Innovative Premiere

Bozen-Jenesien: Weltweit erste Pendelbahn mit DirectDrive-Antrieb kommt

Dienstag, 10. März 2026 | 10:47 Uhr

Von: luk

Bozen/Jenesien – Mit der Vertragsunterzeichnung am 30. Dezember 2025 hat die Südtiroler Transportstrukturen AG (STA) den Bau der neuen Pendelbahn von Bozen nach Jenesien an die Bietergemeinschaft LEITNER, Unionbau und Elpo vergeben. Unterzeichnet wurde der Vertrag von STA-Generaldirektor Joachim Dejaco und Giorgio Pilotti, Head of Sales LEITNER Italy. Die neue Anlage mit einem Auftragsvolumen von rund 27 Millionen Euro wird die Landeshauptstadt mit dem Hochplateau von Jenesien in etwas mehr als sechs Minuten verbinden. Zwei Kabinen mit je 45 Plätzen verkehren im Zehn-Minuten-Takt bei einer Geschwindigkeit von bis zu zwölf Metern pro Sekunde. Die Förderleistung liegt – je nach Betriebsweise – zwischen 270 und 350 Personen pro Stunde. Durch eine leichte Anpassung der Trasse im oberen Abschnitt kann auf die ursprünglich geplante Mittelstation verzichtet werden. Zudem wird die Talstation um rund vier Meter in Richtung Straße verschoben.

Dank DirectDrive: Energieeffizienz und Geräuscharmut als wesentliche Projektmerkmale

Technisch setzt das Projekt einen Meilenstein: Erstmals weltweit wird eine Pendelbahn mit Direktantrieb ausgestattet. Der aus kuppelbaren Anlagen und Standseilbahnen bekannte Antrieb wird als Brückenantrieb umgesetzt – vollständig ohne Getriebe, was die Systemverfügbarkeit erhöht. Zusätzlich wird der Verschleiß und Wartungsaufwand reduziert und ein energieeffizienter Betrieb ermöglicht. Durch den Einsatz des DirectDrive wird der Energieverbrauch markant reduziert. Vor allem aber sinken die Schallemissionen deutlich, da getriebebedingte Geräusche entfallen. Ergänzend wird der Antriebsraum mit schallabsorbierenden Paneelen ausgeführt, um die Emissionen weiter zu minimieren – ein zentraler Aspekt im sensiblen Umfeld angrenzender Wohngebiete. Für hohe Betriebssicherheit sorgt dabei ein integriertes Bergesystem. Im Fall eines Ausfalls des Hauptantriebs stehen zwei voneinander unabhängige Notantriebssysteme zur Verfügung. Dieses redundante Konzept gewährleistet eine sichere Evakuierung der Fahrgäste.

Auch bei den Kabinen setzt das Projekt neue Akzente. Geplant sind Panoramakabinen mit über 80 Prozent Verglasungsanteil in neuem Design. Eine programmierbare Verdunkelung mittels Polarisierung ermöglicht es, die Transparenz der Verglasung situativ anzupassen: Beim Überfahren von Wohngebieten wird die Verglasung automatisch undurchsichtig geschaltet, um Einblicke in private Bereiche zu verhindern. Nach dem Überflug wird sie wieder transparent. Die Kabinen sind modular ausgelegt und können je nach Bedarf vom reinen Personentransport auf kombinierte Nutzung – etwa mit Fahrrädern – angepasst werden.

Auch das Laufwerk folgt einem innovativen Ansatz: Die Hauptkomponenten werden aus dem Vollen gefräst, wodurch sicherheitsrelevante Schweißnähte vermieden werden. Erstmals bei einer Pendelbahn kommen zudem Laufwerkrollen mit integriertem Generator zum Einsatz. Der Rollengenerator schafft eine zusätzliche, dezentrale Energiequelle und unterstützt somit die Stromversorgung der Kabine. Mit der neuen Pendelbahn entsteht eine leistungsfähige, technisch richtungsweisende Verbindung zwischen Bozen und Jenesien. Nach Ausarbeitung des Ausführungsprojekts ist der Baubeginn in der zweiten Jahreshälfte geplant, die Inbetriebnahme soll 2027 erfolgen.

LEITNER AG / SpA

Bezirk: Bozen, Salten/Schlern

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