Von: APA/Reuters
Die Hoffnung auf ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran hat die Ölpreise am Montag auf den tiefsten Stand seit über zwei Wochen gedrückt. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 4,55 Prozent auf 98,83 Dollar je Barrel. Die US-Sorte WTI gab um 4,73 Prozent auf 92,03 Dollar nach. Beide Kontrakte fielen damit im Handelsverlauf auf den niedrigsten Wert seit dem 7. Mai. Die Aussichten auf eine rasche Einigung bleiben jedoch ungewiss.
US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag noch erklärt, Washington und Teheran hätten eine Absichtserklärung zur Wiedereröffnung der für den Öltransport wichtigen Straße von Hormuz “weitgehend ausgehandelt”. Am Sonntag dämpfte er jedoch die Hoffnungen auf einen raschen Durchbruch. Er habe seine Unterhändler angewiesen, nichts zu überstürzen, erklärte Trump. Die US-Blockade iranischer Schiffe bleibe in vollem Umfang in Kraft, bis ein Vertrag unterzeichnet sei.
Auch auf iranischer Seite gibt es Vorbehalte: Teheran fordert ein Ende der US-Angriffe und des parallelen Konflikts im Libanon, während Israel Handlungsfreiheit gegen die Hisbollah-Miliz verlangt. “Trotz aller verbleibenden Vorbehalte und Risiken mit Blick auf das Friedensabkommen und die Straße von Hormuz gibt es nun Licht am Ende des Tunnels”, sagte Analyst Saul Kavonic von MST Marquee. Dies werde kurzfristig für eine gewisse Entlastung bei den Ölpreisen sorgen.
Experten gehen jedoch davon aus, dass die durch den Ende Februar begonnenen Krieg ausgelöste Energiekrise andauern wird. Strittig ist außerdem die künftige Hoheit über die Straße von Hormuz, durch die vor dem Konflikt ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen transportiert wurde. Selbst bei einem sofortigen Kriegsende werde der Schiffsverkehr dort frühestens 2027 wieder sein normales Niveau erreichen, hatte der Chef der nationalen Ölgesellschaft von Abu Dhabi vergangene Woche gewarnt.
Weitere Tanker verlassen Hormuz
Unterdessen verließen nach monatelanger Blockade weitere Tanker Hormuz. Ein mit Flüssigerdgas (LNG) beladenes Schiff fuhr am Montag auf dem Weg nach Pakistan aus der Meerenge aus, wie aus Schifffahrtsdaten der LSEG und von Kpler hervorging. Bereits am Samstag verließ ein Supertanker mit irakischem Rohöl für China die Region. Beide Schiffe saßen fast drei Monate lang fest und gehören zu einer Handvoll Tanker, die den Persischen Golf in diesem Monat über eine vom Iran vorgeschriebene Transitroute verlassen.
Bereits in der vergangenen Woche hatten sich drei große Rohöltanker mit sechs Millionen Barrel auf den Weg nach China und Südkorea gemacht. Am Sonntag meldete die iranische Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf die Marine der iranischen Revolutionsgarden, dass binnen 24 Stunden 33 Schiffe die Meerenge mit einer Genehmigung des Iran passiert hätten.
Dennoch bleiben die Auswirkungen des Konflikts auf die Handelsschifffahrt massiv: Rund 20.000 Seeleute sitzen weiterhin auf Hunderten von Schiffen im Persischen Golf fest. Vor Ausbruch des Krieges passierten durchschnittlich 125 bis 140 Schiffe täglich die strategisch wichtige Meerenge.




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