Von: mk
Bozen – Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten hinterlassen erste Spuren in der Bozner Wirtschaft. Besonders hart trifft es die Gastronomie, die stark vom Tourismus abhängt. Branchenvertreter warnen vor einem massiven Rückgang der Gästezahlen.
Was weit entfernt scheint, hat handfeste Auswirkungen auf Südtirols Landeshauptstadt. Wie der Wirtschaftsverband Confesercenti erklärt, schlägt sich der Angriff Israels und den USA direkt auf das Konsumverhalten nieder. „Die ersten Signale sind bereits unübersehbar“, erklärt Ivan Waldner, Vorsitzender der Fachgruppe Gastronomie bei Confesercenti und Inhaber des bekannten Restaurants „Casa Al Torchio“.
Der Beginn der kriegerischen Handlungen im Nahen Osten hat zu einem systemischen Einbruch bei Betrieben geführt, die in engem Kontakt mit Tourismusströmen arbeiten. „Im Jahresvergleich registrieren wir ein Minus von 25 Prozent bei den Umsätzen – das ist ein höchst sensibler Rückgang.“
Laut Wirtschaftsverband ist dieses Phänomen Teil einer allgemeinen globalen Unsicherheit. Waldner betont, dass in Zeiten geopolitischer Instabilität und damit einhergehender Schwankungen bei den Energiekosten – allen voran beim Erdöl – Ausgaben für Freizeit und Vergnügen als Erstes gekürzt werden.
„In Momenten so starker Ungewissheit, die auch mit unmittelbar bevorstehenden Treibstoffpreiserhöhungen gekoppelt ist, streichen viele Menschen ihre Urlaubspläne zuerst“, so Waldner. Hinzu komme eine psychologische Komponente: In Krisenzeiten neigen Menschen dazu, ungern weit weg von zu Hause oder dem eigenen Land zu verreisen. Dieser Trend ziehe sich durch die gesamte Tourismuskette und werde auch von Kaufleuten bestätigt. Weniger Tourismus bedeute weniger Konsum. Dies wirkt sich auch auf die Zulieferer aus, die geringere Liefermengen vermelden.
Während einerseits die Gästezahlen sinken, wächst auf der anderen Seite die Sorge vor einer neuen Teuerungswelle. Zwar sind die Preise für Rohstoffe aktuell noch stabil, doch die Aussichten bleiben ungewiss. Besonders kritisch wird die Lage bei Frischwaren eingeschätzt, da diese zeitnah transportiert werden müssen und somit direkt von steigenden Logistikkosten betroffen sind.
„Wir wissen, dass solche Krisen erst die Transportwege belasten und sich zeitverzögert auf die Konsumgüter auswirken“, warnt Waldner. Viele Betriebe haben zwar nach der Energiekrise infolge des Ukraine-Krieges Verträge mit fixen Preisen abgeschlossen, um sich abzusichern, dennoch bleibe der Markt unberechenbar.
Branchenvertreter zeigen sich besorgt: Die Gastronomie drohe derzeit zwischen eines gebremsten Touristenflusses und potenziell steigenden Betriebskosten aufgerieben zu werden.




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