HGV-Landesversammlung in Bozen

„Betriebe müssen sich entwickeln können“

Montag, 29. Mai 2017 | 17:01 Uhr

Bozen – Um Herausforderungen und Chancen im Tourismus ging es bei der Landesversammlung des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV) im Bozner Waltherhaus. Der Tourismus habe sich erneut als starker Partner im Wirtschaftsgefüge Südtirols und als sicherer Arbeitgeber erwiesen. Allein im letzten Halbjahr wurden rund 1.600 neue Stellen im Gastgewerbe geschaffen. „Auf diese Leistungen dürfen wir mit Genugtuung blicken, darauf ausruhen dürfen wir uns aber nicht“, meinte HGV-Präsident Manfred Pinzger eingangs in seiner Grundsatzrede. Das Freizeit- und Konsumverhalten werde von vielen und oft auch schnellen Veränderungen geprägt, vor allem im Bereich Digitalisierung.

Darauf gilt es gemeinsam schnell und konsequent zu reagieren, fuhr Pinzger fort. Konkret erwähnte er die Sicherung der Erreichbarkeit Südtirols und die Stärkung des öffentlichen Personenverkehrs in Südtirol. Wörtlich sagte Pinzger: „Um die Erreichbarkeit zu sichern und die internationale Gästeschicht auszubauen, brauchen wir neben dem Zug und der Straße auch einen funktionierenden Flughafen“. Gleichzeitig müsse danach getrachtet werden, dass die Hauptverkehrsachsen in Südtirol nicht bei jeder größeren Reisewelle im Stau ersticken. „Wir haben Verständnis, dass Instandhaltungsarbeiten auf der Autobahn und den Landesstraßen durchgeführt werden müssen. Wir haben aber wenig Verständnis, wenn diese Baustellen in der zeitlichen Abfolge nicht oder nur kaum koordiniert werden“, betonte Pinzger.

Einen wichtigen Baustein für die Sicherung und Weiterentwicklung der Tourismusbetriebe erkennt der HGV in der Urbanistik. Die gegenwärtige Reform des Regelwerkes mag zwar sinnvoll sein, wie Pinzger meinte, es müsse aber weiterhin möglich sein, die Betriebe den Erfordernissen des Marktes anzupassen. Dann forderte Pinzger: „Wir müssen weiterhin eine Entwicklung der Gastbetriebe zulassen, unabhängig wo und in welcher Zone sie sich befinden. Die Entstehung neuer Betriebe soll grundsätzlich möglich sein. Die bestehenden Betriebe sollten aber Vorrang haben. Gastbetriebe, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr fortgeführt werden, müssen einer anderen Nutzung zugeführt werden können“. Der HGV-Präsident sprach auch den ins Spiel gebrachte Wertausgleich an, der das Bauen und Erweitern verteuern würde. „Dies kann von uns nicht mitgetragen werden“, sagte Pinzger und kritisierte zudem auch, dass trotz positiver Gutachten seitens diverser Ämter manche Projekte in Skigebieten durch Rekurse gestoppt und verzögert werden. Deshalb brauche es verstärkt Rechts- und Planungssicherheit.

Schließlich ging der HGV-Präsident auf die Steuerbelastung der Betriebe ein, die trotz Senkung diverser Steuern auf Landesebene noch immer hoch sei. Auch hinsichtlich der abgeschafften Lohngutscheine warte die Wirtschaft noch immer auf brauchbare Alternativen.

Landeshauptmann Arno Kompatscher, der zusammen mit den Landesräten Waltraud Deeg, Richard Theiner und Arnold Schuler die Landesregierung vertrat, verwies auf die Reform zur Raumordnung und sagte, dass sich der HGV dabei als zuverlässiger Partner erwiesen habe. Das Gesetzesvorhaben werde den Schwerpunkt auf die Weiterentwicklung bestehender Betriebe legen aber auch neue Leitbetriebe zulassen. Die Finanzierung des Tourismusmarketings ist auf eine solide Basis gestellt worden. Deutliche Worte fand er zum Thema Mobilität und Erreichbarkeit. „Es muss aufhören, dass Gäste bei der Anreise im Stau stehen und dann bei der Abreise wieder“, sagte Kompatscher und meinte, dass in Südtirol selber der Verkehr flüssiger gestaltet werden müsse. Das Schienennetz und die Straßen müssen ausgebaut und die Angebote des öffentlichen Verkehrs besser vernetzt werden. Es brauche auch bessere überregionale Schienenverbindungen und Anschlüsse an die angrenzenden Flughäfen. An diversen Projekten werde bereits konkret gearbeitet.

Harald Pechlaner, Leiter des Institutes für Regionalmanagement der EURAC Research, und HGV-Direktor Thomas Gruber stellten die neue Studie „Zukunft Tourismus Südtirol 2030“ vor und zeigten drei konkrete Handlungsempfehlungen in den Bereichen Produktgestaltung, Mobilität und Nachhaltigkeit auf. IDM Südtirol hat nun die Aufgabe übernommen, die Handlungsempfehlungen zusammen mit den Partnern aus Politik, Forschung und Tourismus umzusetzen.

Der deutsche Digitalexperte Uwe Frers zeigte in seinem Fachreferat auf, welche Voraussetzungen es braucht, um die direkte Buchung des touristischen Angebotes zu steigern und dadurch die Abhängigkeit durch die weltweitagierenden Reiseplattformen zu reduzieren.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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4 Kommentare auf "„Betriebe müssen sich entwickeln können“"


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heinold
heinold
Grünschnabel
25 Tage 21 h

Ein Wirtschaftszweig, der Einheimischen kaum Beschäftigungsmöglichkeiten bietet, der die Landschaft zubetoniert, der die jährlich wiederkehrenden Autostaus verursacht, der die Infrastruktur auf Kosten der Allgemeinheit in Anspruch nimmt, der für die regional höchsten Lebenshaltungskosten Italiens verantwortlich ist: Habe ich es richtig verstanden? Dieser Wirtschaftszweig fordert nun weitere Privilegien?

Dublin
Dublin
Universalgelehrter
25 Tage 20 h

…so ist es leider…vom Tourismus hat Otto Normalbürger nichts…nur die Belastungen… 😥

Marta
Marta
Superredner
25 Tage 15 h

sichere Arbeitsstellen,fragt sich für wem??Der HGV hat in Sizilien um “Bilige Arbeitskräfte” geworben !!!-Zum Scham !!!!!

MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
25 Tage 7 h

Pharisäer!!!!😡😡😡

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