Kritik eines Hoteliers

Bettenstopp: “Wenn Politik über Unternehmertum entscheidet”

Montag, 09. März 2026 | 11:59 Uhr

Von: mk

Deutschnofen – Laut der Südtiroler Landesregierung ist der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Südtirols. „Wer aber die aktuelle Diskussion rund um den Bettenstopp verfolgt, gewinnt zunehmend den Eindruck, dass genau dieser Wirtschaftszweig politisch ausgebremst wird“, nimmt Hotelier Christoph Kofler aus Obereggen in der Gemeinde Deutschnofen Stellung.

Die Gemeinde Deutschnofen hat – wie viele andere Gemeinden in Südtirol – bereits vor Jahren ein Tourismuskonzept diskutiert und genehmigt. Dieses soll bestehenden Betrieben moderate Erweiterungsmöglichkeiten bieten und punktuell auch neue Betriebe fördern. „Der Großteil der vorgesehenen Betten ist darin ausdrücklich für bestehende Betriebe gedacht“, gibt Hotelier und Gemeinderat Christoph Kofler einen Einblick in die Diskussion.

„Wer überleben will, muss investieren können“

„Der Hintergrund ist dabei klar: Kleine Betriebe unter einer gewissen Größe können in Zukunft wirtschaftlich kaum überleben“, führt Kofler aus. „Investitionen in Qualität, Modernisierung und Weiterentwicklung sind daher nur dann möglich, wenn ein Beherbergungsbetrieb damit eine bestimmte Bettenanzahl erreicht. Wer also sein Unternehmen langfristig sichern will – auch mit Blick auf eine Übergabe an die nächste Generation – muss investieren können“, unterstreicht der Hotelier.

„Der ganze Prozess verschlingt Zeit, Energie und Geld“

Seine Familie habe sich bereits vor Jahren für diesen Weg entschieden, „doch dieser Weg war und ist alles andere als einfach“, gibt Christoph Kofler vom „Hotel Maria“ in Obereggen einen Einblick in die Praxis. Nach der Vorbereitung sämtlicher Unterlagen und der Genehmigung durch die Gemeinde folgten weitere Anforderungen durch das Landesamt für Urbanistik. Lokalaugenscheine und zusätzliche Auflagen, wie die Ausarbeitung eines Gesamtplans für den gesamten Ort, eine Reihe von Einwänden und Anpassungen machten diesen Prozess langwierig und kostspielig. „Das ist alles Zeit, Energie und Geld und verursacht Unmengen von Kosten, die vom Antragsteller getragen werden müssen.“ Drei Jahre lang dauerte dieses Verfahren – und als 2020 alle Genehmigungen für eine Erweiterung vorlagen, kam Covid.

„Bettenstopp macht verantwortungsvolles und gesundes Wachstum unmöglich“

„Als der Tourismus 2022 wieder anlief, hatten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen massiv verändert: Finanzierungskosten und Baukosten waren explodiert, das genehmigte Projekt war wirtschaftlich nicht mehr tragbar und musste vollständig überarbeitet werden“, berichtet Christoph Kofler von seinen persönlichen Erfahrungen. Erst im Juli 2024 konnte die Familie schließlich mit dem Bau beginnen – in mehreren Bauabschnitten, „denn anders wäre es finanziell nicht mehr tragbar.“ Der Bettenstopp aber mache nun ein solches verantwortungsvolles und schrittweises Wachstum nicht mehr möglich.

„Kritische Stimmen finden kein Gehör“

„Der Bettenstopp ist eine Maßnahme, die in Bozen beschlossen worden ist – trotz erheblicher Bedenken innerhalb der Branche“, merkt Kofler an. „Kritische Stimmen fanden dabei von Beginn an kein Gehör, Diskussionen wurden abgewürgt, Einwände ignoriert“, erinnert sich Kofler an einen Diskussionsabend mit dem damaligen Landesrat für Tourismus in Kardaun. „Die Entscheidung war längst gefallen.“ Nun soll der Bettenstopp mit September 2026 endgültig in Kraft treten – und für viele Unternehmer im Tourismus bleibt laut Kofler nur mehr eine Möglichkeit: Jetzt noch unter massiven Zeitdruck bauen, um bereits getätigte Investitionen in Planung und Einreichung nicht zu verlieren.

„Südtirol braucht auch in Zukunft konkurrenzfähige Tourismusbetriebe“

Für Christoph Kofler ist klar: „Südtirol braucht jedoch auch in Zukunft konkurrenzfähige Betriebe, die dem internationalen Wettbewerb standhalten können.“ Eine Entwicklung in Richtung Planwirtschaft sei nicht zielführend. „Es kann doch nicht sein, dass die Politik dem Unternehmertum diktiert, wann Kapazitäten erweitert werden dürfen, wann Investitionen getätigt werden sollen und welche Strategie für eine Familie wirtschaftlich tragbar und zielführend ist“, wirft Kofler ein. „Dem Tourismus dann noch die Schuld an Verkehrsproblemen zu geben, fällt dann schon in die Kategorie ‚unlauterer Wettbewerb‘, denn wenn morgens um 7.00 Uhr auf der MeBo Stau herrscht oder auf der Pustertaler Straße bis 9.00 Uhr kein Weiterkommen mehr möglich ist, dann schlafen unsere Gäste noch oder sitzen gerade gemütlich beim Frühstück.“ Auch der Lkw-Stau auf der Brennerautobahn sei kein Tourismus- sondern ein Infrastrukturproblem. „Um dieses zu lösen, braucht es Weitsicht, Lösungsorientierung und nicht zuletzt Mut“, erinnert Christoph Kofler an die Geschichte der MeBo vor fast 30 Jahren. Nicht zuletzt ärgert sich der Hotelier über die Schuldzuweisungen im Bereich Wohnen. „Der Ausverkauf unserer Heimat an zahlungskräftige ausländische Käufer verschärft die Situation auf dem Wohnungsmarkt“, weiß Kofler, „aber der Tourismus kann nichts dafür, wenn die Politik hier keine klaren Regeln schafft, solche Verkäufe nicht einschränkt und mehr leistbaren Wohnraum für Südtirolerinnen und Südtiroler ausweist.“

Vom ursprünglichen Ansatz des neuen Gesetzes für Raum und Landschaft, dass jede Gemeinde selbst entscheiden und abwägen werde, wie viel Tourismus sie verträgt und möchte, sei heute nicht mehr viel zu spüren. „Entscheidungen werden in Bozen getroffen, während die Gemeinden immer mehr Vorgaben und Aufgaben erhalten. Die Gemeindepolitik wird zu Pufferzone für Entscheidungen, die Verwalter und Ratsmitglieder oft selbst nicht wirklich mittragen und Touristiker werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Die vielfach zitierte Aussage unseres Landeshauptmannes, dass der Tourismus mit der wichtigste Wirtschaftsfaktor Südtirols sei, wirkt angesichts der aktuellen Diskussion für viele in unserer Branche nur mehr wie eine leere Floskel.“

Bezirk: Salten/Schlern

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