ducati umfasst.
Audi will in Georgia jährlich 200.000 Sportgeländewagen (SUV) produzieren. Geplant sind Investitionen in Höhe von vier Milliarden Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro), 4.500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Audi nennt 2027 als Baubeginn, der Produktionsstart soll Anfang der 2030er-Jahre erfolgen. Es wäre das erste Werk der VW-Premiumtochter in den Vereinigten Staaten.
Cavallo sieht Verstoß gegen Leitlinien
Der Auftritt steht Cavallo zufolge auch im Gegensatz zu internen Leitlinien von Audi. In den drei letzten Monaten vor Wahlen seien öffentlich wirksame Termine mit zur Wahl stehenden Politikern untersagt. Döllner habe diese Prinzipien erst vor wenigen Monaten unterschrieben. Hier liege “sicherlich ein klarer Verstoß” vor. Die US-Zwischenwahlen finden am 3. November statt.
Die Pläne für ein Audi-Werk in den USA bewertet die VW-Betriebsratschefin nüchterner. Rein betriebswirtschaftlich könne das Sinn ergeben, sagte Cavallo. Der US-Markt zähle zu den größten und lukrativsten der Welt, der Marktanteil von VW sei dort aber immer noch viel zu klein. Zugleich seien die Zölle wegen Trump hoch und kosteten den Konzern Milliarden. Es spreche vieles für eine verstärkte Fertigung in den Vereinigten Staaten. Nach Audis Ankündigung seien aber noch viele Fragen offen – etwa, ob es im Gegenzug Zollerleichterungen für den gesamten VW-Konzern gebe. Ebenso unklar sei, wie belastbar solche Zusagen über einen möglichen Regierungswechsel hinaus wären.
Noch keine Zustimmung von VW-Aufsichtsrat
Innerbetrieblich stellt Cavallo klare Bedingungen. Für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat komme eine neue US-Fabrik – ganz egal von welcher Marke – nur dann infrage, wenn man Klarheit über die Auswirkungen für die übrigen Werke hätte, insbesondere in Deutschland. “Ohne ein Gesamtbild zur Planungsrunde mit dem Gesamtblick auf alle Standorte geben wir kein grünes Licht. Das heißt im Umkehrschluss, dass eine Entscheidung erst noch aussteht”, sagte Cavallo. Ob man der Option für den Neubau am Ende zustimmen werde, sei offen.




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