Von: mk
Bozen – Gestern fand in der Handelskammer Bozen eine Informationsveranstaltung statt, bei der Expertinnen und Experten aus der Praxis entscheidende geopolitische Entwicklungen und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die heimischen Unternehmen beleuchteten.
Einseitige US-Zölle, Chinas künstliche Verknappungen von seltenen Erden und politisch motivierte Wirtschaftssanktionen sind an Europas Unternehmen nicht spurlos vorbeigegangen. Vor diesem Hintergrund organisierte die Handelskammer Bozen eine Tagung, um einerseits die wichtigsten Entwicklungen in der Geopolitik aufzuzeigen und andererseits die Konsequenzen für die Europäischen und Südtiroler Unternehmen zu diskutieren.
„Geopolitik ist kein Randthema mehr – Handelsbarrieren, Rohstoffabhängigkeiten und politische Sanktionen führen zu Rahmenbedingungen, mit denen sich die Unternehmen in Europa und damit auch in Südtirol auseinandersetzen müssen. Mit dieser Tagung wollen wir aufzeigen, welche geopolitischen Risiken und Chancen sich für die heimischen Betriebe ergeben und wie Europa seine wirtschaftspolitischen Instrumente nutzen kann, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe nachhaltig zu sichern“, unterstrich Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen.

Nach den Grußworten folgte ein Impulsvortrag von Christian Mandl, dem ehemaligen Abteilungsleiter für Europa- und Handelspolitik der Wirtschaftskammer Österreich und nunmehrigen Berater und Vortragenden für Geopolitik. Sein Input stand unter dem Titel „Europa zwischen USA und China – Geopolitische Aspekte zur Wettbewerbsfähigkeit und Zollproblematik“. Darin zeigte Mandl Europas Abhängigkeiten und Versäumnisse auf, aber auch dessen Potentiale und Stärken.
Christian Mandl betonte, dass Europa in der aktuellen Weltordnung zwischen den USA und China steht, als eine der letzten Bastionen einer regelbasierten Handels- und Wirtschaftsordnung. Dabei sind die transatlantischen Beziehungen durch eine auf Eigeninteresse ausgerichtete US-Außen- und Handelspolitik („Make America great again“) und durch die militärische Schwäche Europas geprägt. Dies führte auch zu einem suboptimalen Verhandlungsergebnis im Handels‑ und Zollabkommen vom Sommer 2025 (Turnberry-Agreement).
Gleichzeitig bestehen im Verhältnis zu China Abhängigkeiten, etwa im Bereich seltener Rohstoffe. Zudem hat China in einigen strategischen Industriesektoren bereits die Führung übernommen, auch dank staatlicher Subventionierung. Die Europäische Union befindet sich in einer „Sandwichposition“, hat aber nach wie vor erhebliche Stärken und Potentiale vorzuweisen, wie Innovationskraft, Fachwissen und einen großen Binnenmarkt.
Ein weiteres Highlight des Events bildete eine Podiumsdiskussion, an der neben Christian Mandl noch folgende Vertreterinnen und Vertreter der Südtiroler Wirtschaft teilnahmen: Stefan Rainer, Verkaufsleiter der Oberalp AG; Andreas Rogger, Personalverantwortlicher der Firma Alpitronic; Karoline Walch, Geschäftsführerin des Weinguts Elena Walch. Sie beleuchteten das Thema aus verschiedenen Perspektiven, mit besonderem Fokus auf das Exportgeschäft und die Vor- und Nachteile global integrierter Wertschöpfungsketten. Abschließend nutzte das Publikum die Gelegenheit für vertiefende Fragen und Anmerkungen.




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