Kaum Anzeichen für kräftige Zuwächse bei den Exporten

Institute optimistischer für deutsche Konjunktur als Bund

Donnerstag, 11. Juni 2026 | 13:30 Uhr

Von: APA/Reuters

Trotz anhaltender Belastungen durch den Iran-Krieg sind mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute optimistischer für die deutsche Konjunktur als die Bundesregierung. Das Kieler IfW traut der Wirtschaft 2026 rund 0,8 Prozent Wachstum zu, während das IWH aus Halle sogar plus 0,9 Prozent für möglich hält, wie die beiden Institute am Donnerstag zu ihren aktualisierten Schätzungen mitteilten.

“Die Folgen des Iran-Kriegs dämpfen die Wirtschaftsleistung”, erklärte Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts. Der Anstieg der Rohstoffpreise sei hartnäckig, “was die wirtschaftliche Dynamik bis in das kommende Jahr hinein belasten wird”. Dass es wohl trotzdem zu “keinem konjunkturellen Einbruch kommt”, liegt laut IWH auch an den geplanten Mehrausgaben der Bundesregierung für die Infrastruktur: “So dürfte der öffentliche Konsum weiter deutlich ausgeweitet werden, und die öffentlichen Investitionsprogramme werden die Bauinvestitionen steigen lassen.”

Die Bundesregierung hatte ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr jüngst halbiert und rechnet nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,5 Prozent. Für 2027 erwartet sie plus 0,9 Prozent – ebenso wie das IWH-Institut. Die Kieler Ökonomen senkten inzwischen ihre BIP-Prognose für nächstes Jahr von 1,4 auf 1,0 Prozent.

Magere Zuwächse bei Exporten

Die Exporte hätten sich zuletzt zwar stabilisiert und würden allmählich wieder moderat zulegen, erklärte das IfW. Von einer dynamischen Erholung könne jedoch nach den Rückgängen der vergangenen Jahre nach wie vor keine Rede sein. “Die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wird weitere Verluste an Weltmarktanteilen nach sich ziehen”, warnte Stefan Kooths, Konjunkturchef des Kiel Instituts. Gemessen an früheren Aufschwüngen fielen die erwarteten Zuwächse mager aus. “Ohne durchgreifende standortstärkende Reformen driftet die deutsche Wirtschaft in ein Fahrwasser aus erlahmenden Wachstumskräften mit sich verschärfenden Verteilungskonflikten.”

Kurzfristig entscheidend ist die Entwicklung rund um den Iran-Krieg. “Das wesentliche Risiko für die Weltwirtschaft wie auch für die deutsche Konjunktur liegt im ungewissen Fortgang des Golf-Konflikts”, sagte Oliver Holtemöller, Konjunkturchef und Vizepräsident des IWH. Sollte die für die Energie- und Rohstoffversorgung so wichtige Straße von Hormuz den Sommer über geschlossen bleiben, werde Erdöl noch wesentlich teurer. Dies dürfte zu mehr Inflation und höheren Zinsen führen. Auch ein Rückschlag für die deutschen Exporte wäre dann wahrscheinlich, betonte das IWH. “Unter diesen Bedingungen würde die deutsche Wirtschaftsleistung im Jahr 2026 bestenfalls stagnieren.”

Gestiegene Rohstoffpreise treiben Inflation in die Höhe

Die gestiegenen Rohstoffpreise infolge des Kriegs trieben die Inflation in die Höhe und zehrten damit an der Kaufkraft der Verbraucher, erklärten die Institute. Die Kieler Fachleute erwarten einen Anstieg der Inflation auf 2,8 Prozent und im nächsten Jahr eine Teuerung von durchschnittlich 2,3 Prozent. Die Ökonominnen und Ökonomen vom IWH rechnen hier mit 2,7 und 2,4 Prozent.

“Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich nur allmählich bessern”, erwartet das IfW. Neben der geringen wirtschaftlichen Dynamik dämpfe zunehmend auch die demografisch bedingt schrumpfende Zahl der dem Jobmarkt verfügbaren Personen die Erwerbstätigkeit. So dürfte die Beschäftigtenzahl auf 45,8 Millionen sinken, 2027 auf gut 45,7 Millionen. 2025 waren es noch fast 46 Millionen.

Der expansive Kurs der Finanzpolitik treibt auch das Staatsdefizit nach oben. Lag die Neuverschuldung im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt 2025 noch bei 2,8 Prozent, so steigt sie laut Kiel Institut bis 2027 auf 4,1 Prozent. Die Hallenser erwarten für nächstes Jahr sogar 4,4 Prozent.

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