Durch Bekanntschaften und Mundpropaganda

Job-Suche: So machen es die Südtiroler

Donnerstag, 13. Oktober 2022 | 11:12 Uhr

Bozen – Die Arbeitswelt verändert sich und entwickelt sich weiter, was zu einer ständigen Umschichtung von Arbeitskräften im Produktionssystems führt. Dieser Prozess erfordert flankierende Dienste und Vermittlungskanäle, die eine rasche und passgenaue Vermittlung von Arbeitnehmern garantieren. Wie die aktuelle Herbstausgabe des AFI-Barometers aufzeigt, ist der am häufigsten genutzte Kanal jedoch nach wie vor der informelle: Die Arbeitssuchenden wenden sich bei der Jobsuche in erster Linie an Freunde, Verwandte und Bekannte. “Die öffentliche Arbeitsvermittlung ist hingegen immer noch ein Dienst, der wenig bekannt oder als nicht effektiv angesehen wird”, unterstreicht AFI-Präsident Andreas Dorigoni. “Die Informalität bei der Arbeitssuche birgt nämlich die Gefahr, dass die Allokation von Arbeitskräften, die für die Spezifizität der Arbeit gefordert sind, nicht ideal funktioniert.”

Der Arbeitsmarkt durchlebt eine besonders schwierige Zeit in der passgenauen Vermittlung von Arbeitskräften. Der staatliche Wiederaufbauplan PNRR (Programma Nazionale di Ripresa e Resilienza) sieht deshalb eine gezielte Initiative vor, nämlich das „Programm zur Garantie der Beschäftigungsfähigkeit“, auf Italienisch GOL (Garanzia di occupabilità dei lavoratori), welches darauf abzielt, die Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitssuchenden zu fördern bzw. zu stärken.

Während es für viele Arbeitslose immer noch ein Vermittlungsproblem gibt, klagen die Arbeitgeber über Schwierigkeiten, motivierte und ausgebildete Arbeitskräfte zu finden. Um zu verstehen, welche Kanäle bei der Suche nach dem Job in Südtirol am meisten genutzt werden, hat das Arbeitsförderungsinstitut dieses Thema im Sonderteil der Herbstausgabe des AFI-Barometers genauer beleuchtet.

Fast jeder dritte Lohnabhängige wählt den informellen Kanal

31 Prozent der Südtiroler Arbeitnehmer sind über informelle Kanäle – sprich Freunde, Verwandte und Bekannte – zu ihrem derzeitigen Job gekommen. Es folgen öffentliche Wettbewerbe (18 Prozent) und der mündliche Austausch – sprich die Mundpropaganda am Arbeitsplatz (13 Prozent). Nur knapp mehr als zwei Prozent der Befragten haben ihren Job mit Hilfe der öffentlichen Arbeitsvermittlung gefunden.

Die Erhebung hat zwar unterschieden zwischen jenen, die ihren Job vor bzw. nach 2011 gefunden haben, doch scheint sich der Zugang zum Job nicht signifikant geändert zu haben, von der stärkeren Verbreitung von Apps und Praktika für den Einstieg in die Arbeitswelt einmal abgesehen.

Der Bildungsabschluss beeinflusst die Wahl des Suchkanals

Von den Personen mit Mittelschulabschluss wählen 59 Prozent den informellen Weg. Maturanden wenden sich ebenfalls vorwiegend an Freunde und Verwandte (33 Prozent), finden aber auch über Kontakte im Arbeitsumfeld zum Job (19 Prozent). Personen mit Hochschulabschluss greifen hingegen öfter auf öffentliche Wettbewerbe zurück (38 Prozent) und nutzen den informellen Kanal nur residual (13 Prozent).

Auch bei einem Stellenwechsel ist der erste Suchkanal nicht das Arbeitsamt

Öffentliche Arbeitsvermittlungszentren werden auch nicht als erste Option genannt, selbst wenn man den Arbeitsplatz wechseln möchte. Weniger als die Hälfte der Befragten, genau genommen 40 Prozent, würden diesen Weg in Betracht ziehen Auch hier zeigt sich: Je höher das Bildungsniveau, desto weniger denkt man daran, das öffentliche Arbeitsvermittlungszentrum aufzusuchen.

 

Von: luk

Bezirk: Bozen

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