"Gemüse unterschiedlicher Größe anzubieten, kann Lebensmittelverschwendung reduzieren"

EU-Qualitätsstandards für Obst und Gemüse: Sinnvoll?

Sonntag, 17. März 2024 | 07:59 Uhr

Bozen – Die so genannte Gurkenverordnung der EU sah für Gurken der Klasse Extra einen maximalen Krümmungsgrad von zehn Millimetern auf zehn Zentimeter Länge vor. Seit 2009 ist dieses Schreckgespenst der EU-Bürokratie Geschichte. In jenem Jahr wurden für 26 von insgesamt 36 Obst- und Gemüsearten die speziellen Vermarktungsnormen abgeschafft, darunter Gurken, Karotten, Zucchini und Spargel.

Für Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Gemüsepaprika, Kiwis, Pfirsiche und Nektarinen, Salate (inklusive Endivie), Tafeltrauben, Tomaten sowie Zitrusfrüchte, die im Handel frisch angeboten werden, gelten in der EU aber nach wie vor spezielle Vermarktungsnormen, einschließlich einer Größensortierung und einer Einteilung nach Güteklassen. Dabei werden die drei Klassen Extra, I und II unterschieden. Ware der Klasse Extra weist die höchste äußere Qualität hinsichtlich Form, Entwicklung und Färbung auf und ist praktisch makellos. Bei Ware der Klasse I sind leichte „Fehler“ hinsichtlich Form, Entwicklung und Färbung sowie leichte Schalenfehler zulässig. Ware der Klasse II darf „fehlerhaft“ hinsichtlich Form, Entwicklung, Färbung und Schale sein, definierte Mindeststandards müssen dennoch eingehalten werden.

Obst- und Gemüsearten, für welche keine speziellen Vermarktungsnormen gelten, müssen der allgemeinen Vermarktungsnorm entsprechen. Demnach muss die Ware ganz, gesund (frei von Fäulnis oder Krankheiten), von frischem Aussehen, sauber und frei von sichtbaren Fremdstoffen (z.B. Erde, Schmutz, sichtbare Rückstände von Behandlungsmitteln), frei von Schädlingen (z.B. Maden, Blattläuse), frei von Fraß- oder Einstichstellen durch Schädlinge, frei von Nässe (lediglich Kondenswasserbildung ist zulässig), frei von Fremdgeruch und -geschmack und nicht zuletzt ausreichend reif, aber nicht überreif sein. Zudem muss das Herkunftsland angegeben werden. Die Toleranzgrenze für Erzeugnisse, die die Vorgaben nicht erfüllen, liegt bei maximal zehn Prozent einer Partie. Eine Klassenangabe ist für diese Obst- und Gemüsearten nicht vorgesehen, der Handel kann aber auf freiwilliger Basis die produktspezifischen Handelsnormen der UNECE (United Nations Economic Commission for Europe) anwenden, sofern eine entsprechende UNECE-Norm existiert.

Von der Einhaltung der Vermarktungsnormen ausgenommen sind unter anderem Früchte und Gemüse, die ab Hof direkt an die Endverbraucher und -verbraucherinnen verkauft werden, zerkleinerte verzehr- oder küchenfertige Früchte und Gemüse sowie Ware, die für die industrielle Verarbeitung oder die Tierfütterung bestimmt ist.

„Die Vermarktungsnormen der EU zielen in erster Linie auf die äußerlichen Merkmale von Früchten und Gemüse und eine möglichst einheitliche optische Qualität ab“, resümiert Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol. „Geschmack und Nährwert spielen dabei keine Rolle.“

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat 2022 einen Marktcheck für Obst und Gemüse im Einzelhandel durchgeführt. Ihr Fazit lautet: „Das Angebot von optisch einwandfreiem und einheitlichem Obst und Gemüse ist im Handel nur möglich, weil die Landwirtschaft sehr strenge Vorgaben erfüllen muss. Diese Vorgaben führen zu einem vermeidbaren Ressourcenverbrauch sowie zu Lebensmittelverschwendung. Wenn der Handel mehr Obst und Gemüse der Klasse II anbietet, könnte dies zu einem realistischeren Bild von landwirtschaftlich erzeugten Produkten im Markt führen. Gemüse unterschiedlicher Größe anzubieten, kann Lebensmittelverschwendung reduzieren.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare
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Privatmeinung
Privatmeinung
Universalgelehrter
2 Monate 17 h

Erstmal Schwachsinn bringen, dann Gott sei Dank wieder abschafft werden. Wer bezahlt diese verschwendeten Arbeitsstunden von ca, 600 EU Politikern, die sie bezahlt bekommen. Was dort als Unsinn verläuft, ist in Zahlen nicht ausdrückbar. 

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 12 h

Warum bist nicht du im EU Parlament wenn du alles besser weißt?

jochgeier
jochgeier
Universalgelehrter
2 Monate 10 h

@N. G. laut deinen ständigen anpöbelungen, besserwissenden kommentaren zu allem, keine meinung zulassend als die eigene, fragt man sich schon warum du nicht ranghoher politiker bist.

Oberjoggler
Oberjoggler
Tratscher
2 Monate 10 h

@jochgeier wer weiß, ob N.G. das nicht etwa ist? 🙂

Privatmeinung
Privatmeinung
Universalgelehrter
2 Monate 16 h

Weiters zu den EU Verordnungen beim Bauen die Klimahausvorschriften… alles wird wärmer, dann sollen in wärmeren Gegenden die Häuser übertrieben isoliert werden… es macht doch einen Unterschied ob ich auf 1.800 Meereshöhe wohne oder auf 200 m Meereshöhe… Hausverstand EU – Quo vadis???

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 16 h

Was heißt übertrieben isoliert? Was ist das für ne seltsame Rechnung die du da aufmachst? Jeder, egal wo, der heizen muss, kann CO2 sparen. Der eine mehr, der andere eben weniger. Im Übrigen, was gegrn Wärmeverlust hilft hilft umgekehrt auch gegen Hitze.

Meinigs
Meinigs
Neuling
2 Monate 14 h

Wäre es nicht wichtigstes Qualitätsmerkmal, dass Lebensmittel für Mensch, Tier und Umwelt fair und nachhaltig produziert werden? Was nützt mir ein makelloser Apfel, wenn bei der Produktion Boden, Wasser und Kleinstlebewesen vergiftet wurden, ich selbst beim Verzehr verschiedenste Chemikalien zu mir nehme und der Apfel vielleicht schon durch halb Europa gekarrt wurde? Da ist mir lieber, ich esse einen Apfel der nicht perfekt aussieht, aber “gesund” ist.

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