Food Innovation Conference

Neue Ansätze für Südtirols Lebensmittelbranche

Mittwoch, 03. November 2021 | 08:35 Uhr

Bozen – Nachhaltigkeit, Regionalität und Gesundheit sind Megatrends. Die Food Innovation Conference zeigt neue Ansätze für Südtirols Lebensmittelbranche auf.

Konsumenten wünschen sich weltweit Lebensmittel, die nachhaltig, regional und gesund sind – und das nicht erst seit der Pandemie, die diese Entwicklung noch beschleunigt hat. Deshalb standen diese drei Schwerpunktthemen auch im Fokus der ersten Südtiroler Food Innovation Conference, die IDM Südtirol heute im Sarntal organisiert hat.

Einen Tag lang informierten internationale und Südtiroler Experten in Fachreferaten zu den aktuellsten Trends und lieferten den Teilnehmern somit Inputs für Innovation im eigenen Unternehmen. Gleichzeitig gab es viel Gelegenheit zum Austausch und zum Netzwerken. Lokale Praxisbeispiele rundeten die Veranstaltung ab und zeigten gangbare Wege auf, wie Südtirols Unternehmen Megatrends erfolgreich für sich nutzen können.

„Südtirols Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte sind weltweit sehr begehrt, denn sie gelten als gesund und hochwertig. Nicht von ungefähr stellt diese Branche etwa ein Drittel der gesamten Exportware Südtirols. Aber auch die Südtirolerinnen und Südtiroler setzen immer mehr auf regionale Produkte. Megatrends wie Gesundheit, Neo-Ökologie und Regionalität eröffnen für die Südtiroler Unternehmen des Sektors große Chancen, sich noch weiter zu entwickeln“, sagt Vera Leonardelli, Abteilungsdirektorin Business Development von IDM. Die IDM Food Innovation Conference, die sich vor allem an Führungskräfte und Mitarbeiter aus der Lebensmittelbranche und der Südtiroler Gastronomie wende, gebe einen Überblick über die wichtigsten Trends auf den Märkten.

„Ziel ist es, Impulse zu geben und eine Öffnung für neue Themen anzuregen“, so Leonardelli. Das sei Teil des Auftrags von IDM, Unternehmen bei der Entwicklung von neuen Produkten, Prozessen und Dienstleistungen zu unterstützen.

Ein wichtiges Thema, das in sehr großem Maße die Food-Branche betrifft, ist die Nachhaltigkeit. Welche Lebensmittel täglich bei Konsumenten und in der Gastronomie und Hotellerie auf den Tisch kommen, hat nämlich starke Auswirkungen auf die Umwelt. Durch richtige Kaufentscheidungen und umweltbewusstes Handeln kann jeder dazu beitragen, den Planeten zu schützen. Dabei kommt den Unternehmen eine besondere Verantwortung zu, weil sie Konsumenten in die richtige, nachhaltige Richtung dirigieren können. Beispiele dafür, wie Südtirols Lebensmittelbranche nachhaltiger werden kann, zeigten Experten während der Food Conference auf.

So erklärte etwa Michael Krainz, Projektmanager Verpackung & Lebensmittel beim Österreichischen Forschungs- und Prüfinstitut OFI, wie recyclingfähige Verpackungen unsere Lebensmittel und die Umwelt schützen können und welche nachhaltigen und sicheren Verpackungsmöglichkeiten es momentan auf dem Markt gibt. Mitglieder der internationalen Vereinigung La FuGa hingegen präsentierten ihre Bewegung, welche die hergebrachten Lebensmittelsysteme, die Verschwendung und Umweltzerstörung mit sich bringen, in Richtung Nachhaltigkeit transformieren wollen. Dabei beziehen sie zahlreiche verschiedene Disziplinen mit ein.

Wie können Südtirols Unternehmen führend werden in Sachen „Regeneratives Business“? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Online-Vortrags von Laura Storm, Buchautorin und Mitgründerin von „The Regenerators“. Dieses Kollektiv von Fachleuten will einen neuen Ansatz von Führungsgrundsätzen basierend auf Nachhaltigkeit verbreiten. Es sei eine der wichtigsten Aufgaben für Unternehmer des 21. Jahrhunderts, ihre Betriebe nach regenerativen Prinzipien zu leiten – nach dem Vorbild der Natur, deren ganzheitlichen Ansatz man sich zum Vorbild nehmen könne, so Storm. Ein praktisches Beispiel lieferte schließlich Peter Sölva, Geschäftsführer der Sölva Gmbh aus Bozen, die das Lokal „Condito“ und das Catering-Unternehmen „Happystudio Events“ betreibt. In seiner Küche werden Fermente und Saucen auch aus vermeintlichen Abfallprodukten wie altem Brot oder Parmesanrinden hergestellt, wodurch die Lebensmittelverschwendung erheblich reduziert wird.

Eng verknüpft mit der Nachhaltigkeit ist der zweite Megatrend: die Regionalität – „die Trend-Antwort auf die Globalisierung unseres Ernährungssystems und die damit einhergehende Anonymisierung der aus aller Welt stammenden Nahrungsmittel“, wie der deutsche Food Report 2021 analysiert. „Die Bedeutung lokaler Lebensmittelproduktion hat sich in den letzten Jahren verstärkt, und diese Entwicklung wurde durch die Pandemie weiter beschleunigt. Das ist ganz klar ein Zukunftstrend“, sagt Vera Leonardelli. Wie Regionalität in der Hotellerie gelebt werden kann, erklärte unter anderen Sarah Gerstl vom „Das Gerstl“ in Mals, in dem vorwiegend regionale Produkte aus dem Obervinschgau eingesetzt werden. Kurt und Lisa Resch vom Bio- und Bikehotel Steineggerhof in Steinegg praktizieren hingegen seit drei Jahren konsequent naturnahes Wirtschaften; so wird dort zu vorwiegend vegan und nur mit regionalen Produkten in Bioqualität gekocht.

Drittes großes Thema in der Lebensmittelbranche ist der Trend zu Lebensmitteln, die nicht nur den Gaumen befriedigen, sondern auch einen Mehrwert für die Gesundheit liefern; laut Erkenntnissen hängen z.B. 70 Prozent unseres Immunsystems mit dem Darm zusammen. Laut einem Report des Marktforschungsunternehmens Mintel ist in Zukunft immer mehr das Wohlbefinden – auch das mentale, das nachgewiesenermaßen großteils von der Darmgesundheit abhängt, – eine der wichtigsten Überlegungen bei Kaufentscheidungen in den Bereichen Lebensmittel, Getränke und Food-Service. Auch diesen Trend hat die Pandemie noch stark befeuert.

Wie man gute und gesunde Lebensmittel produziert, erzählte bei der Konferenz die Biologin und Journalistin Silvia Soligon, während Hans-Jürgen Sopper, Gesellschafter der ceresAlpin GmbH aus Schongau, und Gluderer Urban, Gründer Kräuterschlössl GmbH aus Goldrain, über die von ihnen hergestellten Bio-Lebensmittelfarben aus nachwachsenden Bio-Rohstoffen berichteten.

Von: bba

Bezirk: Bozen

Kommentare

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2 Kommentare auf "Neue Ansätze für Südtirols Lebensmittelbranche"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
1 Monat 7 h

Warum muss das denn “food innovation conference” heißen?

Trina1
Trina1
Universalgelehrter
1 Monat 3 h

pfaelzerwald, Sprache ist Heimat Kultur, die wurde lange schon verkauft.

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