Südtiroler Weltläden zeigen sich kritisch

Black Friday: Menschenrechte zu Schleuderpreisen

Donnerstag, 24. November 2022 | 11:39 Uhr

Bozen – Der kommende Schnäppchen-Freitag wirft seine Schatten voraus: Online und offline überschlagen sich Anbieterinnen und Anbieter seit Wochen mit massiven Rabatten. Der Handel läutet damit auch in Südtirol sein Weihnachtsgeschäft ein. Für die Südtiroler Weltläden ist diese Schnäppchenjagd der Höhepunkt eines höchst fragwürdigen Konsums.

Die reduzierten Preise sorgen dafür, dass Kundinnen und Kunden viel mehr kaufen, als sie eigentlich brauchen. Besonders bei Bekleidung lässt sich dieser Trend feststellen, der sich am Black Friday zuspitzt: Von 2000 bis 2015 hat sich die Anzahl der globalen Kleidungskäufe verdoppelt – von etwa 50 Milliarden Kleidungsstücken auf mehr als 100 Milliarden. Gleichzeitig wurden die gekauften Teile weniger oft getragen: von 200 Mal im Jahr 2000 auf 163 Mal im Jahr 2015.

Brigitte Gritsch koordiniert die 13 Südtiroler Weltläden und bemängelt die fehlende Sensibilität: „Die Rabattschlacht macht uns blind für die katastrophalen Auswirkungen unseres Kleiderverschleißes für Mensch und Umwelt“, sagt sie. Ressourcen wie Erdöl und Wasser seien endlich. Die Textilindustrie stoße mehr CO2 aus als alle internationalen Flüge und die Seeschifffahrt zusammen, betont sie. Durch den Überkonsum von Kleidung entstehen jährlich über 90 Millionen Tonnen Müll, die Monokulturen für Baumwolle gefährdet die Biodiversität, die für den Erhalt der Ökosysteme so wichtig wäre. „Die rund 60 Millionen Textilarbeiterinnen und -arbeiter weltweit leiden unter schlechten Arbeitsbedingungen und unter Gesundheitsrisiken. Ihre Löhne reichen nicht für ein menschenwürdiges Leben.“

Eine Analyse der ZDF-Sendung WISO hat bereits 2018 ergeben, dass die als Schnäppchen angebotenen Produkte nur vermeintlich günstiger sind. Häufig werden als Originalpreise jene Ziffern genannt, die als „unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers“ angegeben werden und die kaum ein Händler kassiert. Dann scheinen die Rabatte groß, obwohl dem nicht so ist.

„Neurowissenschaftler konnten in Versuchen nachweisen, dass bereits der Anblick von Prozentzeichen auf einem Preisschild das Belohnungssystem im Hirn aktiviert“, sagt Brigitte Gritsch. Wer also während des Black Fridays einkaufen geht – egal ob online oder in Geschäften –, werde wahrscheinlich auch noch etwas Ungeplantes dazu kaufen.

„Shopping und Konsum machen bekanntlich nicht glücklich“, betont Brigitte Gritsch und lädt dazu ein, nur das zu kaufen, was jemand wirklich braucht. Sie setzt sich für das Konzept des Fairen Handels ein. Fairer Handel unterstützt wirtschaftlich benachteiligte Produzentinnen und Produzenten, steht für Transparenz und Verantwortung, garantiert faire Preise, vermeidet Kinderarbeit, behandelt Frauen und Männer gleichberechtigt, steht für gute Arbeitsbedingungen, schult und informiert die Produzenten und fördert den Umweltschutz.

Nachhaltigkeit sei zwar in aller Munde, meint die Koordinatorin der Südtiroler Weltläden. Doch bei der Schnäppchenjagd vergessen viele auf die Menschen, die die Artikel produziert haben und die Schwächsten in der Lieferkette sind.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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14 Kommentare auf "Black Friday: Menschenrechte zu Schleuderpreisen"


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Jo73
Jo73
Superredner
15 Tage 2 h

Wir meinen ja auch, jeden Schrott aus Amerika übernehmen zu wollen, siehe Halloween, thanksgiving, black friday. 
Alles nur billig billig billig und Hauptsache billig bei Amazon bestellt, sodass die Lieferanten gezwungen sind, ihren Produktion nach China zu verlegen. 

sepp2
sepp2
Universalgelehrter
15 Tage 1 h

auch wenn man mehr bezahlen würde wird weiterhin in China produziert. Siehe Markenkleidung, die wird auch in China und Bangladesch produziert teilweise in der gleichen Fabrik wie Billigkleidung.
Das nennt man Gewinnmaximierung.

cane-sulla-cinghia
15 Tage 1 h

solong die qualitàt passt wieso net?

primetime
primetime
Kinig
14 Tage 21 h

Black Friday heißt nicht automatisch immer billig. Und worin liegt der Unterschied ob ich Artikel XY zu “Vollpreis” bezahle oder während einer Zeit mit Sonderrabatten? Glaubst du etwas bei den Lieferanten kommt dann mehr (oder weniger, je nach Gesichtspunkt) Geld an?

Neumi
Neumi
Kinig
14 Tage 21 h

Keine Angst, der Cybermonday kommt bestimmt. Und wem der nicht gefällt, der kann beim Schlussverkauf zugreifen oder am hiesigen goldenen Sonntag.

Der Black Friday ist nur einer der bekanntesten Shoppingtage, es gibt unzählige ander Möglichkeiten, weniger auszugeben als den Normalpreis.
Wenn’s in der Woche mal was deutlich billiger gibt, das man eh haben wollte … warum nicht.

Holz Michl
Holz Michl
Tratscher
14 Tage 21 h

Wieso soll i fürs gleiche Produkt( gleiche Marke, gleiches Modell) do ba ins is 3foche zohln wia ausn Internet?? Des isch mit gor nicht zu rechtfertigen!!! A gewinn isch guat und recht obor des isch Abzocke!!!

primetime
primetime
Kinig
14 Tage 20 h

@ Holz Michl Oft fängt die Abzocke aber viel früher an und wird in der Kette an den Kunden wietergegeben (sehr hohe Mieten und andere Ausgaben die gedeckt werden müssen)

Holz Michl
Holz Michl
Tratscher
14 Tage 17 h

@primetime für soll he kostn und Ausgabn isch die Politik zuaständig, wenn sie liabor die Regionalen Geschäfte Bankrot gian sechn wia einlencken isch olls gsog

primetime
primetime
Kinig
14 Tage 17 h

Die Politik ist dafür zuständig die Mieten zu regulieren welche private Vermieter aufrufen? Teilweise

guenne
guenne
Tratscher
15 Tage 1 h

Der letzte Satz beschreibt den Artikel am besten. Leider.

primetime
primetime
Kinig
14 Tage 21 h

Nur weil man billig kauft schließt es nicht Nachhaltigkeit aus. Vieles kommt nun mal aus Fernost und es gibt keine “lokalen” Alternativen. Außerdem sind es nur Alternativen wenn diese auch für mich bezahlbar sind

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
15 Tage 1 h

Frieden, menschenrechte und klima kosten also zahlt mehr

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
15 Tage 57 Min

Ich gehe Einkaufen, wenn ich Etwas benötige. Da spielen weder Wochentage noch “Schnäppchen” noch “Lockvogelangebote” eine Rolle. Und Amazon & Co. sind für mich sowieso ein NO GO. Denn ich kaufe da lokal, wo ich lebe…

Paladin
Paladin
Superredner
15 Tage 27 Min

Wie so viele anderen eingeführten amerikanischen Sitten (halloween, etc.) ist der Black Friday eine kommerzielle Erfindung. Davon lebt die Wirtschaft nun mal. Die Mahnung im Artikel ist richtig und nützlich. “Menschenrechte zu Schleuderpreisen” ist allerdings etwas irreführend. Da gibt es im Moment wohl größere, weltweite Ereignisse um solche Schlagwörter zu verwenden (Katar!). Es spricht wohl kaum etwas dagegen wenn man ein Produkt, das man braucht, zu einem günstigeren Preis kauft, gerade in Zeiten, wo alles teurer wird. Fazit: Kritisch bleiben? Ja absolut. Verteufeln? Da gibt es größere Dinge wo man ansetzten sollte! 

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