In Schwechat mussten die Flugzeuge in der Früh am Boden bleiben

Flughafen Wien fährt Betrieb nach Glatteissperre wieder hoch

Dienstag, 13. Januar 2026 | 16:43 Uhr

Von: apa

Glatteis hat am Dienstag im Osten Österreichs für Behinderungen, Ausfälle und Unfälle gesorgt. Auf dem Flughafen Wien in Schwechat wurde der Betrieb ab 11.00 Uhr wieder hochgefahren. Es sei weiter mit Verzögerungen zu rechnen, teilte Sprecher Peter Kleemann mit. Zunächst wurden abfliegende Maschinen abgefertigt. Ab den Mittagsstunden gab es auch wieder Landungen. Der Luftfahrtbetrieb war Dienstagfrüh wegen Glatteis eingestellt worden.

Ankommende Flüge wurden daraufhin zu anderen Airports – etwa München, Frankfurt, Köln, Venedig – umgeleitet. Abflüge waren verzögert. Auf dem gesamten Vorfeld, den Rollwegen und den Pisten habe sich “eine dicke Eisschicht gebildet, die unmittelbar nach der Enteisung sofort neu gefriert”, erläuterte Kleemann. Der Winterdienst auf dem Airport war “seit den Nachtstunden voll im Einsatz” und blieb es auch untertags. An Reisende erging der Rat, sich bei ihren Airlines “über den Status gebuchter Flüge zu informieren. Sind Flüge abgesagt, ersuchen wir Passagiere, nicht zum Airport zu kommen”. Das galt auch nach der Wiederaufnahme des Flugbetriebs. Außerdem müsse mehr Zeit für die Anreise eingeplant werden.

Der Großteil der Vorfeldflächen, Positionen und Rollwege sei enteist, berichtete Kleemann am Nachmittag. Vorerst war eine Piste (16/34) in Betrieb. Die Freigabe der zweiten (11/29) stand bevor. “Für den heutigen Tag ist noch weiter mit Verzögerungen zu rechnen, bis morgen sollte sich der Flugverkehr aber weitgehend normalisieren”, so der Sprecher. Einzelne Verzögerungen seien jedoch nicht auszuschließen.

81 AUA-Flüge gestrichen

Austrian Airlines mussten 81 Flüge streichen, teilte Sprecherin Anita Kiefer auf Anfrage mit. Etwa 7.000 Passagiere seien betroffen gewesen. Zudem seien acht Maschinen, u.a. aus Newark in New Jersey, Washington und Bangkok, umgeleitet worden, vier nach Klagenfurt, je zwei nach Graz und München. An Bord seien weitere etwa 1.000 Fluggäste gewesen. Alle seien betreut und auch umgebucht worden, betonte die AUA-Sprecherin. Verspätungen seien auch am Abend möglich, sagte sie unter Hinweis darauf, dass das Enteisen der Maschinen mehr Zeit als üblich in Anspruch nehme.

Passagiere oder Bahnkunden, die von Ausfällen betroffen sind, bekommen den Ticketpreis zurück oder eine Ersatzbeförderung. Entschädigungen dafür sowie für Verspätungen gibt es in diesem Fall nicht. Ausfälle wegen extremer Wetterbedingungen begründen keinen Anspruch auf finanzielle Entschädigung nach EU-Recht.

Beeinträchtigungen im Verkehr in der Ostregion

Der gefrierende Regen sorgte im Osten für Glatteis und damit für Beeinträchtigungen im Verkehr. In Niederösterreich waren die Feuerwehren in allen Landesteilen stark gefordert. Seit Montag, 18.00 Uhr, wurden insgesamt rund 70 Fahrzeugbergungen gezählt, teilte Klaus Stebal vom Landeskommando auf Anfrage mit. Notruf Niederösterreich verzeichnete bis in die Vormittagsstunden mehr als 100 Rettungsdiensteinsätze. Das ist laut Philipp Gutlederer ein Drittel mehr als an einem durchschnittlichen Tag. Ausgerückt worden sei zu Verkehrsunfällen, zudem seien immer wieder auch Personen auf vereisten Gehwegen ausgerutscht oder gestürzt und dabei verletzt worden.

In Wien musste die Berufsrettung bis 12.00 Uhr 65 Personen nach Stürzen am Glatteis notfallmedizinisch versorgen und ins Krankenhaus bringen, sagte Sprecher Andreas Huber. In den Spitalsambulanzen wurde ein “erhöhtes Patientinnenaufkommen beobachtet”, sagte eine Sprecherin des Wiener Gesundheitsverbunds (WIGEV). Bisher “kein erhöhtes Einsatzaufkommen” gab es unterdessen bei der Berufsfeuerwehr Wien. “Es hat sich offenbar jeder gut auf die Verhältnisse eingestellt”, sagte Sprecher Jürgen Figerl Donnerstagfrüh. Die Situation werde aber genau beobachtet, versicherte er.

Hühner-Lkw verunglückt

In Oberösterreich verunglückte in Vöcklamarkt (Bezirk Vöcklabruck) ein Lkw mit 2.000 Hühnern, hinzu kamen etliche kleinere Autounfälle und zahlreiche Stürze von Fußgängern. Im Öffi-Verkehr gab es mancherorts Probleme, einige Kinder konnten nicht in die Schule kommen. Der Linzer Flughafen war zwar offen, die Landebahnen waren aber in der Früh noch nicht griffig genug, um Ausweichflüge aus Wien aufzunehmen. Die Exekutive hatte mit zahlreichen kleineren Glatteis-Unfällen alle Hände voll zu tun.

Auch im Nordburgenland verletzten sich zahlreiche Menschen bei Stürzen. Die Unfallambulanz im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt verzeichnete am Vormittag bereits die ersten Verletzten und rechnete bis Mittag mit vermehrtem Zustrom. Es wurde appelliert, nicht notwendige Wege zu unterlassen.

ÖBB-Reisewarnung aufgehoben

Bei den ÖBB gab es eine Reisewarnung, diese wurde am Nachmittag aufgehoben. Nach dem gefrierenden Regen in der Nacht von Montag auf Dienstag im Raum Salzburg, Oberösterreich und der Ostregion könne es im Laufe des Dienstags vereinzelt noch zu Verspätungen und Zugausfällen kommen. Der Busverkehr läuft schon wieder planmäßig, teilte die Bahn mit. Reisende werden ersucht, sich vor Fahrtantritt über ihre Verbindung zu informieren und zusätzliche Reisezeit einzuplanen. Zuvor war es zu zahlreichen Streckenunterbrechungen und Ausfällen gekommen. So waren etwa bis Dienstagmittag zwischen dem Wiener Hauptbahnhof und dem Flughafen keine Fahrten möglich. Züge auf der Südstrecke zwischen Wien und Graz endeten und starteten nicht am Wiener Hauptbahnhof, sondern in Wien-Meidling. Die Zugbindung bei allen nationalen Tickets mit Kaufdatum bis Montag wurde für den Zeitraum bis zum (heutigen) Dienstag aufgehoben.

Kein Salzstreuverbot in Wien

In Wien wurde aufgrund des Glatteises das grundsätzlich geltende Salzstreuverbot aufgehoben. Bis 12.00 Uhr durfte Salz gestreut werden, teilte die Straßenreinigung (MA 48) mit. Laut Stadt Wien waren 2021 und 2014 die bis dato letzten beiden Male, an denen das Salzstreuverbot aufgehoben wurde. Dies bedeutet, dass entsprechende Auftaumittel auf Gehsteige – die bei gefrierendem Regen nach einer Räumung ansonsten rasch wieder spiegelglatt werden – auch dort aufgebracht werden dürfen, wo es sonst nicht erlaubt ist. Das ist etwa in der Nähe von unversiegelten Flächen bzw. Bäumen der Fall. Für die Betreuung von Gehsteigen sind die Grundeigentümer bzw. jeweiligen Hausbesitzer zuständig.

Die zuständige Magistratsabteilung 48 war laut eigenen Angaben schon seit Montag im Volleinsatz. Ab 14.00 Uhr wurden gestern alle 68 Großräumfahrzeuge in den Dienst gestellt, teilte man der APA mit. In der Nacht auf Dienstag starteten die Kleinfahrzeuge der Straßenreinigung um Mitternacht. Sukzessive wurde weiteres Personal bereitgestellt. Ab 6.00 Uhr war laut der Mitteilung die gesamte Winterdienstmannschaft mit 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 281 Streufahrzeugen im Einsatz.

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