Bozen – Das internationale wirtschaftliche Umfeld ist aktuell günstiger als noch vor drei Monaten – das Rezessionsszenario für Europa scheint also vorerst abgewendet. Mit Blick auf die nächsten zwölf Monate erwarten Südtirols Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine insgesamt positive Entwicklung der Südtiroler Wirtschaft. Die Situation am Arbeitsmarkt bleibt günstig. Sorgen bereitet die Inflation, die zwar auch in Bozen zeitverzögert sinkt, doch nach 9,7 Prozent im Jahr 2022 heuer immer noch sechs bis sieben Prozent betragen dürfte. „Der kumulierte Effekt der Inflation in den Jahren 2022 und 2023 führt dazu, dass lohnabhängig Beschäftigte um ein Sechstel ärmer sind als 2021“, zieht AFI-Direktor Stefan Perini Bilanz. „Den Energiepreisschock werden wir vielleicht in einigen Wochen überwunden haben, die Verteilungskrise bleibt uns erhalten“.
Im April 2023 scheint das Rezessionsszenario, das sich noch vor drei Monaten für die europäische und insbesondere für die deutsche Wirtschaft abzeichnete, fürs Erste abgewendet: Die Preise der Energieprodukte sind in den letzten Wochen deutlich gesunken. Die Lieferengpässe lösen sich nach und nach auf, was auf Chinas Null-Covid-Politik zurückzuführen ist: Dessen Werften arbeiten nun wieder im Normalbetrieb und der Lieferrückstau ist in der Folge weitgehend behoben worden.
Die Straffung der Zinspolitik (EZB-Leitzinssatz: +3,5 Prozentpunkte in nur neun Monaten!) habe nicht nur die Investitionsbereitschaft der Unternehmen eingedämmt, sondern auch die Zinslast und damit die Baukreditraten für viele Häuslebauer nach oben getrieben. “Die Schieflagen im Bankensystem forderten erste Opfer (Silicon Valley Bank bzw. Credit Suisse). Der Internationale Währungsfonds IMF rechnet mit folgenden Wirtschaftswachstumsraten für 2023: Euroraum: +0,8 Prozent; Deutschland: -0,1 Prozent; Österreich: +0,4 Prozent; Italien: +0,7 Prozent”, so das Afi.
BILANZ 2022: Alles paletti – ausgenommen Inflation
Die Endbilanz 2022 für Südtirols Wirtschaft könne als sehr gut bezeichnet werden: “Die Zahl der lohnabhängig Beschäftigten ist gegenüber 2021 stark angestiegen (+4,9 Prozent im Jahresschnitt) und erreichte einen neuen historischen Höchststand (221.200 im Jahresschnitt). Die Arbeitslosenrate blieb mit 2,3 Prozent niedrig. Südtirols Außenhandel legte kräftig zu (Exporte: +16,2 Prozent, Importe: +31,8 Prozent). Die touristischen Nächtigungen haben sogar das Vorkrisenniveau getoppt (+2,1 Prozent zu 2019; +44,7 Prozent zu 2021).” Das wahre Problem sei die Inflation, die sich im Jahresschnitt 2022 in Bozen auf 9,7 Prozent beläuft. Zwar bilde sich diese nach dem Höchststand von 12,5 Prozent im Dezember 2022 wieder schrittweise zurück – trotzdem sei auch für Südtirol, in Anlehnung an die Prognosen internationaler Forschungsinstitute, 2023 mit einer Jahresinflationsrate zwischen sechs und sieben Prozent zu rechnen, so das Afi weiter.
DIE STIMMUNG: Wieder mehr Zuversicht unter den Arbeitnehmern
Die Stimmung unter Südtirols Arbeitnehmern hellt sich wieder auf. “Mit Blick auf die nächsten zwölf Monate erwarten Südtirols Arbeitnehmer mehrheitlich eine positive Entwicklung der Südtiroler Wirtschaft. Die Arbeitslosenzahlen dürften leicht abnehmen. Das Risiko, den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren, werde nach wie vor mit „moderat“ bewertet. “Die Perspektiven, im Bedarfsfall einen gleichwertigen Arbeitsplatz zu finden, stehen so gut wie nie zuvor. Die Fähigkeit der Arbeitnehmer, mit dem Einkommen ein Auskommen zu finden, verbessern sich leicht, allerdings vom niedrigsten Niveau aus, das jemals vom AFI in diesen zehn Jahren erhoben wurde. Aktuell geben 30 Prozent der Arbeitnehmer an, dass der Haushalt nur mit Schwierigkeiten über die Runden kommt. Zur Sparfähigkeit: Nur 48 Prozent geben an, in den nächsten Monaten Geld sparen zu können – den anderen 52 Prozent wird dies nicht möglich sein”, schildert das Afi.
DIE PROGNOSEN: Für 2023 +0,7 Prozent BIP-Wachstum für Südtirols Wirtschaft
Das konjunkturelle internationale Umfeld präsentiere sich für Südtirol heute günstiger, als dies noch vor drei Monaten der Fall war. “In Deutschland spricht man inzwischen nicht mehr von Rezession, sondern nur mehr von Stagnation. Auch die Stimmung unter Südtirols Arbeitnehmern ist wieder etwas besser als noch im Vorquartal. Positiv anzumerken ist, dass die Kreditdynamik in Südtirol im Unterschied zu anderen Ländern noch nicht eingebrochen ist – was angesichts der deutlichen Zinsstraffung überrascht. Angesichts des positiveren Gesamtbildes hebt das AFI seine BIP-Prognose für die Südtiroler Wirtschaft im Jahr 2023 auf +0,7 Prozent an”, heißt es weiter.
Doch es gebe auch Schattenseiten: “Die deutliche Teuerung der Verbraucherpreise hat zu einer massiven Erosion von Kaufkraft und von Sparvermögen geführt. Der kombinierte Effekt der Inflationsraten von 2022 (9,7 Prozent) und 2023 (Schätzungen zufolge zwischen sechs und sieben Prozent) führt dazu, dass Lohnabhängige Ende 2023 ein Sechstel weniger Kaufkraft haben werden als noch 2021. Dass der Privatkonsum früher oder später einbrechen wird, ist eine logische Folge. Zudem lässt die steigende Zinslast bei Kreditnehmern einen weiteren Teil des verfügbaren Haushaltseinkommens bröckeln. Das Risiko der Verarmung für einen wachsenden Teil der Südtiroler Bevölkerung ist gegeben. Südtirol hat den Energiepreisschock vielleicht hinter sich gelassen, schlittert aber angesichts übertriebener Lohnzurückhaltung in eine Verteilungskrise”, schließt das Afi.
Von: luk
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9 Kommentare auf "“Energiepreisschock überwunden, Verteilungskrise bleibt”"
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Mein kleiner Beitrag, damit die preise nicht noch mehr ungerechtfertigt steigen, da einige nie genug bekommen, nichts mehr konsumieren was nicht umbedingt nötig ist.
Als Beispiel, bei uns im Dorf kostet der Kaffee jetzt überall 1.70€. Ich trink einfach keinen mehr…
Ein banales Beispiel mit einer Zahl die beeindruckt: ein Kilo Brot kostet jetzt 10 Euro… wie soll dies mit irgendwelchen Gehältern zusammenstimmen?
Die Basis muss leistbar sein. Wenn sich Jemand einen Ferrari leisten kann dann soll er ihn kaufen, dies geht in Ordnung, und wenn sich Jemand die Hotelsuite um 500 Euro am Tag leisten kann dann ist dies auch in Ordnung. Aber die Grundlagen die müssen leistbar sein.
Alles Paletti, lei die Löhne sein in gewisse Spartn exact gleich gebliebn!
Sogmer mol in die meisten Sparten.
außer vielleicht ba die sem, de entscheiden, dass sie in die meisten sparten gleich bleiben, außer ba ihmene selber…
…wer de woll sein???
😉
De wos am meischt draugezohlt hobn und schäbig ausgenutzt wordn sein, sein die ehrlichn Orbiter. Der Lohn isch zin Toal gleichgebliebn und olles ondere isch gstiegn.
DAS glauben auch nur TRÄUMER dass Italia mehr Wachstum haben wird als Deutschland !😝👌 Das MADE IN GERMANY ist gefragt und doppelt so viel wert ❤👌
Lohnerhöhung bei einem Gehalt im Monat von 5000€=500€ bei 1000€=100€. So wird die Kluft zwischen arm und reich schwierig zu schließen sein….. die Reichen geben dann noch mehr aus damit Preise niemals sinken und die Armen kommen dann wieder nicht über die Runden
Hauptsache die Energiebranche hat sich dumm und dämlich verdient.