Projekt „INNONährstoffe“

Börse für Wirtschaftsdünger gestartet

Freitag, 06. März 2026 | 11:27 Uhr

Von: luk

Bozen – Der Südtiroler Obst- und Weinbau hat einen hohen Bedarf an organischem Wirtschaftsdünger aus der Viehwirtschaft, wie das Projekt „INNONährstoffe“ der Abteilung Innovation & Energie und der Stabsstelle Nachhaltigkeit zeigt. Oft wissen Betriebe jedoch nicht, welche Mengen wo verfügbar sind bzw. wo Bedarf besteht. Abhilfe schafft nun die neue Wirtschaftsdüngerbörse, die regionale Nährstoffkreisläufe nachhaltig schließt.

Der Südtiroler Bauernbund kommt mit der Wirtschaftsdüngerbörse dem Ziel, überschüssigen organischen Dünger aus der Viehwirtschaft im Obst- und Weinbau, bei Sonderkulturen oder in anderen Viehwirtschaftsbetrieben zu nutzen, einen großen Schritt näher. „Das Projekt ‚INNONährstoffe‘ hat deutlich gemacht, dass die Düngung mit organischem Material im Obstbau sehr interessant ist und viele Vorteile bringt. Dünger aus der Viehwirtschaft enthält zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe und trägt zur Humusbildung bei“, unterstreicht Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser.

Die Projektergebnisse hätten jedoch auch gezeigt, dass ein Austausch nicht ganz einfach sei. „Während die Viehwirtschaftsbetriebe vorwiegend in den Seitentälern, in höheren Lagen und im Pustertal zu finden sind, konzentriert sich der Obst- und Weinbau vom Vinschgau bis nach Salurn und im Eisacktal. Daher stellt die Logistik eine Herausforderung dar“, erklärt Matthias Bertagnolli, Leiter der Abteilung Innovation & Energie. Hinzu komme, dass die Betriebe oft nicht wüssten, wo organischer Dünger verfügbar ist bzw. nachgefragt wird und in welchen Mengen. „Mit der Wirtschaftsdüngerbörse ermöglichen wir unseren Mitgliedern nun einen unkomplizierten und transparenten Austausch von Wirtschaftsdünger“, freut sich Gasser. Ein weiteres interessantes Ergebnis des Projektes war, dass es in der Viehwirtschaft einen geringeren Überschuss gibt als ursprünglich angenommen, und dass Grünlandbetriebe oft sogar unterversorgt sind und deshalb organischen Dünger benötigen, um die Wiesen bestmöglich zu düngen. „Das zeigt, dass die Viehwirtschaft sehr verantwortungsbewusst und nachhaltig wirtschaftet und den eigenen Nährstoffkreislauf zu einem sehr großen Teil selbst schließt“, freut sich Gasser.

Die Wirtschaftsdüngerbörse auf „mein SBB“

Konkret ist die Wirtschaftsdüngerbörse im Online-Mitgliederbereich „mein SBB“ des Südtiroler Bauernbundes zu finden. „Mitglieder können auf der Plattform Mist, Gülle, Jauche oder Kompost anbieten oder suchen. Angebot und Nachfrage werden damit an einem zentralen Ort gebündelt, was den Austausch deutlich erleichtert“, erklärt Bertagnolli. Über die Menüleiste können alle Inserate eingesehen sowie eigene Suchanfragen oder Angebote erstellt werden. „Wenn ein Angebot zusagt, kann es direkt auf der Plattform angenommen werden. Gleichzeitig wird automatisch ein Abnahmeprotokoll erstellt, sodass der Austausch ordnungsgemäß dokumentiert ist“, erläutert Lena Staffler, Projektkoordinatorin der Abteilung Innovation & Energie im SBB. Um den Überblick zu behalten, werden auch vergangene Aktivitäten ausgewertet und grafisch dargestellt.

Die Idee einer Wirtschaftsdüngerbörse ist nicht neu. Sie gibt es in Nachbarländern wie Österreich oder der Schweiz schon länger und ist ein bewährtes Instrument, um organische Dünger bedarfsgerecht zu verteilen und Kreisläufe zu schließen.
Im Rahmen des Projekts „INNONährstoffe“ wurde daher das Interesse der Südtiroler Landwirtschaft an einer solchen Lösung erhoben. Das Ergebnis war eindeutig: „Viele Betriebe möchten eine solche Plattform nutzen. Jeder zweite Befragte gab an, grundsätzlich interessiert zu sein. Weitere 14 Prozent sind ebenfalls interessiert, stellen aber klare Bedingungen für eine Nutzung. Dazu zählen unter anderem Transparenz hinsichtlich der Düngerqualität – etwa eine vorhandene Biozertifizierung –, eine niederschwellige und transparente Abwicklung sowie faire Preise“, erklärt Bertagnolli.
Diese Anforderungen wurden bei der Gestaltung der Wirtschaftsdüngerbörse gezielt berücksichtigt, um eine praxisnahe und intuitive Nutzung zu gewährleisten.

Das Projekt „INNONährstoffe“

Das ELER-geförderte Projekt „INNONährstoffe“ wurde zwischen 2022 und 2025 vom Südtiroler Bauernbund gemeinsam mit dem Beratungsring für Berglandwirtschaft BRING, dem Beratungsring für Obst- und Weinbau, dem Versuchszentrum Laimburg, der Freien Universität Bozen sowie vier landwirtschaftlichen Betrieben umgesetzt. Ziel des Projekts war es, Düngerkreisläufe zwischen der Grünlandwirtschaft und dem Obst- und Weinbau zu analysieren und Optimierungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Neben einzelbetrieblichen Lösungen – wie der Wirtschaftsdüngerbörse – wurden auch regionale Stoffströme umfassend untersucht. Dazu zählten die Erhebung des Austauschpotenzials zwischen Vieh- und Obstwirtschaft, die Analyse von Biogasanlagen als mögliche Umschlagplätze sowie Bodenproben und Düngeranalysen.

Bezirk: Bozen

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