Die höchste erreichbare Qualifikation in praktischen Berufen

Meisterausbildung im Fokus

Donnerstag, 02. November 2017 | 12:11 Uhr

Bozen – Das Meisterdiplom ist in den praktischen Berufen des Handwerks, des Gastgewerbes und des Handels die höchste erreichbare Qualifikation. Die heute vorgestellten Studien des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen und der Beobachtungsstelle für den Arbeitsmarkt der Landesabteilung Arbeit zeigen auf, dass sich die Rolle der Meisterausbildung stark verändert hat, seit 1987 die „Meisterpflicht“ für selbständige Handwerkerinnen und Handwerker aufgehoben worden ist.

Während das WIFO den Fokus auf die Meisterunternehmen gelegt hat, hat das Amt für Arbeitsmarktbeobachtung parallel dazu die unselbstständig beschäftigten Meisterinnen und Meister analysiert. Die Hälfte der Südtiroler Meister unter 65 Jahren ist selbstständig und führt ein Unternehmen. Betrachtet man die Entwicklung der jährlich verliehenen Meistertitel, so zeigt sich, dass andere Weiterbildungsangebote immer stärker in Konkurrenz zur Meisterausbildung treten. Wurden im Zeitraum 1991 bis 2000 im Schnitt pro Jahr noch 176 Meisterabschlüsse gemacht, ist seither diese Zahl deutlich rückläufig. Im Zeitraum 2001 bis 2016 liegt die durchschnittliche Zahl der Abschlüsse nur mehr bei 96 pro Jahr. Nach der Grundausbildung bevorzugen heute viele Menschen kürzere fachspezifische Fortbildungen in ihrem Beruf.

Meisterunternehmen sind mit durchschnittlich 4,7 Beschäftigten deutlich größer als Unternehmen ohne Meistertitel (3,1). Außerdem bilden anteilsmäßig viel mehr Meisterunternehmen (36,1 Prozent) Lehrlinge aus als Nichtmeisterunternehmen (14,7 Prozent). Meisterunternehmen exportieren auch etwas häufiger. Vergleicht man Meisterunternehmen mit Nichtmeisterunternehmen gleicher Größe und gleicher Tätigkeit, verschwinden die meisten Unterschiede bei den in der Studie untersuchten Erfolgsindikatoren. Besonders die Produktivitätsunterschiede fallen vergleichsweise gering aus.

Die zunehmende Tendenz der Meisterinnen und Meister zur abhängigen Beschäftigung betrifft die eigentlichen Handwerksberufe ebenso wie die des Handels- und des Tourismussektors. Auch findet keine plötzliche Unternehmensgründung in Zusammenhang mit der Meisterprüfung statt.

Das durchschnittliche Bruttoeinkommen eines abhängig beschäftigten Handwerksmeisters lag im Jahr 2014 bei etwa 32.500 Euro. Es gibt aber erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Berufen. Mit Ausnahme der Köche verdienen die Meister/innen, die ihren Diplom- oder einen damit verwandten Beruf ausüben, tendenziell weniger als Handwerksmeister, die vom Berufsbild ihrer Ausbildung abweichen. Im Durchschnitt verdient ein Meister, der seinen Diplomberuf ausübt, rund 4.300 Euro brutto mehr als ein „Nicht-Meister-Handwerker“, der denselben Beruf ausübt.

„Besonders für den Schritt in die Selbstständigkeit und für die Unternehmensnachfolge ist die Meisterausbildung eine wertvolle Vorbereitung. Die zukünftigen Herausforderungen für die Verantwortlichen der Bildungs- und Wirtschaftspolitik liegen vor allem darin, die Ziele und Inhalte der Meisterausbildung ständig den neuen Entwicklungen anzupassen“, ist Handels-kammerpräsident Michl Ebner überzeugt.

Der Landesrat für Deutsche Bildung, Philipp Achammer, betont die Rolle der Meister/innen als Lehrlingsausbilder/innen: „Meister/innen lernen, was für die betriebliche Ausbildung und für den Umgang mit jungen Lernenden förderlich ist: diese Kompetenzen sind für die Qualität der dualen Ausbildung grundlegend.“

Eine Konsumentenbefragung des WIFO hat ergeben, dass viele Südtiroler Konsument/innen die Qualität der Leistungen von Meisterbetrieben hoch einschätzen. Bei der Wahl eines Handwerksbetriebes spielen aber die beruflichen Kompetenzen der Meister/innen (noch) eine vergleichsweise geringe Rolle. „Die Südtiroler Konsument/innen schätzen die Qualität der Leistungen von Meisterbetrieben sehr hoch ein. Dieser Vertrauensvorschuss sollte genutzt werden, um das Profil des heimischen Handwerks weiter zu stärken und insbesondere die Wertschätzung der Menschen für die ‚Meisterleistung‘ noch sichtbarer zu machen“, so die Landesrätin für Arbeit Martha Stocker.

Die WIFO-Studie liegt in der Handelskammer in gedruckter Form auf und steht auf der Website www.handelskammer.bz.it/wifo zum Download bereit. Ansprechpartner für diese Publikation ist Urban Perkmann, Tel. 0471 945 718, E-Mail: urban.perkmann@handelskammer.bz.it.

Die Studie der Beobachtungsstelle für den Arbeitsmarkt ist im Internet unter www.provinz.bz.it/arbeit veröffentlicht, Ansprechperson ist Thomas Benelli, Tel. 0471 418517, E-Mail: thomas.benelli@provinz.bz.it.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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