Jahresvollversammlung

Bergmilch Südtirol-Mila setzt Qualitätsstrategie fort

Mittwoch, 23. Mai 2018 | 13:31 Uhr

 

Bozen – Bei der heutigen Jahresvollversammlung hat die Bergmilch Südtirol-Mila den Weg für die flächenbezogene Milchproduktion freigemacht. Damit setzt die Molkereigenossenschaft ihre konsequente Qualitätsstrategie fort – in einem zunehmend schwierigeren Marktumfeld.

In den letzten Wochen hatten sich die Mitglieder der Bergmilch Südtirol-Mila in Teilversammlungen bereits zu 97 Prozent für die Verankerung der neuen flächenbezogenen Milchwirtschaft im Statut ausgesprochen. Heute bestätigten die Delegierten der Vollversammlung diese Entscheidung. „Unsere Mitglieder haben erkannt, dass dies der einzig richtige Weg ist, um Südtirol weiterhin als Hochpreis-Milchland zu positionieren“, sagte Joachim Reinalter, Obmann der Bergmilch Südtirol-Mila. Die Mitglieder verpflichten sich zu einer nachhaltigen Produktionsweise mit klaren Regeln. So darf nur mehr eine bestimmte Anzahl an Vieh pro Hektar Futterfläche gehalten werden; je nach Höhe der Futterflächen sind dies maximal 2,5 Großvieheinheiten je Hektar. Für das neue System gilt ab dem kommenden Jahr eine fünfjährige Übergangsfrist, innerhalb der jedes Mitglied seinen Viehbestand und seine Produktion anpassen muss.

„Flächenbezogene Milchproduktion alternativlos“

Mit der Umsetzung der flächenbezogenen Milchproduktion setzt die Bergmilch Südtirol-Mila ihre konsequente Qualitätsstrategie fort. Für Geschäftsführer Robert Zampieri ist die flächenbezogene Milchwirtschaft alternativlos. Die Milchauszahlungspreise in Südtirol liegen im Schnitt um die 50 Cent, in den Nachbarländern mit etwa 35 Cent weit darunter. „Dieser Südtirol-Bonus lässt sich nur halten, wenn wir im Vergleich zu anderen Milcherzeugern einen besonderen Mehrwert bieten“, sagte Zampieri. Dieser Mehrwert liegt in einer authentischen und nachhaltigen Bewirtschaftung und in der qualitativ hochwertigen Produktion. Eine Überzahl an Kühen im Verhältnis zur Fläche und Futterzukauf z. B. aus der Poebene haben damit nichts gemeinsam. „Die flächenbezogene Milchwirtschaft ist ein wesentlicher Schritt, um die kleinstrukturierte Südtiroler Berglandwirtschaft für die Zukunft überlebensfähig zu halten“, sagte Zampieri. Zudem trägt sie der steigenden Kundensensibilität hinsichtlich Produkttransparenz, Produktherkunft und Produktherstellung Rechnung. Außerdem wird damit das Problem der Gülle- und Nitratbelastung entschärft.

Milchanlieferung in vernünftige Schienen bringen

Die flächenbezogene Milchproduktion ermöglicht es der Bergmilch Südtirol-Mila, die anhaltend steigende Milchanlieferungsmenge „in vernünftige Schienen zu bringen“, sagte Zampieri bei der Vollversammlung. Denn in den vergangenen zwei Jahren wurde deutlich mehr Milch angeliefert. Im Geschäftsjahr 2017 ist die angelieferte Milch um 4 Mio. kg bzw. zwei Prozent auf insgesamt 196 Mio. kg angestiegen, obwohl man bis Jahresmitte mit einem Anlieferungsrückgang gerechnet hatte. Während die Zahl der Milchbauern sinkt, steigt gleichzeitig die Milchmenge an. „Wir erleben derzeit einen Generationswechsel hin zu jungen ambitionierten Milchbauern, die ihr Mengenpotential auch unter Berücksichtigung der neuen Nachhaltigkeitsregeln und Umweltauflagen voll ausschöpfen können, sagte Zampieri. Allerdings stellte die Milchmehranlieferung die Genossenschaft im vergangenen Geschäftsjahr vor Herausforderungen. So konnte zwar um 3 Prozent mehr Milch veredelt werden, es mussten aber auch über 20 Mio. Kilogramm als Versandmilch zu entsprechend geringen Preiserlösen abgesetzt werden. „Die Mitglieder müssen ihre Mehrproduktion mit den Markt- und Absatzmöglichkeiten der Genossenschaft in Einklang bringen“, betonte Zampieri.

120 Mio. Kilogramm Produkte abgesetzt

Wobei die Bergmilch Südtirol-Mila bei der Vollversammlung durchaus auf beachtliche Entwicklungszahlen verweisen konnte. So konnte Südtirols größter Milchhof (rund die Hälfte der gesamten Südtiroler Milch) in den strategischen Produktgruppen erneut wachsen. Insgesamt setzte die Bergmilch Südtirol-Mila im Geschäftsjahr 2017 Produkte im Umfang von 120 Mio. kg (+4%) ab und erzielte einen Nettoumsatz von 216,5 Mio. Euro (+9%). Die deutliche Umsatzsteigerung ist auch den im Herbst explodierten Rahmpreisen zuzuschreiben. Seit dem Jahr 2005 konnte die Genossenschaft ihren Nettoumsatz um über 33 Prozent steigern. Für die Milchanlieferung erhielten die 2.539 Mitglieder insgesamt über 96 Mio. Euro netto ausbezahlt.

Investitionspaket von mehr als 20 Mio. Euro

Im vergangenen Geschäftsjahr hat die Bergmilch Südtirol 9,5 Mio. Euro investiert. Für heuer und das nächste Jahr wurde ein Investitionspaket von mehr als 20 Mio. Euro geschnürt. Um künftig noch mehr Milch der Produktveredelung zuzuführen, werden die Werke Bozen und Bruneck weiter modernisiert. In Bozen werden u. a. die Joghurt-Abfülllinie und der gesamte Logistikbereich ausgebaut. In Bruneck werden die Mascarponeproduktion, die Käserei und das Käsereifelager erweitert.

Zuversichtlich trotz angespannter Marktsituation

Das Geschäftsjahr 2017 war insgesamt von einer angespannten Marktsituation geprägt. „Auch mit Blick auf das laufende Jahr sehen wir uns mit einem zunehmend aggressiven Wettbewerb konfrontiert“, sagte Obmann Joachim Reinalter. Der italienische Markt – Hauptmarkt der Südtiroler Milchwirtschaft, verzeichnet einen Konsumrückgang, der auch zu einem vermehrten Verdrängungswettbewerb führt. „Unsere Grundstimmung bleibt dennoch positiv und zuversichtlich, weil wir von unserer Strategie der nachhaltigen Qualitätsproduktion überzeugt sind“, sagte Geschäftsführer Robert Zampieri. Dazu gehört neben den eingeleiteten Investitionen vor allem das Ziel, die Veredelungsquote der angelieferten Milch weiter zu erhöhen und innovative Produkte zu lancieren. So wurde im Vorjahr die Frischmilch auf Heumilch umgestellt, die derzeit von 400 Heumilchbetrieben produziert wird. Zudem wurde 2017 die isländische Milchspezialität „Skyr“ erfolgreich eingeführt und demnächst weiter ausgebaut. Ebenso wurde der neue Hartkäse „Schwarzenstein“ auf den Markt gebracht, dessen Namensgebung vom Ahrntaler Michelin-Sternekoch Norbert Niederkofler stammt. Zudem wird die Bergmilch Südtirol-Mila aufgrund des großen Kundenzuspruchs bei der Heumilch mittelfristig neue Heumilchprodukte lancieren.

Bester Milchlieferant

Bei der Vollversammlung wurde Franz Rudolf Innerbichler, Götschhof, aus Prettau im Ahrntal, als bester Milchlieferant 2017 der Bergmilch Südtirol-Mila ausgezeichnet und mit einer Urkunde geehrt.

Von: luk

Bezirk: Bozen

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enkedu
enkedu
Kinig
30 Tage 9 h

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