WIFO-Wirtschaftsbarometer Frühjahr 2019

Geschäftsklima im Südtiroler Baugewerbe verbessert sich weiter

Mittwoch, 17. April 2019 | 09:52 Uhr

Bozen – Das Geschäftsklima im Südtiroler Baugewerbe verbessert sich weiter. Dies zeigt die Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen. Mehr als neun von zehn Unternehmen sind mit der im Jahr 2018 erreichten Rentabilität zufrieden und haben zuversichtliche Erwartungen für das laufende Jahr.

2018 war ein positives Jahr für die Südtiroler Bauwirtschaft: 91 Prozent der Unternehmen bezeichnen die Ertragslage im vergangenen Jahr zumindest als befriedigend, über ein Viertel meldet sogar eine gute Rentabilität. Dieses Ergebnis entspricht dem Durchschnitt der gesamten Südtiroler Wirtschaft und bestätigt die Erholung des Sektors nach den Krisenjahren. Für 2019 gehen sogar 94 Prozent der Unternehmen von einem zufriedenstellenden Betriebsergebnis aus.

Im vergangenen Jahr haben die Umsätze – vor allem im Hochbausektor – zugenommen, teilweise auch aufgrund der steigenden Verkaufspreise. Das Wachstum ist vor allem der günstigen Entwicklung des Südtiroler Markts zu verdanken, während das Geschäftsvolumen bei der Kundschaft aus den anderen italienischen Provinzen leicht zurückging. Die befragten Unternehmer melden darüber hinaus eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ihres Betriebes. Die Investitionen in Maschinen und Fahrzeuge nahmen zu, insbesondere im Tiefbau. Die Einschätzungen zur Kostenentwicklung sind ähnlich wie in den Vorjahren und auch der Zugang zu Krediten wird als stabil beschrieben. Die Bewertungen zur Zahlungsmoral der Kunden haben sich hingegen etwas verschlechtert.

Die Beschäftigung entwickelte sich sehr günstig: im Jahresdurchschnitt 2018 gab es im Südtiroler Baugewerbe mehr als 17.100 Arbeitnehmer. Dies ist der höchste Wert seit der Wirtschaftskrise und entspricht einer Zunahme von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bei den Baugenehmigungen zeigt sich hingegen ein negativer Trend: Im ersten Halbjahr 2018 wurden Genehmigungen für ein Bauvolumen von 1,5 Millionen Kubikmetern ausgestellt, was einer Abnahme um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahressemester entspricht. Die Erwartungen der Unternehmer für das laufende Jahr bleiben trotzdem positiv und die meisten gehen davon aus, dass das Geschäftsvolumen des vergangenen Jahres auch 2019 erreichbar sei. Es werden aber ein Rückgang der Investitionen und eine Abschwächung der Beschäftigungsdynamik erwartet.

Was das Geschäftsklima der einzelnen Branchen des Baugewerbes betrifft, so ist der größte Optimismus für 2019 im Hochbau sowie im Bereich der Bauinstallation und Fertigstellung von Gebäuden zu verzeichnen, während die Stimmung im Tiefbau etwas bescheidener ist.

Handelskammerpräsident Michl Ebner begrüßt die Erholung des Südtiroler Baugewerbes: „Nach den schwierigen Krisenjahren ist das Geschäftsklima in diesem Sektor wieder auf dem Durchschnittsniveau der Südtiroler Wirtschaft. Es ist nun wichtig, diesen positiven Trend zu konsolidieren. Auch zu diesem Zweck sollte der Wohnungsmangel angegangen werden, welcher von Unternehmen und Arbeitnehmer oft als Hindernis für die Attraktivität Südtirols als Arbeitsort genannt wird.“

 

Nachfolgend die Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände:

 

Michael Auer, Präsident Kollegium der Bauunternehmer   

„Die heimischen Bauunternehmen haben sehr stark in neue Mitarbeiter, Ausbildung und Technologie investiert; die Bauindustrie hat wesentlich zum Südtiroler Beschäftigungsrekord beigetragen und setzt weiterhin auf junge, motivierte Arbeitskräfte. Diese Bereitschaft, in die Zukunft zu investieren, erwarten wir uns auch von der öffentlichen Hand: strategische Infrastrukturprojekte und Baumaßnahmen gilt es gemeinsam umzusetzen.“

Hubert Gruber, Obmann der Baugruppe im lvh   

„Das Südtiroler Bauhandwerk erfährt immer mehr Vertrauen von Kunden und Planern. Unsere Arbeit, unser Fachwissen und unsere kompetente Beratung werden sehr geschätzt. Dies hat nicht nur positive wirtschaftliche Ergebnisse zur Folge, sondern macht die Baubranche verstärkt als Ausbilder und Arbeitgeber interessant. Dank vieler neuer Technologien werden Berufe im Bau immer vielseitiger, sicherer und gut bezahlt.“

Maurizio Lazzarini, Sprecher CNA-SHV Costruzioni           

„Die Konsolidierung des positiven Trends im Bausektor erfordert drei Maßnahmen. Erstens soll der Landesvorschuss auf die staatlichen Steuerabzüge für Sanierungen über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren gestaltet werden. Zweitens sollen öffentliche Ausschreibungen in Lose unterteilt werden, um die Beteiligung kleiner lokaler Unternehmen zu ermöglichen. Drittens braucht es bei der Direktzahlung von Subunternehmern ein System, das kleine Unternehmen bei der Bank für Vorschüsse vorweisen können.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

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