Ein fleischloser Burger darf auch künftig "Burger" genannt werden

EU-Namensverbot für Veggie-Burger vorerst vom Tisch

Donnerstag, 05. März 2026 | 20:38 Uhr

Von: APA/AFP/dpa

Veggie-Burger oder Seitan-Schnitzel: Gängige Bezeichnungen für vegetarische Fleischersatzprodukte bleiben in der EU vorerst erlaubt. Die gängigen Namen stehen nach Verhandlungen zwischen Vertretern aus dem Europaparlament und dem Rat der 27 EU-Länder am Donnerstag in Brüssel nach Angaben von Abgeordneten nicht auf einer Liste von Bezeichnungen, die künftig tierischen Produkten vorbehalten sein sollen. Für nächstes Jahr werden aber weitere Diskussionen erwartet.

Auf der Liste stehen nach Angaben der Europaabgeordneten spezifischere Bezeichnungen wie Rind- oder Schweinefleisch, Hühnerkeulen oder Rinderhüfte. Diese Begriffe sollen für vegetarische Ersatzbegriffe künftig verboten werden, allgemeinere Bezeichnungen wie Burger und Schnitzel bleiben aber fürs Erste erlaubt.

Das heißt, typische Bezeichnungen für Fleischprodukte wie “Schnitzel”, “Burger” und “Wurst” dürfen auch weiter für pflanzliche Alternativen verwendet werden. Tabu sind laut Vertretern des Parlaments aber Bezeichnungen, die sich auf Tiere, Tierteile oder Fleischarten sowie einzelne Teilstücke (“Cuts”) beziehen: zum Beispiel Geflügel, Rindfleisch, Ripperl, Schulter, Kotelett oder Speck.

“Leberkäse” von Verbot betroffen

Betroffen vom Verbot sind auch fleischloser Leberkäse und vegane Hühnernuggets, wie der grüne Europaabgeordnete Thomas Waitz der APA mitteilte. Er kritisierte das Verbot als Scheindebatte. Eigentlich sollte es darum gehen, die Bauern in der EU gegenüber der Lebensmittelindustrie zu stärken. ÖVP-Mandatar Alexander Bernhuber lobte den Kompromiss, er schaffe Klarheit für die Konsumentinnen und Konsumenten.

Die französische Europaabgeordnete Céline Imart hatte ein weitreichendes Namensverbot vorgeschlagen und wollte damit nach eigener Aussage die Interessen französischer Rinderbauern schützen. Sie vertritt zudem die Auffassung, im Supermarkt gebräuchliche Namen wie Veggie-Burger seien irreführend.

Verbraucherorganisationen wie BEUC widersprachen ihr vehement. “Die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher ist über diese Begriffe nicht verwirrt”, erklärte die BEUC-Expertin Irina Popescu. Sie forderte die EU-Gesetzgeber auf, stattdessen für klare Kennzeichnungen zu sorgen. Auch Lebensmittelhändler und Hersteller hatten sich gegen das Verbot ausgesprochen.

Die deutsche Bundesregierung lehnte ein Verbot ebenfalls ab. Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) erklärte zwar, ein Schnitzel sei für ihn persönlich immer Fleisch. Er folgte aber der Linie der Verbraucherorganisationen: Verbraucherinnen und Verbraucher wüssten selbst am besten, was sie im Supermarkt kaufen. Österreichs Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) war hingegen für das Verbot.

Totschnig: “Vegetarische Hühnerkeulen gibt es nicht”

Am Abend ließ Totschnig per Aussendung wissen: “Ich begrüße die politische Einigung des heutigen Trilogs. Dort wo Fleisch draufsteht, muss auch Fleisch drinnen sein. Vegetarische Hühnerkeulen gibt es nicht. Außerdem ist es eine wichtige Weichenstellung, dass künstlich erzeugte Zellprodukte aus dem Labor künftig nicht mehr als Fleisch bezeichnet werden dürfen. Das ist ein bedeutender Erfolg, denn Konsumentinnen und Konsumenten haben ein Recht darauf, auf den ersten Blick zu erkennen, ob sie ein natürliches Lebensmittel vom Bauernhof oder ein hochverarbeitetes Industrieprodukt kaufen. Klare Bezeichnungen schaffen Transparenz, sorgen für fairen Wettbewerb und stärken das Vertrauen in unsere regionalen Lebensmittel.”

Die Diskussion um die Bezeichnungen war Teil der Beratungen über ein Gesetzespaket, mit dem die EU die Position europäischer Landwirtinnen und Landwirte in Preisverhandlungen mit Supermärkten stärken will. Das Europaparlament und der Rat der 27 Staaten müssen das Paket noch final absegnen.

Die Entscheidung vom Donnerstag gilt bis Ende 2027. Bis dahin ist ohnehin eine Reform der Regeln der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU fällig. Im Zuge der Neuauflage dürfte die Diskussion um Burger und Schnitzel erneut aufkommen.

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