Musk will mit SpaceX größten Börsengang der Geschichte hinlegen

Musk-Firma SpaceX vor größtem Börsengang der Geschichte

Dienstag, 21. April 2026 | 14:26 Uhr

Von: APA/Reuters

Mit einer dreitägigen Analystenkonferenz versucht Elon Musks Weltraum- und KI-Firma SpaceX die Finanzwelt davon zu überzeugen, dass die angepeilte Bewertung von bis zu 1,75 Billionen Dollar (1,49 Billionen Euro) bei ihrem Börsengang gerechtfertigt ist. Die wichtigsten Luftfahrt- und Tech-Analysten von der Wall Street bekommen dabei von Dienstag bis Donnerstag hinter verschlossenen Türen auch erste Einblicke in das Zahlenwerk des Unternehmens.

Der exzentrische Milliardär Elon Musk hat darin neben dem Satelliten-Geschäft mit den KI-Chatbot “Grok” und die Social-Media-Plattform X (ehemals Twitter) gebündelt. Die milliardenschweren Investitionen in das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz haben 2025 die Gewinne des satellitengestützten Starlink-Internets aufgefressen, unter dem Strich standen fast fünf Milliarden Dollar Verlust. Mit 75 Milliarden Dollar Erlös soll SpaceX im Juni der größte Börsengang aller Zeiten werden.

Analysten werden in drei Wellen informiert

Die Analystenkonferenz beginnt nach Reuters-Informationen am Dienstag in der “Starbase” in Boca Chica im Bundesstaat Texas, dem großen Raumfahrtzentrum von SpaceX. Eine zweite Gruppe von Analysten großer potenzieller Investoren, von Investmentfonds bis zu Pensionskassen, wird dort am Mittwoch erwartet. Am Donnerstag präsentiert SpaceX das “Macrohard”-Projekt in seinem Colossus-Rechenzentrum in Memphis im Bundesstaat Tennessee, wo es um die Fähigkeiten von xAI gehen soll, der KI-Firma, die Musk erst im Februar in SpaceX eingebracht hat. Einer der Insider sagte, die Analysten seien gebeten worden, elektronische Geräte vor der Veranstaltung abzugeben. SpaceX wollte sich nicht zu den Informationen äußern.

Die Treffen mit den Analysten sind der Startschuss für den rekordverdächtigen Börsengang. Mit 1,75 Billionen Dollar wäre SpaceX schon zum Börsenstart eines der zehn wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt und würde noch vor Musks Autobauer Tesla rangieren, der derzeit mit knapp 1,5 Billionen Dollar bewertet wird. Einige Finanzexperten hätten auch Zugang zu dem bisher vertraulichen Börsenprospekt von SpaceX bekommen, der aber – wie üblich zu diesem Zeitpunkt – noch unvollständig ist.

In zwei Wochen sollen dann Analysten der Investmentbanken, die den Börsengang begleiten, über die finanziellen Ziele von SpaceX gebrieft werden, damit sie ihre Empfehlungen und Bewertungen für das Geschäft ausarbeiten können. In der zweiten Juni-Woche beginnt dann der SpaceX-Vorstand eine Werbetour. In dieser Zeit will das Unternehmen auch 1500 Privatanleger auf die “Starbase” einladen. Musk will 30 Prozent der Aktien für private Investoren reservieren, etwa drei Mal so viele wie bei Börsengängen üblich. Organisiert wird die Emission von den fünf größten US-Investmentbanken Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup, JPMorgan und Goldman Sachs, die auch weltweit führend sind.

Elon Musk behält die volle Kontrolle

Der Nachrichtenagentur Reuters liegt der Emissionsprospekt in Auszügen vor. Daraus geht hervor, dass Musk, der als reichster Mensch der Welt gilt, auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle über die Firma behalten wird. Musk und eine kleine Gruppe von Managern bekommen Aktien einer eigenen Kategorie mit zehnfachem Stimmrecht. Das ist eine bei gründergeführten Technologieunternehmen in den USA häufige Struktur, die den Einfluss außenstehender Aktionäre begrenzt. Musk werde zudem auch nach dem Börsengang Vorstandschef, Technik-Chef und Chef des aus neun Mitgliedern bestehenden Verwaltungsrats von SpaceX bleiben.

Dem vertraulichen Börsenprospekt zufolge saß SpaceX Ende des vergangenen Jahres auf 24,8 Milliarden Dollar Barmitteln. Dem standen 50,8 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten gegenüber. Die Zahlen von xAI, die seit Februar auf SpaceX verschmolzen wurde, sind darin schon eingerechnet. 2025 schrieb SpaceX pro forma einen Verlust von 4,94 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar, obgleich der Satellitenbetreiber Starlink Milliardengewinne erzielt. Aber Musk investiert die Erlöse in den Ausbau von xAI, allein 12,7 Milliarden flossen in Künstliche Intelligenz (KI), mehr als doppelt so viel wie 2024. Das ist allerdings nur ein Bruchteil der 72 Milliarden Dollar, die der Facebook- und WhatsApp-Betreiber Meta in KI steckte.

Die für das operative Geschäft von SpaceX verantwortliche Managerin Gwynne Shotwell war im vergangenen Jahr mit einer Vergütung von 85,8 Millionen Dollar – der Löwenanteil davon in Aktien und Optionen – laut dem Prospekt eine der bestbezahlten Führungskräfte in den USA. Zum Vergleich: Microsoft-Chef Satya Nadella kam auf 79 Millionen, der scheidende Apple-Chef Tim Cook auf 75 Millionen. Das Anlegermagazin Forbes beziffert Shotwells Vermögen auf 3,4 Milliarden Dollar. Die 62-jährige ehemalige Chrysler-Managerin war 2002 die siebente Mitarbeiterin von SpaceX und gilt als entscheidende Triebfeder für den Erfolg der wiederverwendbaren “Falcon 9”-Rakete und des “Starlink”-Netzes.

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