Vorschau AFI-Barometer Winter 2017/18

Das brennt Arbeitnehmern unter den Nägeln!

Freitag, 12. Januar 2018 | 11:30 Uhr

Bozen – Einwanderung, gute Jobs, Sanität und Verkehr sind für die Südtiroler Arbeitnehmer die wichtigsten Probleme, die angegangen werden müssen. In den aktuellen Umfrageergebnissen sieht AFI-Präsidentin Christine Pichler „viele Bestätigungen, aber auch einige Überraschungen“ – etwa, dass das friedliche Zusammenleben der Volksgruppen in Südtirol noch immer keine Selbstverständlichkeit sei.

Der Sonderteil des AFI-Barometers befasse sich diesmal mit politischen Fragen, eröffnet AFI-Forschungsmitarbeiter Friedl Brancalion: „Noch bevor der Wahlkampf so richtig auf Touren kommt, wollten wir in Erfahrung bringen, was sich die Arbeitnehmer effektiv von der Politik erwarten“. Die Frage des AFI: „Was ist Ihrer Meinung nach gegenwärtig das wichtigste (bzw. das zweiwichtigste) Problem in Südtirol, das gelöst werden muss?“ Die Interviews wurden zwischen 1. und 20. Dezember 2017 geführt. Gewertet wurden insgesamt 871 gültige Aussagen einer repräsentativen Stichprobe von 471 Arbeitnehmern. AFI-Direktor Stefan Perini präzisiert: „Wir geben hier eins zu eins die Meinung der Südtiroler Arbeitnehmer wieder, ohne etwas schönreden noch dramatisieren zu wollen“.

AFI

40 Prozent der befragten Südtiroler Arbeitnehmer sehen die größten Probleme bei Einwanderung, Asylsuchenden und Integration. Der Großteil spricht das Thema eher allgemein an. Die konkreten Aussagen reichen von „unkontrollierte Zuwanderung eindämmen“ bis „Südtiroler zuerst“, stets mit Blick auf das Wohnen und Beitragswesen. Ein großer Teil der Befragten sieht die Herausforderung in der Förderung der Integration.

Für 19 Prozent der befragten Arbeitnehmer gibt es zu wenige gute und faire Jobs. Die Aussagen reichen von „genügend Arbeitsplätzen“ allgemein bis zu wenigen festen, also nichtprekären Jobs. Wiederholt gefordert wird eine „Arbeitspolitik für Jugendliche“. Andere meinen, die „Jobangebote sollten besser werden“. Die Meinungen der Arbeitnehmer münden ganz klar im Aufruf, sichere und fixe Arbeitsplätze zu schaffen.

Für 17 Prozent der Befragten ist die Sanität in Südtirol ein großes Problem. Hier klingt deutlich der Ärger über „zu lange Wartezeiten“ durch. Kritisiert wird von den Arbeitnehmern der Mangel an Ärzten und Fachpersonal sowie die Schließung von Abteilungen in den peripheren Krankenhäusern.

Für weitere 17 Prozent sind das Verkehrsproblem und eine nachhaltige Mobilität die größten Herausforderungen. Die Arbeitnehmer bewegt die Lösung des innerstädtischen Verkehrsproblems ebenso wie die Eindämmung des Verkehrs auf der Brennerautobahn und des tourismusbedingten Verkehrs. Der Wunsch nach Verbesserungen bei öffentlichen Mobilitätsangeboten kommt vereinzelt in Aussagen wie „Flughafen verhindern/verkleinern“, „mehr öffentliche Verkehrsmittel für Pendler“, „Verspätung Züge Meran-Bozen“ oder „Nightliner“ zum Ausdruck.

13 Prozent der befragten Arbeitnehmer sehen im friedlichen Zusammenleben der drei Volksgruppen in Südtirol großen Handlungsbedarf. Obwohl nicht näher spezifiziert, spielt hier der kulturelle und sprachliche Austausch unter den Volksgruppen eine große Rolle. Die Gefühlslage der Arbeitnehmer zum Ausdruck bringen folgende Aussagen: „Nach wie vor besteht eine große Trennung zwischen Deutschen und Italienern“; „Aufhören, zwischen den ethnischen Gruppen zu streiten“; „Das gute Zusammenleben zwischen den Gruppen verbessern“; „den Konflikt zwischen Deutschen und Italienern lösen“.

Zwölf Prozent der befragten Arbeitnehmer sprechen die Ungleichheit und soziale Lücken an, die es zu schließen gelte – die Schere zwischen Arm und Reich, die immer weiter auseinandergehe, soziale Randgruppen, die zu wenig unterstützt würden und die unzureichenden öffentlichen Beiträge, um ebendiesen sozialen Schichten unter die Arme zu greifen. Der Ruf der Befragten nach mehr sozialer Gerechtigkeit reicht von „mehr Hilfe für die Familien“ zu „Steuersenkung für Arbeitnehmer“ und „Frauen als Arbeitnehmerinnen sollen geschützt werden“, berichtet Friedl Brancalion. Viele Aussagen hingegen blieben recht allgemein wie Förderung des „Mittelstands“.

Für elf Prozent der Befragten ist leistbares Wohnen besonders wichtig. Sie sprechen von unverhältnismäßig hohen Immobilienpreisen, die nicht mehr in Reichweite eines Normalverdieners seien. Beklagt werden auch die zu hohen Wohnkosten für Jugendliche.

Zehn Prozent der Befragten sehen ein Problem in den niedrigen Löhnen bzw. der Kaufkraft. Hier fallen exemplarisch Aussagen hinein wie: „Die Löhne sind immer gleich, sonst wird alles teurer“; „Anpassung der Löhne an die Lebenserhaltungskosten“; „Wenig Gehalt“. Es gilt die Losung: Höhere Löhne!

Die Aussagen von sieben Prozent der Befragten gehen in Richtung Mangelndes Vertrauen in die Politik bzw. Politikerprivilegien. Beanstandet wird, dass die Politik abgehoben sei und den wahren Problemen der Bevölkerung fernstehe. Auch angekreidet werden fehlende Transparenz und der verschwenderische Umgang mit öffentlichen Mitteln.

Sechs Prozent der Antworten betreffen die Mikrokriminalität und die Sicherheit. Sie gehen von Ladendiebstählen über Hauseinbrüche bis zur mangelnden Sicherheit auf der Straße bei Dunkelheit. Ein Teil zeigt sich besorgt über die gestiegene Gewaltbereitschaft.

Sechs Prozent sehen die Notwendigkeit einer Offensive im Bildungs- und Schulsystem im Sinne von mehr Investitionen bzw. einer größeren Wertschätzung des Bildungspersonals. Mehrheitlich befürwortet werden gemischte Schulen, also ein Aufbrechen der klassischen Trennung zwischen Schulen deutscher und italienischer Muttersprache. Generell angekreidet wird die unzureichende Zwei- und Mehrsprachigkeit.

Nach Ansicht von sechs Prozent der Befragten müsse mehr für Rente und Senioren getan werden, Stichworte Altersarmut und ungenügende Absicherung im Alter.

Fünf Prozent der Interviewten sehen großen Handlungsbedarf im Umweltschutz bzw. sorgen sich um eine zukunftsfähige Landwirtschaft vor dem Hintergrund von Klimawandel, Monokultur und Pestizidfrage, kombiniert mit dem Wunsch nach einem „Bioland Südtirol“. Einige Nennungen betreffen die Problematik „Bär & Wolf“.

Das AFI-Barometer erscheint viermal im Jahr (Winter, Frühjahr, Sommer, Herbst) und gibt das Stimmungsbild der Südtiroler Arbeitnehmerschaft wieder. Die telefonisch geführte Umfrage betrifft 500 Arbeitnehmer und ist für Südtirol repräsentativ.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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5 Kommentare auf "Das brennt Arbeitnehmern unter den Nägeln!"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
amme
amme
Tratscher
6 Tage 20 h

nur 10% sagen dass lohn und lebenhaltungskosten nicht stimmen?glaub ich nicht.Eher 80%

OrB
OrB
Superredner
6 Tage 19 h

Bin ganz deiner Meinung!
Preise sind in Südtirol 30-50% zu hoch im Verhältnis zum Gehalt.

Mastermind
Mastermind
Tratscher
6 Tage 18 h

Maximal 2 Aussagen pro Person, wer hat den Scheiß gemacht? AFI kenne ich nicht aber hoffentlich bekommen die keine Steuergelder für so eine nichts aussagende Statistik und die Einwanderung ist ein wichtiges Thema, aber 30 Jahre zu spät, hätten sie sich aufregen können wenn sie die ex-Sowjetstaaten in die EU gelassen haben und das Lohndumping damit startete. Hinterher sind nämlich alle schlauer, aber vorausdenken war nie so die Stärke von Politikern in Europa.

silas1100101
silas1100101
Superredner
6 Tage 16 h

Ich bin leider kein Arbeitnehmer! Leider !!

peterle
peterle
Superredner
6 Tage 14 h

Wenn ich den Namen Pichler lese fällt mir immer ihr Arbeitgeber, eine unserer Gewekschaften, ein wo sie für die landwirtschaftlichen Arbeiter zuständig war/ist. Diese bekommen immer noch nach Tagschichten bezahlt. Die Renten sind auch nicht erheblich gross. Und eine solche Dame will sich für Arbeitnehmer einsetzten?

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