Nicht alle sind froh über günstiges Getreide aus der Ukraine

EU-Länder wollen strenge Vorgaben für ukrainische Agrarwaren

Mittwoch, 27. März 2024 | 20:30 Uhr

Unter dem Druck von Bäuerinnen und Bauern will eine Mehrheit der EU-Staaten strengere Zollvorgaben für bestimmte Lebensmittel aus der Ukraine. Die Botschafter der EU-Staaten einigten sich am Mittwochabend auf einen neuen Kompromiss zu Zollvorgaben für ukrainische Agrarprodukte, wie die belgische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte. Er sieht nach Angaben von Diplomaten vor, dass weniger Waren als ursprünglich vorgesehen zollfrei in die EU verkauft werden dürfen.

Das dürfte zum Nachteil der ukrainischen Landwirtschaft werden. Betroffen sind unter anderem Eier, Geflügel, Zucker und Mais. Die Verschärfung der Vorgaben braucht auch im Europaparlament eine Mehrheit.

Eigentlich hatten sich bereits vergangene Woche Unterhändler der Mitgliedsstaaten und des Europaparlaments auf neue Zoll-Vorgaben für ukrainische Waren geeinigt. Konkret sollen von den Regeln betroffene Waren nur noch bis zu einer bestimmten Menge zollfrei in die EU importiert werden dürfen.

Wenn diese Menge erreicht ist, werden wieder Zölle fällig. Der zwischen Parlament und EU-Staaten vergangene Woche erzielte Kompromiss sah vor, dass sich diese Menge nach dem Schnitt der Importe in den Jahren 2022 und 2023 richtet. Diese Referenzperiode soll nach Angaben aus Diplomatenkreisen nun auch das zweite Halbjahr 2021 umfassen, als noch weniger der betroffenen ukrainischen Waren in die EU verkauft wurden.

Hintergrund der Debatte ist, dass die EU kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf sein Nachbarland ukrainische Waren von Zöllen befreit hat. Damit sollte die Wirtschaft des Landes gestärkt werden. Nach Angaben des für Handel zuständigen EU-Kommissars Valdis Dombrovskis gab es nie zuvor derartige Maßnahmen zur Handelserleichterung. Ein weiterer Vorteil: Wenn die ukrainische Wirtschaft besser läuft, können die EU und ihre Mitgliedsstaaten auch weniger Hilfsgelder an das angegriffene Land überweisen. Im Sommer laufen die derzeit geltenden Zollerleichterungen für die Ukraine aus. Wenn bis dahin keine neue Regelung gefunden wird, würden die Handelserleichterungen ganz wegfallen.

Diese Unterstützung ist vielen Bauern, vor allem im Osten der EU, aber ein Dorn im Auge. Sie sehen sich durch günstige Agrarimporte aus der Ukraine unverhältnismäßiger Konkurrenz ausgesetzt. Aber auch aus Frankreich gibt es Stimmen, die strengere Zollregeln fordern. Wie schlimm diese Auswirkungen der ukrainischen Exporte auf den Markt in der EU aber tatsächlich sind, darüber wird gestritten.

Die Ukraine ist ein weltweit wichtiger Produzent von Weizen, vor allem Menschen in ärmeren Ländern sind auf günstiges Getreide aus dem osteuropäischen Staat angewiesen. Wegen des russischen Angriffs auf das EU-Nachbarland konnte zeitweise kein Weizen auf dem für den Handel wichtigen Seeweg aus dem Land gebracht werden. Die Preise für Weizen waren zwischenzeitlich deutlich gestiegen.

Auch wenn etwa Ungarn gefordert hatte, dass auch für Weizen Kontingente eingeführt werden sollen, bleibt die Einfuhr von Weizen aus der Ukraine zunächst zollfrei. Allerdings sollen unter bestimmten Bedingungen Maßnahmen ergriffen werden können.

Von: APA/dpa

Kommentare

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5 Kommentare auf "EU-Länder wollen strenge Vorgaben für ukrainische Agrarwaren"


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Aurelius
Aurelius
Kinig
23 Tage 7 h

Ukrainisches Getreide muss verzollt werden , sie sind nicht in der EU

Speedy Gonzales
Speedy Gonzales
Superredner
23 Tage 5 h

@ Aurelius

Hoffentlich bleibt das auch so.

bern
bern
Universalgelehrter
23 Tage 9 h

Die EU verteilt die Agrarbeihilfen falsch. Es zählt nur die Fläche. Somit bekäme die Ukraine doppelt zuviel: 1. weil die Bauern dort rießige Flächen haben, 2. weil dort die Lebenskosten viel viel geringer sind.
Deshalb müssten die Beihilfen an die Lebenskosten des jeweiligen EU-Landes gekoppelt sein. Und ab 500ha darf es sowieso nichts mehr geben.

So sig holt is
23 Tage 6 h

sehe ich genauso… in den Ostblockstaaten haben die bauern, bzw die großen agrarkonzerne, rießen Flächen, bei gleichzeitig geringeren Lohn und Materialspesen… Dennoch bekommen sie gleich viel… deshalb investieren viele große agrarkonzerne in den Osten um die Flächenprämien einzusacken! ich sage auch, dem jeweiligen Land anpassen und bis zu einer gewissen größe (sagen wir wie du 500 ha) gibts was, danach nichts mehr dazu

@
@
Universalgelehrter
23 Tage 4 h

Die Ukraine ist aktuell noch kein Mitglied der EU, sondern hat nur eine Mitgliedsperspektive. Bis das soweit ist, vergehen noch viele Jahre.Daher sind deine Einwände obsolet, denn in der Zwischenzeit wird sich sich wohl vieles ändern, auch im Bezug auf Lebenshaltungskosten und Beitragskriterien.

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