Boom beim Ausbau der 5G-Netze ebbt ab

Ercisson erwägt Jobabbau nach Gewinnrückgang

Dienstag, 23. Januar 2024 | 10:57 Uhr

Wegen einer schwächelnden Nachfrage bei Komponenten für moderne 5G-Mobilfunknetze blickt Ericsson skeptisch in die Zukunft. “Mit Blick auf das Jahr 2024 gehen wir davon aus, dass der Markt außerhalb Chinas weiter schrumpfen wird, mit ähnlichen Unsicherheiten wie im Jahr 2023”, sagte Borje Ekholm, der Chef des schwedischen Telekom-Ausrüsters, am Dienstag. Finanzchef Carl Mellander kündigte daher weitere Einsparungen an, die auch einen Stellenabbau beinhalten könnten.

“Wir werden alle Kosten genau prüfen und uns weiterhin an der Marktentwicklung und der Nachfrage orientieren”, so der scheidende Manager. Vor rund einem Jahr hatte Ericsson den Abbau jeder zwölften Stelle angekündigt. Etwa 8.500 Beschäftigte müssen gehen. Beim finnischen Erzrivalen Nokia fallen 14.000 Jobs weg. Mellander übergibt sein Amt per 1. April an Lars Sandstrom, der bisher die Finanzen der Medizintechnikfirma Getinge verantwortet.

Das Research-Haus Dell’Oro rechnet bis 2029 mit einem Rückgang der weltweiten Investitionen in Mobilfunknetze von 1 Prozent jährlich.

Rückenwind verspricht sich Ericsson ab der zweiten Jahreshälfte 2024 vom einem bis zu 14 Mrd. Dollar (13 Mrd. Euro) schweren Auftrag des US-Telekomkonzerns AT&T. Die schwedische Firma hatte den Konkurrenten Nokia ausgestochen. Dieser schraubte daraufhin seine Ziele herunter.

Die mangelnde Investitionslaune der Telekomanbieter brockte Ericsson im vierten Quartal einen überraschend deutlichen Umsatzrückgang von 16 Prozent auf umgerechnet 6,3 Mrd. Euro ein. Der operative Gewinn verringerte sich zwar um knapp 9 Prozent auf 648 Mio. Euro, übertraf aber die Markterwartungen vom in Schnitt 608 Mio. Euro. Die Sparte Cloud-Software und Cloud-Dienstleistungen leiste mit einiger Verzögerung endlich einen positiven Ergebnisbeitrag, lobte Analyst Janardan Menon von der Investmentbank Jefferies. Ericsson-Aktien fielen an der Börse Stockholm am Dienstag dennoch zeitweise um mehr als 4 Prozent und steuerten auf den größten Tagesverlust seit rund drei Monaten zu.

Die weiteren Aussichten für die Papiere beurteilte Analyst Menon optimistisch. Dank des AT&T-Deals und der bereits eingeleiteten Sparmaßnahmen, deren Effekte noch nicht vollständig spürbar seien, werde Ericsson die Ertragskraft trotz des schwierigen Branchenumfelds steigern.

Von: APA/Reuters

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