Von: apa
Eine im Rahmen der EU-Alpenraumstrategie EUSALP beauftragte Studie hat beim Gütertransport via Straße am Brennerkorridor im Vergleich zum Transport per Schiene viermal höhere Folgekosten geortet. Darunter fallen für die Allgemeinheit entstehende Kosten etwa durch Ausgaben im Gesundheitssystem oder zur Klimawandelanpassung, hieß es in einer Aussendung des Landes Tirol am Mittwoch. Insgesamt zöge der Straßenverkehr auf der Strecke jährlich 2,1 Mrd. Euro Folgekosten nach sich.
Die sogenannten externen Kosten des Straßengüterverkehrs seien pro Tonnenkilometer demnach deutlich höher als beim Transport auf der Schiene. 96 Prozent dieser Folgekosten durch Personen- und Güterverkehr auf dem Brennerkorridor zwischen München und Verona würden auf der Straße entstehen, hieß es. Tirols Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) ortete einen “Wettbewerbsnachteil” der Schiene gegenüber dem Straßentransport. Bei dem von den Transportunternehmen gezahlten Preis würden diese Folgekosten nämlich “weitgehend außer Acht gelassen”. “Diese Kosten sollte eigentlich der Verursacher – in diesem Fall der Güterverkehr auf der Straße – tragen”, wurde der Landesrat zitiert. Die vielfach höheren Kosten sollten sich im Transportpreis niederschlagen.
Höchste Folgekosten am Brennerkorridor
Die Untersuchung – von der mehrere Abschnitte umfasst waren – habe ergeben, dass auf dem rund 430 Kilometer langen Brennerkorridor die meisten externen Kosten entstehen. Nur am Ventimiglia-Korridor (Marseille-Genua) entstünden vergleichbar hohe externe Kosten. “Rund ein Drittel der Transit-Lkw fahren durch Tirol, obwohl sie eigentlich eine um mehr als 60 Kilometer kürzere Alternative hätten”, bemängelte Zumtobel. Der Grund liege in geringen Mautkosten am gesamten Korridor.
Die jährlichen Folgekosten des Warentransports via Straße am Brennerkorridor wurden indes mit 1,1 Mrd. Euro beziffert. Gemeinsam mit dem Personenverkehr komme man auf 2,1 Mrd. Euro durch den Straßenverkehr entstehende Kosten. Nur vier Prozent der durch den Verkehr verursachten externen Kosten entstünden auf der Schiene. Die ohnehin bereits im Vergleich geringen Kosten durch den Schienenverkehr seien vor allem auf Lärm zurückzuführen. Dieser dürfte nach der zuletzt für 2032 geplanten Inbetriebnahme des im Bau befindlichen Brennerbasistunnels zumindest im Wipptal nahezu gänzlich wegfallen, wurde betont.
Sechs grenzüberschreitende Abschnitte untersucht
Unter den Begriff “externe Kosten” fallen etwa klimaschädliche Treibhausgasemissionen, Luftverschmutzung durch Schadstoffe, Lärmbelastung und die Beeinträchtigung von Ökosystemen. Auch die wirtschaftlichen Folgekosten von Staus durch Zeitverluste oder die Gesundheitskosten bei Unfällen werden umfasst.
Zur Berechnung der Kosten seien zahlreiche Datenquellen und vorhandene Erhebungen herangezogen worden, hieß es erläuternd. Untersucht wurden insgesamt sechs grenzüberschreitende Streckenabschnitte bzw. Korridore in der Alpenregion, darunter auch der Brennerkorridor.
Grüne orten “Scheinheiligkeit”
Die Tiroler Grünen zeigten sich am Mittwoch verwundert ob der Aussagen Zumtobels. “Wenn SPÖ-Landesrat René Zumtobel die zu niedrige Maut am Brennerkorridor kritisiert, frage ich mich, warum er nicht ein einziges Mal das Einfrieren der Mautkosten in Österreich thematisiert hat”, wurde Nationalratsabgeordnete Barbara Neßler in einer Aussendung zitiert – oder warum er bei Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) nicht dementsprechend interveniert habe. Die schwarz-rot-pinke Bundesregierung habe heuer im Gegenteil nach intensivem Lobbying von Frächtern die Maut de facto eingefroren. Die Haltung der SPÖ sei dementsprechend “scheinheilig”, kritisierten die Grünen. Auch mahnte Neßler eine Anpassung der Luftqualitätswerte an neue EU-Vorgaben ein.
Mündliche Verhandlung von Italien-Klage steht bevor
In Tirol wurden wegen der georteten Belastung durch den Transitverkehr über den Brenner mehrere Maßnahmen verhängt, darunter etwa ein Nachtfahrverbot für Lkw oder eine Lkw-Blockabfertigung bzw. -Dosierung. Italien sieht in den Tiroler Maßnahmen eine Beschränkung des freien Warenverkehrs in der EU und reichte im Juli 2024 Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) ein. Diese wird nun am 21. April am Sitz des Höchstgerichts in Luxemburg mündlich verhandelt.
Mit einer Entscheidung wurde zuletzt Ende des Jahres oder Anfang des kommenden Jahres gerechnet. In Tirol zeigte man sich indes zuletzt zuversichtlich, dass der EuGH die Notwendigkeit von Entlastungsmaßnahmen am Brenner erkennen werde.




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