AFI-Barometer

Mehr berufliche Weiterbildung gefragt

Montag, 09. November 2020 | 22:25 Uhr

Bozen – 75 Prozent der Südtiroler Arbeitnehmer hatten in den letzten zwölf Monaten die Möglichkeit, an mindestens einer Weiterbildung teilzunehmen, um ihre beruflichen Kompetenzen auszubauen. Dies entspricht dem Schnitt der letzten sieben Jahre. „Die Corona-Pandemie hat die Veränderungen in der Arbeitswelt beschleunigt. Wir müssen daher verstärkt auf berufliche Weiterbildung setzen, anstatt sie zu reduzieren“, mahnt AFI-Präsident Dieter Mayr.

Wer auf internationaler Ebene wettbewerbsfähig sein will, muss in berufliche Weiterbildung investieren. Laut den Daten von Eurostat für das Jahr 2018 liegt Südtirol in Bezug auf die Teilnahme an Weiterbildungen im europäischen Schnitt, vor Italien und hinter den skandinavischen Ländern und der Schweiz.

Der Teilnahmegrad

Die Daten der Herbstausgabe des AFI-Barometers belegen, dass in Südtirol 75% der Arbeitnehmer in den zwölf Monaten vor der Umfrage mindestens eine Weiterbildungsinitiative besucht haben. Diese wurde meist vom Arbeitgeber und in selteneren Fällen vom Arbeitnehmer selbst finanziert. Der Großteil der Beschäftigten nahm auf Anleitung des Arbeitgebers an gezielten Fachkursen teil; ein bedeutender Anteil war auch bei externen Veranstaltungen dabei (sprich Tagungen, Konferenzen, Seminaren oder Workshops) oder wurde direkt am Arbeitsplatz eingearbeitet. In 27 Prozent der Fälle wurden berufsrelevante Kurse von den interessierten Arbeitnehmern privat finanziert.

Die Hauptgründe für die Teilnahme

Es gibt diverse Gründe für die Teilnahme an Weiterbildungskursen. 88 Prozent der in Südtirol befragten Arbeitnehmerinnen bildeten sich weiter, um ihre beruflichen Aufgaben besser ausüben zu können; 80 Prozent beteiligten sich auch beziehungsweise vor allem aus Eigeninteresse. Andere wiederum wollten vor allem eine Bescheinigung oder ein Zertifikat erhalten, ihre Karriereaussichten verbessern, soziale Kontakte knüpfen, die später nützlich sein könnten, oder den eigenen Lebenslauf bereichern, um ihren Arbeitsplatz zu sichern. Schließlich erklären noch 47 Prozent, vom Arbeitgeber zur Teilnahme verpflichtet worden zu sein.

Die Weiterbildungsthemen

In Südtirol geht es bei der Weiterbildung vor allem um drei große Themenbereiche: 27 Prozent der Kurse betrafen die Verbesserung der eigenen Sprachkenntnisse, womit nicht nur Deutsch und Italienisch, sondern auch beziehungsweise vor allem Englisch gemeint ist; 24 Prozent waren spezifische EDV-Kurse oder Kurse für die Aktualisierung und den Ausbau bestimmter Fähigkeiten im technologischen Bereich; bei 16 Prozent drehte es sich um Betriebsmanagement und Recht, um Führungs-, Werbe-, Marketing- und Rechtskompetenzen auszubauen.

Gründe für die Nichtteilnahme

Es gibt aber auch Arbeitnehmerinnen, die in den letzten zwölf Monaten keine Weiterbildung besucht haben. Als Grund wurden unter anderem der mangelnde Bedarf an Weiterbildung oder die fehlende Erlaubnis des Arbeitgebers genannt. Auffallend ist dabei, dass in den letzten zwölf Monaten der Wunsch der Lohnabhängigen nach Weiterbildung und ihre entsprechende Begeisterung deutlich gesunken sind.

“Zu viel” oder “zu wenig” ausgebildet?

60 Prozent der Interviewten erklären, Aufgaben auszuüben, die ihren Fähigkeiten entsprechen. 26 Prozent sind der Auffassung, dass sie mit ihren Fähigkeiten und Kenntnissen auch komplexere Aufgaben als jene ausüben könnten, die zum Zeitpunkt der Befragung in ihren Aufgabenbereich fielen. 14 Prozent der Befragten gaben an, nicht die erforderlichen Kompetenzen für ihre Arbeit zu besitzen und daher einer zusätzlichen Weiterbildung zu bedürfen.

Strategischer Zukunftsfaktor

Um den technologischen Wandel bewältigen und den ständigen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften entsprechen zu können, bedarf es auch einer hochwertigen Weiterbildung, die für alle zugänglich sein muss.

„Wer einen komplexen und verantwortungsvollen Beruf ausübt, verspürt meist einen stärkeren Weiterbildungsbedarf. Arbeitnehmerinnen hingegen, die eher einfachen Aufgaben zugeteilt sind, würden sich oft auch anspruchsvolleren Aufgaben gewachsen fühlen. Daraus folgt, dass ein Teil der Humanressourcen unterfordert ist und nicht angemessen eingesetzt wird“, erklärt AFI-Forscher Matteo Antulov.

In diesem Zusammenhang ist auch auf den „Matthäus-Effekt“ zu achten, wie ihn die Forscher nennen (the rich get richer the poor get poorer) – sprich auf die Gefahr, dass Arbeitnehmerinnen in höheren Berufspositionen im Vergleich zu weniger qualifizierten Beschäftigten leichter Zugang zur Weiterbildung haben. Öffentliche Einrichtungen und Privatunternehmen sollten daher darauf achten, auch in berufliche Weiterbildung für Mitarbeiterinnen mit weniger anspruchsvollen Aufgabenbereichen zu investieren.

 

Von: bba

Bezirk: Bozen

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