Der WTO-Ökonom sieht die Weltgemeinschaft am Scheideweg

Chefökonom der WTO warnt vor Deglobalisierung

Donnerstag, 04. Januar 2024 | 04:23 Uhr

Die Welthandelsorganisation (WTO) sieht Anzeichen einer Fragmentierung der Weltwirtschaft und warnt vor einer möglichen Deglobalisierung. “Die ökonomischen Kosten wären sehr hoch”, sagte der deutsche Chefökonom der Welthandelsorganisation, Ralph Ossa, der Deutschen Presse-Agentur. Und nicht nur das: Der Welthandel sei wichtig für die Versorgungssicherheit, die Nachhaltigkeit und die Gerechtigkeit. Ossa sieht die Weltgemeinschaft an einem Scheideweg.

“Wir sehen erste Anzeichen dafür, dass es eine Reorientierung des Handels anhand geopolitischer Einflusssphären gibt”, sagte Ossa. Die WTO hat die Welt für eine Untersuchung in zwei hypothetische Blöcke geteilt: auf der einen Seite Länder, die in den Vereinten Nationen mit den USA abstimmen und auf der anderen solche, die an der Seite Chinas standen. Der Handel innerhalb der Blöcke sei seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 vier bis sechs Prozent stärker gewachsen als zwischen den Blöcken.

Die Situation sei noch nicht dramatisch, könne es aber werden, warnte Ossa. Die WTO hat berechnet, was passieren würde, wenn die Welt tatsächlich in zwei rivalisierende Machtblöcke zerfiele und die Blöcke gegeneinander Handelsbarrieren aufbauten. In einem solchen Szenario würden Industrieländer bis 2050 durchschnittlich drei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts verlieren, arme und Schwellenländer 6,5 Prozent, schrieb die WTO in ihrem Welthandelsbericht im Herbst 2023.

“Es wird gerade viel drüber diskutiert, ob wir uns unabhängiger machen sollen von anderen Ländern, ob wir vielleicht nur noch mit befreundeten Staaten handeln oder uns nur noch auf eigene Produktion verlassen sollen”, sagt Ossa. Das berge die Gefahr, dass “aus dem Abflachen der Globalisierung eine Deglobalisierung wird”. Noch sei die Welt davon weit entfernt. Sie stehe aber an einem Scheideweg. Länder müssten sich entscheiden, ob sie den Welthandel als Teil der Lösung von Problemen oder als Teil des Problems sehen. Die WTO mit ihren 164 Mitgliedsländern, deren Aufgabe es ist, fairen Welthandel zum Wohle aller zu fördern, sieht den Handel als Teil der Lösung.

In der Corona-Pandemie sei der Welthandel ein Segen gewesen, sagte Ossa – abgesehen von den Anfängen, als Länder Exporte von wichtigen Gütern wie Gesichtsmasken teils vorübergehend stoppten. Darunter war zeitweise auch Deutschland. Masken, Ausstattung für das Home Office sowie Impfstoffe seien in internationalen Lieferketten produziert und durch den Handel verfügbar gemacht worden. Zudem wisse man nicht, wo der nächste Schock auftrete und wer dann die Lösung parat habe. Ein multilaterales Handelssystem stelle sicher, dass es in Krisen immer alternative Beschaffungsmöglichkeiten gebe.

Von: APA/dpa

Kommentare
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Pacha
Pacha
Universalgelehrter
2 Monate 23 h

Der globale Süden hat das Diktat der USA und die Ausbeutung durch die westlichen Lände einfach satt.

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 22 h

In dem Zusammenhang von mehr Ländern zu sprechen ist absurd. China und die USA und der Rest muss tun was sie sagen. Kleines Beispiele, wie kann es sein, dass die USA einem dänischen Maschinenhersteller für die Herstellung von Chips verbietet an China zu verkaufen!? Nicht Dänemark, nein , die USA?!

OrtlerNord
OrtlerNord
Universalgelehrter
2 Monate 19 h
NG.. Ich versuche es mal dir zu erklären Da handelt es sich um Maschine die fähig sind die hochwertigste Chips zu produzieren. Die USA und viele andere Länder wollen nicht das diese Technik an China verkauft werden. Es ist schon zuviel Hochtechnologie in Richtung China gewandert. Der Meinung bin ich auch. Auch die USA haben das Recht sich ihre Partner auszusuchen ( meine Freunde sind die USA ganz sicher nicht) und wenn ein Partner sich zu weit von meiner Meinung entfernt, trenne oder distanziere ich mich von ihnen. Ich habe mich auch von ein paar russischen Freunden komplett verabschiedet die… Weiterlesen »
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