Von: mk
Bozen – Trotz globaler Turbulenzen präsentieren sich Südtirols Bauunternehmen robust. Doch die Unsicherheit wächst: Sinkende Investitionsbereitschaft, Rohstoffknappheit und der akute Mangel an Wohnraum standen im Zentrum der diesjährigen Vollversammlung des Baukollegiums. Präsident Christian Egartner fand dabei klare Worte und forderte mehr Mut von der Politik.
Egartner zog zunächst eine positive Bilanz für die Mitgliedsbetriebe: Diese hätten die Krisen der vergangenen Jahre nicht nur gemeistert, sondern seien teils gestärkt daraus hervorgegangen. Doch der Ausblick ist getrübt. „Die globalen Krisen erzeugen Unsicherheit, langfristige Planungen sind kaum noch möglich“, warnte der Präsident. Das spüre auch der Bausektor, da die Lust am Investieren merklich nachlasse.
Ein zentrales Thema der Versammlung war die wachsende Abhängigkeit von Rohstoffimporten. „Jährlich benötigt Südtirol für Infrastruktur- und Bauprojekte rund sechs Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe wie Sand, Kies und Stein“, erklärte Egartner.
Nur 35 Prozent des Bedarfs könnten derzeit aus lokalen Steinbrüchen gedeckt werden. Die restlichen 65 Prozent müssten über Recyclingmaterial oder Importe ausgeglichen werden.
Egartner plädierte leidenschaftlich dafür, heimische Ressourcen stärker zu nutzen, um die wirtschaftliche und gesellschaftliche Souveränität zu sichern.
Brennpunkt Wohnungsmarkt
Besonders dringlich sieht das Baukollegium die Lage am Wohnungsmarkt. Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, brauche es laut Egarnter neue Baumöglichkeiten – sowohl durch Nachverdichtung im Bestand als auch durch die Ausweisung neuer Zonen.
Egartner präsentierte folgende Rechnung: 357 Hektar neues Bauland, verteilt über das ganze Land, würden ausreichen, um den Wohnbedarf in Südtirol bis zum Jahr 2038 zu decken. „Das entspricht gerade einmal 0,054 Prozent der gesamten Landesfläche“, rechnet der Präsident.
Sein Appell an die Entscheidungsträger: Man müsse diese Flächen zügig ausmachen und die Verfahren beschleunigen. „Nur durch ein höheres Tempo bei der Ausweisung von Wohnbauland lässt sich das Ziel von ausreichendem und bezahlbarem Wohnraum – egal ob zum Kauf oder zur Miete – verwirklichen, erklärte Egarnter.




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