Neue Flächen für den Weinbau

Die Sonnenseite des Klimawandels

Montag, 15. Mai 2017 | 11:57 Uhr

Pfatten – Unter der Führung des Versuchszentrums Laimburg ist ein grenzüberschreitendes Forschungsprojekt zu neuen Weinbauflächen in Südtirol und Kärnten gestartet.

Dieses Projekt soll aufzeigen, welche Flächen in Südtirol und Kärnten sich unter Berücksichtigung des Klimawandels für den Weinbau eignen. In den Alpen ist die Durchschnittstemperatur zwischen 1920 und 2010 um 1,9 Grad Celsius angestiegen, und in Südtirol hat die Anzahl der Sommer- und Tropentage stark zugenommen. Den Weinbauern sind die Auswirkungen der Klimaänderung bekannt: Die Erntetermine haben sich in den vergangenen 20 Jahren um zwei bis drei Wochen vorverlagert. Außerdem verschieben sich die für den Anbau der Rebe günstigen Lagen immer weiter in die Höhe. Gerade in alpinen Regionen wie Südtirol steigt damit die Unsicherheit, welche Gebiete nun für den Anbau welcher Rebsorten geeignet sind. Daher werden ein objektives Bewertungsmodell für die Ermittlung geeigneter Weinbauflächen sowie entsprechende Sortenempfehlungen dringend benötigt. Diese Ziele verfolgt das grenzüberschreitende Projekt REBECKA, das unter der Leitung des Versuchszentrums Laimburg gestartet ist.

Das erste Ergebnis des Projekts soll eine detaillierte Analyse der bisherigen Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau sein. Dafür wird die Forschungsgesellschaft Joanneum Research, die für die Steiermark und Kärnten tätig ist, historische Erntedaten der letzten 20 Jahre von fünf bedeutenden Südtiroler Kellereigenossenschaften analysieren. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Veränderungen hinsichtlich Erntetermin, Erntemenge und Zuckergehalt verschiedener Rebsorten, verbunden mit dem jeweiligen Standort. Diese Daten werden in leicht verständlicher Form aufbereitet und dienen mit als Basis für die Entwicklung statistischer Modelle, die es ermöglichen sollen zukünftige Entwicklungen vorherzusagen.

Für Südtirol besteht bereits ein Weinbau-Bewertungsmodell, das allerdings mithilfe agronomischer Daten validiert und an die voraussichtlichen Entwicklungen der nächsten Jahre angepasst werden muss. Dafür wird das Versuchszentrum Laimburg in Südtirol 30 verschiedene Weinbauflächen der Sorte Blauburgunder in warmen, mittleren, hohen und sehr hohen Lagen genauestens beobachten: Wetterdaten, phänologische Daten wie Austrieb, Blüte und Reifebeginn, verschiedene Ertragsparameter wie Trauben- und Beerengewicht sowie Qualitätsparameter werden über zwei Vegetationsperioden hinweg erhoben. Die Europäische Akademie Bozen wird diese Weinbau-Daten und das Prognosemodell aus den historischen Erntedaten der Kellereigenossenschaften zusammenführen und daraus ein objektives Bewertungsmodell erstellen, mit dem die Eignung beliebiger Standorte für den Weinbau bestimmt werden kann. Dieses Modell bildet somit eine langfristige fundierte Basis für die Ermittlung geeigneter Weinbauflächen sowie für Sortenempfehlungen. Es wird in Form von interaktiven Karten öffentlich zugänglich sein und Behörden, Weinbauberatern und Weinbauern als Orientierungs- und Entscheidungshilfe dienen.

Während der letzten zehn Jahre hat der Weinbau im österreichischen Bundesland Kärnten einen starken Aufschwung erfahren. Dies liegt nicht zuletzt an den Auswirkungen der Klimaänderung, die den Weinbau zunehmend begünstigen. Im Gegensatz zu Südtirol existiert jedoch für Kärnten noch kein Weinbau-Bewertungsmodell, und somit gibt es wenig Hinweise darauf, welche Flächen und Rebsorten sich für den Anbau eignen. Das Projekt REBECKA soll dem nun Abhilfe schaffen: In Zusammenarbeit mit dem Obst- und Weinbauzentrums St. Andrä der Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Kärnten werden – ähnlich wie in Südtirol – verschiedene Klima- und Ertragsparameter für ausgewählte Weinbauflächen in Kärnten erhoben und historische Erntedaten über die letzten fünfzehn Jahre analysiert. Diese Daten, langjährige Klimadaten und das Südtiroler Bewertungsmodell bilden die Ausgangsbasis für die Erstellung einer eigenen Standorteignungskarte für den Weinbau in Kärnten.

Das grenzüberschreitende Forschungsprojekt wird vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Programms Interreg V-A Italien-Österreich finanziert. Das Gesamtbudget des Projekts, das für 30 Monate ausgelegt ist und im Jänner begonnen hat, umfasst rund 750.000 Euro. Projektleiterin ist Barbara Raifer, die am Versuchszentrum Laimburg den Fachbereich Weinbau leitet. Projektpartner sind Lukas Egarter Vigl von der Europäischen Akademie Eurac in Bozen sowie Hermann Katz von der Forschungsgesellschaft Joanneum Research in Graz und Ingenieur Siegfried Quendler vom Obst- und Weinbauzentrum St. Andrä in Kärnten. Begleitet wird das Vorhaben vom Landesamt für Obst- und Weinbau in Bozen, das zuständig für die Ausweisung der Weinbauflächen ist.

Von: mk

Bezirk: Überetsch/Unterland

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

13 Kommentare auf "Die Sonnenseite des Klimawandels"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
gauni2002
gauni2002
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Im Mittelalter hatte man Hexen die Schuld gegeben, wenn auf Grund klimatischer Debakel die Ernten schlecht ausfielen. 
Und Heutzutage ist es der Mensch. Werden die jetzt auch auf dem Scheiterhaufen verbrannt, um die Klimaerwärmung rückgängig zu machen? 

matthias_k
matthias_k
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

…. wenig überraschend dass gauni, der Mann mit dem Aluhütchen auf und immer auf der Suche nach Camtrails, auch ein Klimaerwärmungsleugner ist …. 

Staenkerer
1 Monat 7 Tage

halllllllooooo …. decht nit aufn scheiterhaufn … tz, tz, nor werd jo no wärmer!
de modernen hexn wern in eisblöck eingfrorn … de wintersporthofburgen welln a wieder an profit …!

Staenkerer
1 Monat 7 Tage

@matthias_k es dumme isch lei das es klimaerwärmungsphasen (gleich wie kältephasen u. eiszeiten) seit bestehen der erde gib u. man de, den weltweite bemühungen der wissenschaftler u. gelehrten zu trotz, nit als “errungenschaft” des 21. johrhunderts verkafn konn!
tjo, neandertaler u. de steinzeitmenschn hobn eiszeit u. klimaerwärmung überleb, theoretisch müaßatn mirs a überlebn … theoretisch wohl gemerkt …

matthias_k
matthias_k
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage
@Staenkerer  Stimmt, war ja auch immer so, dass das Ozonloch solche Ausmaße hatte, die Gletscher quasi verschwinden, immer mehr Seen und Flüße austrocknen (in gewissen Teilen der Erde), der Meeresspiegel steigt, Wetterphänomene wie “el nino” die Wetterdynamik ganzer Länder komplett auf den Kopf stellt ….. ich könnte noch so einige weitere Beispiele aufzählen, aber vorher bitte mal RICHTIG mit der Thematik außeinandersetzen, nicht 1 Artikel eines Relativierers lesen und glauben alles verstanden zu haben! Ich weiß auch dass es verschiedenste Wetterphasen immer schon gab, aber es gibt ganz klare Indikatoren, die man nicht mit 1 Satz relativieren kann, sondern ganz… Weiterlesen »
OrB
OrB
Superredner
1 Monat 7 Tage

Wieviel Wein brauchen wir noch?

Staenkerer
1 Monat 7 Tage

den brauchts lei zum jährlichen frostschäden- u. halglzerstörungs-ausgleich, de letzn johr hots jo oft genua 120% schadn obgebn … schun vergessn? vieleicht gibs nor decht amoll a bisl a ernte ob😆😉

Oberlaender
Oberlaender
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

Ha nor gib i s viech he und setz wein afn reschn 🙂

Dublin
Dublin
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

…in der Tat…ein guter Tropfen sehr bald zu haben…Reschner Hochgewächs…🙄

Staenkerer
1 Monat 7 Tage

jo, jo, u. a truckner winter u. a kolte nocht im april u. schun wieder 120% ernteausfoll … wenn se de rebn am reschn u. brenner unsetzn nor seins holt irgend amoll 150% schodn ….

Lettn
Lettn
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

Jaja man sig schon wia Flächen in immer höhere Logen gepochtet werden. Der Wettlauf mit der Zeit, lei ent verschlofen

bon jour
bon jour
Superredner
1 Monat 7 Tage

noch mehr?

werner66
werner66
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Und wer zahlt den Schaden wenn alles erfriert, so wie heuer?
Ich habe da so eine Vermutung…..

wpDiscuz