OMV und ADNOC schaffen neuen Chemie-Riesen

OMV und ADNOC schließen Chemie-Fusion ab

Dienstag, 31. März 2026 | 15:48 Uhr

Von: apa

Mit dem formellen Vollzug der Fusion ihrer Chemiesparten haben die OMV und ihr arabischer Kernaktionär ADNOC einen der weltgrößten Kunststoffproduzenten aus der Taufe gehoben. Die in Wien ansässige Borouge Group International AG, an der die OMV und der ADNOC-Investmentarm XRG nun je 50 Prozent halten, nimmt unter dem Namen Borouge International den Betrieb auf. Für OMV-Chef Alfred Stern ist der Vollzug “ein großer Schritt für die OMV und die chemische Industrie”.

Die neue Borouge International verfügt zusammen mit dem in Abu Dhabi fertiggestellten Borouge-4-Komplex über eine Jahreskapazität von 13,6 Millionen Tonnen. Das Unternehmen stellt Kunststoffgranulate (Polyolefine) her, die branchenübergreifend weiterverarbeitet werden. Diese Spezialkunststoffe fließen laut Stern einerseits in den Konsumbereich für Verpackungen, andererseits stark in den Infrastruktur- und Medizinbereich, etwa für Kabelisolierungen, Wasser- und Gasrohre, medizinische Spritzen und Infusionsbeutel. Auch im Mobilitätsmarkt kommen die Materialien für Stoßfänger oder Instrumententafeln zum Einsatz. Trotz der gewaltigen Dimensionen des Konzerns stehe nicht nur Größe im Fokus: “Wir wollen nicht nur auf die Mengen gehen, sondern wir wollen sicherstellen, dass wir das auch profitabel machen können”, betonte Stern am Dienstag im APA-Interview.

“Eine Firma mit einer Kultur”

Der Konzern vereint die bisherigen Töchter Borealis, Borouge und den nordamerikanischen Hersteller Nova Chemicals. Der globale Hauptsitz ist im Wiener Viertel Zwei neben der OMV-Zentrale angesiedelt. Für das neue Führungsteam rund um den neuen CEO und bisherigen Nova-Chemicals-Chef Roger Kearns zähle nun das Zusammenwachsen. “Es ist nicht so, dass hier einer den anderen übernommen hat, sondern es kommt ein Zusammenschluss mit einer Firma und einer Kultur”, betonte Stern.

Wirtschaftlich stehe die neue Gesellschaft, die auf drei Kontinenten produziert, hervorragend da, so der OMV-Chef: In den vergangenen fünf Jahren habe man pro forma eine durchschnittliche operative Gewinnmarge (EBITDA) von 25 Prozent erzielt. Durch den starken Fokus auf Spezialitätenprodukte könne man zudem eine Preisprämie von 18 Prozent über den Standard-Marktnotierungen abrufen. Jährliche Synergien von über 500 Mio. Dollar (435 Mio. Euro) sollen gehoben werden. “Wir spielen da in der Welt mit”, fasste Stern die neu gewonnene globale Dimension der OMV zusammen.

Ein für die an der Börse in Abu Dhabi gelisteten Streubesitzaktionäre geplantes Übernahmeangebot sowie eine damit verbundene Kapitalerhöhung wurden marktbedingt auf 2027 verschoben. Laut Stern sei dies nötig, um den “optimalen Zeitpunkt” für die Wertentwicklung zu finden. Erst im Zuge der Kapitalerhöhung soll ein Listing im MSCI Emerging Markets Index und anschließend die Zweitnotiz an der Wiener Börse erfolgen. Bis dahin bleibt die Borouge Group International komplett im Eigentum von OMV und XRG.

ÖBAG und Wirtschaftsministerium heben “Österreich-Paket” hervor

Positiv kommentierten am Dienstag die Staatsholding ÖBAG sowie das Wirtschaftsministerium die abgeschlossene Fusion. Beide hoben das im Rahmen des Zusammenschlusses vereinbarte “Österreich-Paket” hervor, das einen Firmensitz in Österreich, eine Zweitnotierung am heimischen Kapitalmarkt und den Erhalt von Forschungsaktivitäten in Linz vorsieht. Die ÖBAG werde als OMV-Großaktionär die Umsetzung des Pakets überwachen, hieß es in einer Aussendung vom Dienstag.

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