KVW Frauen: Das wollen wir in Zukunft nicht mehr

Care-Arbeit bleibt Frauensache

Dienstag, 25. August 2026 | 17:09 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Bereits seit 1949 gibt es mit den KVW Frauen die erste Frauenorganisation Südtirols. Schon vor einem Vierteljahrhundert standen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Anerkennung von Erziehungs- und Pflegezeiten weit oben auf ihrer Agenda. Bei der diesjährigen Klausur am Ritten stellten sich die Frauen die Frage, was sich seither gesellschaftspolitisch tatsächlich verändert hat. Die Antwort fiel ernüchternd aus: Die Mühlen mahlen langsam.

Positiv zu vermerken ist immerhin eine Entwicklung: Themen, die früher als reine „Frauenthemen“ galten, werden heute zunehmend als gesamtgesellschaftliche Aufgaben wahrgenommen. Die Frauenvorsitzende der KVW, Heidrun Goller, und ihre Mitstreiterinnen stellen jedoch die Frage, ob dieses Bewusstsein tatsächlich überall angekommen ist.

„Nach wie vor tragen Frauen die Hauptlast der Care-Arbeit. Neben ihrer Erwerbsarbeit sind sie vielfach stark in der Erziehungsarbeit und bei der Pflege von Angehörigen gefordert. Diese ungleiche Verteilung hat zudem langfristige Folgen: Frauen werden dadurch auch im Alter benachteiligt, wenn es um ihre Rente geht“, so Goller.

Wo liegt die strukturelle Ungleichheit? 

Warum wird einem Mann – zu Recht – das Militärjahr im Dienst des Staates für die Rente angerechnet, einer Frau hingegen das Jahr der Erziehung eines Neugeborenen nicht in gleicher Weise als Dienst an der Gesellschaft anerkannt?

Und: Warum werden Betreuung und Bildung von Kindern nach wie vor getrennt gedacht und kompliziert gehandhabt, anstatt als einheitliches Betreuungs- und Bildungsangebot 0-14 Jahre organisiert zu werden? Clickdays und kostspielige Betreuungsangebote gehören leider immer noch zum Alltag und belasten viele Familien sowie psychisch als auch finanziell.

Ein breites Angebot für Mittagstisch für Schulkinder (auch ohne Nachmittagsunterricht) oder verlängerte Öffnungszeiten in den Sommermonaten könnten beispielsweise viele arbeitende Familien entlasten. Gleichzeitig würden solche Angebote die Inklusion fördern und sich positiv auf die Erwerbsbiografien – insbesondere jener von Müttern – auswirken.

Die KVW Frauen bringen es auf den Punkt: „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Aber wo kein Weg, oder der Weg dermaßen schleppend ist, ist auch kein Wille.“

Die KVW Frauen werden sich weiterhin mit Nachdruck für die strukturelle Gleichstellung von Frauen einsetzen – gesellschaftlich ebenso wie wirtschaftlich. Im Laufe des Jahres sind weitere Aktionen und Initiativen geplant. Dazu zählen unter anderem die Teilnahme an gemeinsamen Aktionen mit anderen Frauenorganisationen aus Südtirol und darüber hinaus, die Organisation einer internationalen Frauenakademie im Jahr 2028 sowie verstärkte politische Lobbyarbeit für die generationenübergreifenden Anliegen von Frauen und Familien. Das neue Jahresthema des KVW lautet „Füreinander – Solidarisch leben und handeln“. Unter diesem Leitgedanken setzen auch die KVW Frauen ihre Schwerpunkte und Aktivitäten.

Bezirk: Bozen

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