Wie geht es mit dem Signa-Konzern weiter?

“Letzer Versuch” zur Rettung von Benkos Signa

Sonntag, 26. November 2023 | 19:34 Uhr

Die “Wartungsarbeiten” an der Homepage des Signa-Konzerns sind Sonntag zwar beendet gewesen und die Seite zeigte nach deren vorübergehenden Verschwinden wieder Inhalte. Die Arbeiten am Benko-Firmengeflecht selbst haben aber angedauert. Gesucht wurde weiter ein Investor, der etwa eine halbe Milliarde Euro kurzfristig – und teuer – bereitstellt, ging aus Insiderinformationen hervor. Konzern und Sanierer kommunizierten nicht.

Sollten die Gespräche um neues Geld scheitern, “führt kein Weg an der Pleite des Imperiums vorbei”, so ein Insider am Sonntag zur APA. Es laufe “ein letzter Versuch”.

Der Sanierer Arndt Geiwitz ist indes “nur” Signa-Berater. Der Fachmann hat bisher weder den Vorsitz des Signa-Beirats noch des -Komitees übernommen, besagen gesicherte APA-Informationen, die bisher weder vom Konzern noch vom Geiwitz-Büro bestätigt werden. Auch die deutsche “Lebensmittelzeitung” berichtet am Sonntag über diesen Punkt. Die wieder online gegangene Homepage zeigte wie schon vor dem vorübergehenden Verschwinden der Inhalte Gewitz jedenfalls neuerlich als Beiratsvorsitzenden an.

Die Sanierung des Konzerns durch Geiwitz, der aufgrund von Investorendruck engagiert worden war, wackelte am Sonntag. Denn das Gelingen der Restrukturierung der Signa nach einem Geiwitz-Konzept hängt von der dringend nötigen frischen Liquidität ab. “Theoretisch” bestünden noch Chancen, so der Insider. Kommt die Finanzierung, nach der fieberhaft gesucht wird, würde Geiwitz tatsächlich den Vorsitz im Signa-Beirat und -Komitee übernehmen.

Auf der Website (https://www.signa.at) fanden sich ab Samstag bis zum Sonntagabend vorerst nur mehr Pressekontakte und Impressum. Das hatte ein Sprecher laut “Kurier” mit “Wartungsarbeiten übers Wochenende” begründet. Sonntagabend wurden auf Hochglanz wieder Prestige-Immobilien gezeigt.

Insider bestätigten gegenüber der APA zuvor Medienberichte, wonach eine deutsche Immobilientochter am Freitag einen Konkursantrag in Berlin-Charlottenburg gestellt hat. Am Freitag hatten “Spiegel” und “News” aus dem Antrag zitiert. Laut “Wirtschaftswoche” (Wochenende) sind Mitarbeiter auch via Brief darüber informiert worden.

Das Gericht muss dem Konkursantrag laut APA-Informationen noch formell zustimmen. Das gilt als sicher, wird nicht doch noch rasch Geld aufgestellt. Wird der Antrag angenommen, dürfte am Montag die Kommunikation dazu erfolgen. Am Wochenende war vom Amtsgericht Charlottenburg keine Stellungnahme zu erhalten.

Standhaft hielten sich am Wochenende Gerüchte, wonach es am Dienstag richtig dick kommen und die Signa Holding Insolvenz beantragen dürfte. Das ist freilich nicht fix, bis es tatsächlich passiert, und wird auf Anfragen ebenso nicht kommentiert.

Schon vor dem ersten Konkursantrag einer deutschen Immotochter am Freitag – die Signa Sports United ist ja schon länger insolvent – hatte es unbestätigt geheißen, Insolvenzanträge verschiedener Gesellschaften des als undurchsichtig geltenden Signa-Firmengeflechts würden vorbereitet. Aus dem Konzern hieß es, man verhandle mit möglichen Geldgebern.

Bei den dringend benötigten Riesensummen hofft die Signa etwa auf einen Mezzanine-Investor, der vereinfacht erklärt sehr teures Kapital bei wenig direkter Mitsprache zur Verfügung stellt. Ein solcher Investor würde 500 oder womöglich sogar 600 Millionen Euro Kredit geben, die zum Teil besichert werden könnten, zum Teil aber auch unbesichert wären, schrieb etwa die “FAZ” (Samstag). Dadurch würden extrem hohe Zinsen fällig. Zusammen mit zusätzlichen Gebühren können Kreditkosten von über 20 Prozent pro Jahr entstehen.

Offizielle Informationen vom Unternehmen sind des Längeren Mangelware. Zu den aktuellen Entwicklungen waren am Wochenende bis zum Sonntagabend abseits der Auskunft zur Homepage-“Wartung” keine Stellungnahmen von Signa zu erhalten – weder für die APA, noch für Zeitungen, Nachrichtenagenturen oder TV-Sender, wie die Medienbeobachtung zeigt.

Dass die Lage zumindest schwierig ist, untermauern Baustopps bei Prestigeprojekten in deutschen Metropolen wie München und Hamburg. Hier geht es etwa um den Wolkenkratzer Elbtower und wichtige Vorhaben mitten in der City der bayerischen Landeshauptstadt. Zum Elbtower berichtete das “Handelsblatt” (Montag), dass der Hamburger Milliardär Klaus-Michael Kühne laut Insidern die Übernahme der Hochhausbaustelle prüfe. Die Baukosten waren mit 950 Mio. Euro taxiert.

Das ursprüngliche Firmen-Mastermind Benko wird in Österreich auch Thema der neuen angekündigten parlamentarischen Untersuchungsausschüsse. Unter vielen Punkten dürfte hier auch Kika/Leiner Thema werden – die Möbelketten gingen sehr knapp nach dem Verkauf durch die Signa pleite und werden nun nur mehr abgespeckt weitergeführt und saniert. In Deutschland bereitet sich die letzte große Warenhauskette Galeria Kaufhof, die zum wankenden Signa-Imperium gehört, auf eine Schieflage der Signa vor.

In der Bilanz hatte die Signa-Holding fürs Vorjahr von Schulden in der Höhe von 2 Mrd. Euro berichtet. Heuer sollen davon 1,3 Mrd. refinanziert werden müssen, bis Ende November soll eine halbe Milliarde Euro benötigt werden.

Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr ging unterdessen davon aus, dass nicht nur der Signa-Konzern durch die gestiegenen Zinsen in Schwierigkeiten geraten ist. Wahrscheinlich werde man solche Probleme, wie sie jetzt bei Signa bestehen, in den nächsten Monaten und Jahren auch in anderen Unternehmen in ganz Europa sehen, sagte Felbermayr am Sonntag in der ORF-“Pressestunde”. Das Wifo gehe aber “nicht davon aus, dass es zu einer Finanzmarktkrise mit den Banken im Zentrum kommen könnte”.

Von: apa