Ikea setzt am Weg zur CO2-Neutralität auch auf H2-Lieferwagen

Ikea-Österreich fährt Richtung CO2-Neutralität

Montag, 01. Januar 2024 | 05:01 Uhr

Der Möbelkonzern Ikea will bis 2030 in der ganzen Lieferkette CO2-neutral sein. In Österreich soll als erster Schritt ab 2025 die Logistik CO2-neutral erfolgen. Das Unternehmen nimmt dafür eine Menge Geld in die Hand und geht mit Partnern auch innovative Wege – und setzt dabei auf Wasserstoff und eFuels als Treibstoffe. Das erste Etappenziel für Ikea-Österreich bedeutet, dass der Transport ab der Übernahme der Ware an der Grenze bis zur Übergabe an die Kunden CO2-neutral ist.

Ikea hat in Österreich bereits in den städtischen Ballungsräumen die Zustellung auf Elektro-Lieferwagen umgestellt. Die Flotte spult im Jahr etwa 1,4 Mio. Kilometer ab. Seit ein paar Monaten fahren für etwas längere Strecken im Umfeld von Wien erste Wasserstoff-betriebene Lieferwagen Ikea-Produkte aus. Bis 2025 soll es aus den sieben Verteilpunkten in ganz Österreich möglich sein, dank Wasserstoff-betriebener Lieferwagen auch entlegenere Gebiete CO2-neutral zu erreichen, sagt Melanie Eltzner, bei Ikea Österreich für Logistik zuständig. Im Vollausbau werden Wasserstoff-Lieferwagen etwa 3 Mio. Kilometer im Jahr zurücklegen.

Der Wasserstoff soll von Partnerfirmen kommen. “Im Kern haben wir schon überall Vereinbarungen mit Wasserstofflieferanten”, sagte Ikea-Österreich-CEO Alpaslan Deliloglu im Gespräch mit der APA. Wasserstoff zu bekommen sei nicht das große Problem. Ikea hat sich aber dazu verpflichtet, ausschließlich “grünen”, also aus Wasser und erneuerbarer Energie gewonnenen Wasserstoff zu tanken. Das sicherzustellen sei herausfordernd. Ikea sei in diesem Zusammenhang aber nicht nur Kunde, sondern über die Nachfrage auch Treiber der Innovation, so Deliloglu. Wobei Ikea mit anderen Firmen zusammenarbeite, die ebenfalls auf Wasserstoff setzen.

Für die Langstrecken mit großen Lkw setzt Ikea hingegen auf eFuels, also synthetisch, ohne fossile Energieträger hergestellten Treibstoff. Bisher werden 10 von 14 Routen mit eFuels betrieben, die pro Liter etwa 10 Cent mehr kosten als Diesel. Am weiteren Ausbau werde gearbeitet.

Die Erstinvestition in Elektro- und vor allem Wasserstofffahrzeuge ist deutlich teurer als in klassische Diesel-Fahrzeuge. Der laufende Betrieb ist dafür inzwischen billiger, rechnet Deliloglu vor. Für Elektro schon länger und für Wasserstoff werde es billiger sein, sobald die Logistik gut läuft.

Ein Wasserstoff-Lieferwagen koste etwa doppelt so viel wie ein Elektro-Lieferwagen. Um den Ankauf der ersten Fahrzeuge zu finanzieren, hat es vom Klimaministerium 4,8 Mio. Euro Förderung gegeben – gut die Hälfte der Investitionssumme. “Ich möchte besonders hervorheben: Diese Entwicklungen sind nur möglich durch die Zusammenarbeit mit Regierungsstellen und innovativen Firmen. Wir haben aus dem Klimaministerium viel Unterstützung und Motivation bekommen. Nur so ist diese Pionierarbeit entstanden”, betont Deliloglu. Und ergänzt: “Wasserstoff ist die Zukunft. Wir sollten uns auf die positiven Aspekte konzentrieren.” Ikea-Österreich sei auch innerhalb des Konzerns damit Vorreiter. 40 Wasserstoff-Lieferwagen sind bestellt, Ikea-Österreich ist mit dem Echtzeitbetrieb so einer Lieferwagenflotte weltweit Vorreiter.

Trotz sinkender laufender Kosten macht die “letzte Meile”, also die Zustellung zum Kunden, Verluste, sagt Deliloglu. Ikea-Österreich wende 1,5 Prozent des Umsatzes auf, um diese Dienstleistung zu subventionieren.

Deliloglu ist nicht nur CEO von Ikea-Österreich, sondern auch “Chief Sustainability Officer”, also oberster Verantwortlicher für Nachhaltigkeit. “Wenn ich Umsatz- und Gewinnziele schaffe, aber kein CO2 reduziere, dann bin ich gescheitert” fasst er die Folge der Doppelfunktion zusammen, die für alle Länderchefs bei Ikea gelte. Ikea Österreich investiere bis 2030 75 Mio. Euro in konkrete Projekte und insgesamt 130 Mio. Euro in Nachhaltigkeit. Die Landesorganisation bringe das Geld selber auf, allerdings “kommt uns die Zentrale bei den Zielen für Liquidität und Gewinn entgegen”, so Deliloglu.

Der zweite große Faktor für den CO2-Ausstoß sind die Lagerhäuser und da insbesondere die Heizung und Kühlung. Der zentrale Standort ist in Wien-Strebersdorf. Von hier aus werden Bestellungen aus ganz Österreich abgearbeitet. An diesem Standort gebe es die zweitgrößte Eisanlage in Europa, erzählt Eltzner. Dadurch werden die Kühlungskosten im Sommer niedrig gehalten. Dennoch ist der Umschlagplatz nicht ganz CO2-neutral, bis 2030 soll er es sein. Wie das erreicht wird, ist noch nicht im Detail entschieden. Eltzner möchte über die Optionen nicht reden, aber klar sei, dass in den nächsten zwei Jahren die Entscheidungen fallen müssen, damit der Umbau bis zum Ende des Jahrzehnts umgesetzt werden kann.

In Graz setzt Ikea auf Geothermie, in ganz Österreich werden alle dafür möglichen Flächen mit Photovoltaik-Modulen ausgestattet, sodass Ikea derzeit 20 Prozent des Energiebedarfs selber erzeugen kann. Moderne Gebäude sind schon entsprechend gedämmt, der Stadt-Ikea in Wien brauche etwa nur mehr ein Drittel der Energie im Vergleich zu anderen Ikea-Häusern. Aber auch hier sind weitere Investitionen nötig, so Deliloglu.

Ikea Österreich hat im jüngsten Geschäftsjahr 2022/23 1.556 Tonnen CO2 verursacht, das waren um 30 Prozent weniger als 2016, bei einer gleichzeitigen Verdoppelung des Geschäfts, rechnet Deliloglu vor. Zugleich wird immer mehr Geschäft online abgewickelt – was zweischneidig sei. Denn online bestellte Waren können zwar mit weniger CO2-Ausstoß ausgeliefert werden, aufgrund des höheren Personalaufwands verursacht der Geschäftszweig aber bei Ikea höhere Kosten. “Inzwischen machen wir mit Online-Lieferungen Gewinn, aber weniger als im klassischen Handel”, so Deliloglu.

Bis das Billy-Regal von Ikea CO2-Neutral im Wohnzimmer steht, wird es noch ein paar Jahre dauern. Ikea investiere aber global viel für dieses Ziel. Derzeit seien 73 Prozent der benutzten Materialien erneuerbar oder recycliert. 2028 sollen es 100 Prozent sein, sagt Deliloglu. Bis dahin sollen Kunststoffe durch andere Materialien ersetzt werden.

Offiziell heißt das Ziel des Ikea-Konzerns “bis 2030 klima-positiv sein, indem mehr Treibhausgase abgebaut werden, als in der ganzen Lieferkette emittiert werden”. Nachdem es immer noch gewisse Emissionen geben wird, sollen CO2-Reduktionen “innerhalb der Wertschöpfungskette” von Ikea selber kompensiert werden – von externen Dienstleistern sollen aber keine Kompensationen zugekauft werden, heißt es vom Ikea-Konzern auf APA-Anfrage. Über die Höhe der Investitionen in diesem Zusammenhang schweigt sich das Unternehmen aus. Ikea wurden nach Angaben des Unternehmens zuletzt jährlich 25,8 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent an Emissionen zugerechnet.

Von: apa

Kommentare
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Zugspitze947
2 Monate 3 Tage

Gratuliere denn DAS ist die Zukunft ! 👌😊

OrtlerNord
OrtlerNord
Universalgelehrter
2 Monate 3 Tage

Zugspitze
mir ist es schleierhaft wie du auf so breit gefächert so ein Blödsinn von dir geben kannst.
Ikea ist wohl dafür verantwortlich das in Rumänien großflächig illegal ganze Wälder abgeholzt werden und eine Mondlandschaft zurückbleibt . Nur ein Volltrottel fällt auf so eine oberflächliche PR Maßnahme herein.

Hut
Hut
Grünschnabel
2 Monate 3 Tage

Mr. Quatschmann die Zukunft sollte uns von solchen ……. wie deinesgleichen erspart bleiben,das wär vor allem wünschenswert 😡

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 3 Tage

@OrtlerNord Da hast du sicherlich Recht aber handeln wir nicht alle auf dur sekbe Weise und oft ganz ohne es zu wissen!

https://www.wwf.de/themen-projekte/waelder/den-regenwald-vom-teller-bekommen

Wer verzichtet konsequent auf derartige Produkte?

Zugspitze947
2 Monate 3 Tage

Ortler: Das EINE hat mit dem anderen NICHTS zu tun ! Geh nach Rumänien und schütze dort die Wälder oder was auch immer ! Fest steht dass wir Wasserstoff dringend großflächig einsetzen müssen um den Klimawandel einzubremsen. Es wird nicht einfach solche Mengen an Umweltfreundlichen Wasserstoff zu produzieren,aber wenn wir nicht mal anfangen wird es bald zu spät sein 🙂

bern
bern
Universalgelehrter
2 Monate 2 Tage

@Zugspitze
es gibt noch keinen grünen Wasserstoff, also nix mit CO2 neutral.
Woher bekommt Ikea den Wasserstoff?

Zugspitze947
2 Monate 2 Tage

bern: den wird es bald geben ! Eine Anlage läuft schon beim deutschen Stahlproduzenten und es wird noch meeeeeeeeeeeehr 🙂

bern
bern
Universalgelehrter
2 Monate 2 Tage

Wasserstoff-Elektro-Mobilität kostet doppelt so viel wie Batterie-Elektromobilität. Und ist somit eine Geld- und Energieverschwendung, die sogar verboten gehört.

Doolin
Doolin
Kinig
2 Monate 3 Tage

…Idioten kaufen einfach alles…

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 3 Tage

Du kannst nur hoffen, dass kein Verantwortlicher von IKEA das liest. Das könnte böse enden.

Doolin
Doolin
Kinig
2 Monate 3 Tage

@N. G.
…ist ein meeralter Schmäh…aber du hilfst mir sicher, gell…
😆

Faktenchecker
2 Monate 2 Tage

Ein Feigenblatt.

krokodilstraene
krokodilstraene
Universalgelehrter
2 Monate 2 Tage

beim Wasserstoff geht mehr Energie durch Umwandlung verloren als am Ende für die Nutzung übrig bleibt

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