Der IWF hat die österreichische Wirtschaft unter die Lupe genommen

IWF: Kriegsfolgen für Wirtschaft weniger dramatisch als 2022

Donnerstag, 07. Mai 2026 | 09:00 Uhr

Von: apa

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass die Folgen des Kriegs im Nahen Osten für die Wirtschaft in Österreich nicht so gravierend ausfallen werden wie im Jahr 2022, nachdem Russland die Ukraine überfallen hatte. Das geht aus einer aktuellen Länderanalyse hervor, in deren Rahmen auch Empfehlungen für die Politik erarbeitet wurden. Demnach dürfte sich die Inflation im Jahresschnitt bei 2,5 Prozent einpendeln, um 0,6 Prozentpunkte höher als vor dem Krieg erwartet.

Gleichermaßen dürften die höheren Benzinpreise das Wachstum der Realeinkommen und den privaten Konsum belasten und das für 2026 prognostizierte Wachstum um etwa 0,4 Prozentpunkte auf 0,7 Prozent senken, erwartet der IWF. Mittelfristig wird für Österreichs Wirtschaft eine Verlangsamung des Wachstums prognostiziert, was vor allem auf demografische Herausforderungen zurückzuführen sei. So dürfte sich das BIP-Plus bis 2028 auf etwa 1,3 Prozent steigern, bis 2031 aber nurmehr ein Potenzialwachstum von rund 0,8 Prozent erreichen, heißt es in der Analyse.

IWF: Einkommensschwache Haushalte bei steigenden Energiepreisen stützen

Im Lichte steigender Energiepreise rät der IWF Österreich dazu, gezielt einkommensschwächeren Haushalten unter die Arme zu greifen. “Dieser Ansatz bewahrt Preissignale, fördert Energieeinsparungen und begrenzt die fiskalischen Kosten”, heißt es im Bericht. Das sei in der jüngeren Vergangenheit – Stichwort Gießkanne – nicht immer geschehen.

Mit Blick auf den Finanzsektor ortet die Internationale Organisation nur geringfügige Risiken. “Trotz innerstaatlicher und externer Herausforderungen ist der Bankensektor weiterhin gut kapitalisiert, hochprofitabel und liquide. Stresstests bestätigen, dass die systemweiten Kapitalquoten selbst unter strengen, aber plausiblen Stressszenarien über den aufsichtsrechtlichen Anforderungen liegen und die Banken erheblichen Liquiditätsabflüssen standhalten können”, schreibt der IWF.

Reformbedarf bei Pensionen

In puncto Staatshaushalt hingegen sieht der IWF strukturellen Handlungsbedarf, insbesondere aufgrund von Belastungen aus dem Gesundheitsbereich und bei den Pensionen. Denn Österreichs Defizit sei mit aktuell gut 4 Prozent zu hoch und müsse sich längerfristig wieder 2 Prozent annähern, sagte Geoff Gottlieb, der die IWF-Mission zur Prüfung der österreichischen Wirtschaft leitet, bei einem Medientermin in Wien. Bei den Pensionen etwa schlug er vor, Anreize für einen früheren Pensionsantritt zu reduzieren und das allgemeine Pensionsantrittsalter zu erhöhen.

Der IWF hat sich aber auch andere Bereiche angesehen: So lägen die Einzelhandelspreise in Österreich selbst unter Berücksichtigung der Unterschiede bei Steuern und Einkommensniveaus über jenen der Nachbarländer. Zurückzuführen sei das unter anderem auf die “restriktiven Vorschriften” in dem Bereich, so der Bericht. Genannt werden neben bürokratische Hürden für den Markteintritt etwa die Ladenöffnungszeiten. Der Republik legt der IWF daher nahe, die Regeln zu lockern, was “kurzfristig zu niedrigeren Preisen und höheren Realeinkommen” führen würde.

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