Fünf Konzepte im Vergleich

Kinderbeförderung am Fahrrad: Vor- und Nachteile verschiedener Systeme

Sonntag, 26. September 2021 | 08:30 Uhr

Das Fahrrad erfreut sich auch für den Familienausflug immer größerer Beliebtheit. Die Zeiten, in denen man dafür auf den klassischen Kindersitz am Gepäckträger angewiesen war, sind mittlerweile allerdings vorbei. Der Mobilitätsclub und seine Partner haben daher aktuelle Möglichkeiten untersucht, Kinder am Rad mitzunehmen.

ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl fasst zusammen: “Das eine, herausragende System, das in allen Anwendungsfällen vollkommen überzeugen kann, gibt es nicht. Entsprechend wichtig ist es, dass man sich bereits vor einem Kauf gut überlegt, wofür und wie oft man es nutzen will.” Beispielsweise macht es einen großen Unterschied, ob man neben Kindern auch ab und an seinen Einkauf transportieren will, ob das Rad mit in den Urlaub soll – oder wie viel man überhaupt dafür ausgeben möchte (die Spanne reicht auch ohne E-Antrieb von 250 bis 2.200 Euro). Untersucht wurden Handhabung, Fahrverhalten und Komfort. Und auch die Sicherheit wurde überprüft, unter anderem mit einem Crashtest (Seitenaufprall durch ein 30 km/h schnelles Auto). Letzterer Test zeigte vor allem eines: Das Tragen eines Helms wird sowohl für die Eltern als auch für die Kinder dringend empfohlen – das zeigen auch alle Analysen der ÖAMTC-Unfallforschung.

Die Ergebnisse im Detail 

“Backpacker”: Ein Lastenfahrrad mit verlängertem Heck, auf dem bis zu zwei Kindersitze montiert werden können. Wie beim einfachen Fahrrad-Kindersitz ist das Fahrverhalten durch den hohen Schwerpunkt zunächst gewöhnungsbedürftig, wird nach einer Eingewöhnungsphase aber zusehends besser. Problematisch ist die große Fallhöhe für Kinder, wenn das Rad aus dem Stand umkippt. Interessanterweise zeigten sich im Crashtest im Vergleich zu anderen Systemen die geringsten Belastungen beim Erstkontakt mit dem Auto. Ein weiterer Pluspunkt in Sachen Sicherheit: Der Kindersitz bietet bei einem Unfall auch nach dem ersten Aufprall noch Schutz.

“Long John”: Die Transportbox befindet sich bei diesem Modell zwischen Vorderrad und Lenker, die Kinder sitzen auf einer klappbaren Bank und werden dort mit den eingebauten Gurten gesichert. Beim Unfall schützt die Box ihre Insassen zunächst zwar gut – allerdings wurde beim Crashtest die Bank aus der Box gerissen, die Sicherung mit dem Gurt war nicht mehr vollständig gegeben. Problematisch war auch, dass die glatte Transportbox nach dem ersten Aufprall weit über den Boden schlitterte und gegen die Wand der Crashanlage prallte. In Sachen Komfort verfügt das System über einen stabilen Stand, ist beim langsamen Fahren aber instabil. Und: Der Lenker kann beim Fahren die Köpfe der Insassen treffen.

Lastenrad zweispurig: Ein Rad hinten, zwei vorn an der großen Transportbox sorgen für stabilen Stand und hohen Komfort, außerdem schützt auch hier die Box bei einem Crash. Allerdings neigt das System bei höherem Tempo in Kurven zum Kippen und zeigt sich auf holprigen Untergrund (Kopfsteinpflaster) äußerst unkomfortabel. Auch hier werden Kinder auf einer Bank, die allerdings nicht klappbar ist, mit Gurten gesichert. Einer davon löste sich beim Crashtest, was nicht zur Sicherheit beiträgt – ebenso die glatte Box, die nach dem Aufprall relativ weit schlittert. Generell waren die Belastungen im simulierten Seitencrash sehr hoch.

Fahrradanhänger: Wenn jemand einen Allrounder sucht, wird er hier am ehesten fündig. Das System bietet guten Stand, sehr gutes Fahrverhalten, sein Metallrahmen schützt beim Crash, die Rückhaltesysteme erfüllen ihren Zweck, die Insassen sind vor Wind und Wetter geschützt – und die Flexibilität ist generell sehr hoch. Ein Nachteil ist die geringe Höhe, wodurch das Gefährt trotz Signalfahne im Straßenverkehr leicht übersehen werden kann. Die niedrige Lage sorgt auch für erhöhte Belastungen bei einem Zusammenstoß mit einem Auto, zumindest rutscht der Anhänger danach aber nicht weit, was die Gefahr eines sekundären Aufpralls deutlich reduziert. Achtung: Man sollte unbedingt einen gefederten und damit deutlich komfortableren Anhänger wählen.

Nachläufer: Hier wird das Kinderrad mit einer speziellen Vorrichtung wie bei einem Tandem angeschlossen. Vorsicht: in Österreich ist diese Art der Kinderbeförderung nicht erlaubt, denn eine derartige Konstruktion gilt rechtlich als Anhänger und müsste damit kippsicher, also zweispurig, sein. Grundsätzlich überzeugt das System im Test zwar durch problemloses Fahrverhalten, allerdings bietet es bei einem Unfall keinerlei Schutz. Beim ersten Zusammenprall mit dem Auto waren die Werte beim Crashtest bereits leicht erhöht, danach erfolgte aber ein Aufprall mit dem Kopf auf dem Boden sowie relativ langes Dahinschlittern.

ÖAMTC-Tipps für Kauf und Nutzung

Konsumenten rät der Mobilitätsclub, jedenfalls eine Probefahrt mit dem gewünschten System durchzuführen. “Vor allem Lastenfahrräder warten mit im Vergleich zu herkömmlichen Rädern mit ungewohnten Fahreigenschaften auf”, sagt Kerbl. Der ÖAMTC-Experten nennt die Nutzungsprofile:

Wer hohe Sicherheit für seine Kinder sowie ein gutes Fahrverhalten und einfache Handhabung möchte, entscheidet sich für den “Backpacker”.
Wer gute Sicherheit, Flexibilität und hohen Komfort möchte, greift zum gefederten Fahrradanhänger.
Wer einen Autoersatz möchte, auch längere Strecken fährt und Einkäufe transportiert, greift zum einspurigen Lastenrad “Long John”.
Wer einen Autoersatz möchte und eher Kurzstrecken mit vielen Zwischenstopps fährt und Einkäufe transportiert, greift zum zweispurigen Lastenrad.
Wer nur ein Kind transportiert, ist mit einem klassischen Kindersitz, der in Österreich immer rahmenfest hinter dem Fahrer des Fahrrades befestigt sein muss, gut bedient.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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15 Kommentare auf "Kinderbeförderung am Fahrrad: Vor- und Nachteile verschiedener Systeme"


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xyz
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Superredner
1 Monat 1 Tag

Ich erschrecke jedesmal und bin schockiert wie man kleine Kinder im gefährlichen StraßeNahverkehr auf Auspuffhöhe hinter sich herziehen kann. Diese Räder wurden in Ländern konzipiert wo es große vreite Radwege gibt….aber nicht für Südtirol wo es kaum Radwege gibt und man zwischen PKW Kolonnen und Schwertransportern fährt.
Solche Anhänger sollten nur auf breiten Radwegen erlaubt sein..

info
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Superredner
1 Monat 1 Tag

Mag sein, das eigentlich Erschreckende sind allerdings die von Ihnen geschilderten Umstände: endlose Fahrzeugkolonnen und vor allem in den Städten unvollständige Radwegnetze.

Staenkerer
1 Monat 1 Tag

jo! seit i vor ca 2johr von an umfoll mit de kinderunhängerlen in deutschlond glesn honn ba den auf a londstroß durch an autofohrer zwoa kloane schwesterlen (SN hot berichtet) gstorbn sein, sich i de gsponne sehr skeptisch!
i krieg ollm gensehaut wenn de auf de stroßn unterwegs sein!

OrB
OrB
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

@Staenkerer
Tja wieviele Kinder sind bei Autounfällen schon gestorben, leider sieht man dieses Fortbewegungsmittel nicht als überaus Gefährlich.

PuggaNagga
1 Monat 1 Tag

@Xyz
😂
Die Abgase steigen in die Luft, bleiben nicht auf Bodennähe, von dir genannt Auspuffhöhe!
Demnach ist dein Erschreckendes Erlebnis absolut unbegründet. Im Gegenteil, auf Bodennähe lebste du nach deiner Theorie gesünder als in der Höhe!
Nach deiner Theorie müssten Kleinkinder krank werden während Grossgewachsene 2m Riesen die beste Luft auf Erden einatmen dürfen.

falschauer
1 Monat 1 Tag

so ein gefährt sollte nie und nimmer auf einer straße fahren dürfen, die gefahren beim überqueren und einbiegen, sowie von hinten sind viel zu groß, die aufmerksamkeit des fahrradfahres sollte nämlich nach vorne und nicht nach hinten gerichtet sein

info
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Superredner
1 Monat 1 Tag

Ein guter Radfahrer sollte, wie jeder Verkehrsteilnehmer, alles mitbekommen, was rund um ihn geschieht.
Und die Gefahren gehen nicht vom Anhänger aus, sondern vom Verhalten jener, die größere und schwerere Gefährte durch die Gegend kutschieren.

PuggaNagga
1 Monat 1 Tag

@falschauer
Schon wieder falsch wie immer.
Kommt es zum Unfall ist das kind in einem Anhänger (korrekt angeschnallt und idealerweise mit Helm zusätzlich) besser gesichert wie auf einem Kindersitz. Der Rahmen des Anhängers wirkt wie ein Käfig welcher die Energie des Aufprall absorbiert.

falschauer
1 Monat 10 h

@info

das meinte ich ja, sicher geht die gefahr davon aus, weswegen solche gefährte nur auf einem fahradweg und nicht auf einer straße zugelassen sein dürften

falschauer
1 Monat 10 h

@PuggaNagga

dich besserwisser muss man mit deinen gehässigen kommentaren einfach ignorieren 📵

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

ich habe neulich eine Person mit Fahradanhänger und kind vorbeifahren sehen , und ich bemerkte das das kind hinten schon ordentlich durchgeschüttelt wurde 🤔das hat ausgesehen wie bei ein Erdbeben ….war wohl nicht das Comformodell😅

zorro1972
zorro1972
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Ich denke das ist eine gefährliche Art die Kinder zu transportieren. Viele sind sich nicht bewusst wie breit der Anhänger überhaupt ist. Besonders wenn gegen die Fahrtrichtung in einer Einbahnstraße gefahren wird.

Fraser
Fraser
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Wenn man domit gimietlich an Ausflug mocht und afn Radlweg bleib(!) ischs sicho koa Problem. Va steila Forststroßn und Haupstroßn sollat man sich fernholtn…obo sell weart jedis Elterntoal hoffntlich selbo vostien..

der echte Aaron
der echte Aaron
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

Diese Fahrradanhänger sollten Verboten sein. Sonst wird einem auch alles Verboten, aber solche gefährliche und behinderte Sachen dürfen im Straßenverkehr benutzt werden!?! Im Auto muss man extra Kindersitze haben und da….alles kein Problem. Kopfschütteln!!!! 

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag
Hallo aus D, eine Albernheit der Neuzeit. Kinderrückhaltesysteme in fahrenden Panzern (was anderes ist ein X5 oder Q7 doch wohl nicht)werden immer ausgeklügelter und speziell in Italien gibt es noch den Wahnwitz mit den piepsenden Kindersitzen. Es stellt aber keinerlei Problem dar Kinder auf dem Motorrad zu transportieren und dem Zeitgeist geschuldet sie demnächst auf sperrigen Lastenrädern als Knautschzone und Airbag zu gebrauchen. Würde Mass, Mitte und Menschenverstand angewandt gäbe es keine piepsenden Autokindersitze und vor allem ein striktes Verbot dieser “Kindertransporte”. Selbst wenn nichts passiert, wer würde sein Kind permanent in Gesichtshöhe Autoabgasen aussetzen? Diese sperrigen Fahrradmonster sind ideologisierter… Weiterlesen »
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