Von: luk
Bozen – 90 Jahre sind ein beachtliches Alter – und umso bemerkenswerter, wenn man noch so aktiv und präsent ist wie Paul Atzwanger. Der Unternehmer, der erst mit 86 als Präsident der gleichnamigen Firma abtrat, feierte seinen runden Geburtstag als persönliches Jubiläum, aber auch als Rückblick auf ein Leben voller Verantwortung, Gestaltungswillen und Freundschaften.
Als Paul Atzwanger 1957 in das von seinem Vater Luis gegründete Familienunternehmen eintrat, war Atzwanger ein kleiner Handwerksbetrieb für Heizungs- und Sanitäranlagen. Schon früh half er mit seinem Bruder Peter im Betrieb mit, „wir haben Material abgeholt oder vom Lager in den Betrieb gebracht, nur mit einem Leiterwagen! Und als unser Vater nach dem Krieg einen Auftrag für ein Badezimmer im Pustertal bekam, gab’s kein Honorar, sondern Kartoffeln und Sauerkraut“, erinnert er sich schmunzelnd.
Gemeinsam mit seinem Bruder entwickelte Paul Atzwanger den Betrieb Schritt für Schritt weiter. Er suchte nie den schnellen Erfolg, sondern setzte auf nachhaltiges Wachstum, auf Qualität – und auf die Bereitschaft, Neuland zu betreten. „Wir waren immer bei den Pionieren“, meint er rückblickend, „beispielsweise bei den ersten Zentralheizungen oder der Warmwasseraufbereitung, später auch bei den Bodenheizungen.“
Ein Meilenstein war in den 1960er-Jahren die erste moderne Badewasseraufbereitungsanlage für das Lido Bozen – ein Wagnis. „Wir hatten den Mut, es zu tun“, sagt Atzwanger heute. Aus diesem Mut entstanden neue Geschäftsfelder, aus einzelnen Projekten neue Kompetenzen.
Seine unternehmerische Devise lautete stets: „technologisch immer vorne zu bleiben und innovativ zu sein – ohne unkalkulierbare Risiken einzugehen.“ Heute ist die Atzwanger AG mit 250 Mitarbeitern ein international renommiertes Unternehmen für Anlagen im Bereich Gebäude-, Badewasser-, Energie- und Abfall- sowie Trink- und Abwassertechnik.
Freizeit & Freundschaften
Doch bei allem beruflichen Engagement durften für Paul Atzwanger private Interessen, gut geplante Erholungspausen und vor allem die menschlichen Beziehungen nicht zu kurz kommen. „In dem Moment, wo ich aus der Firma draußen war, konnte ich abschalten“, sagt er. Familie, Freundschaften, Hobbys und gesellschaftliches Engagement waren nie nur Beiwerk, sondern Teil eines bewusst gelebten Gleichgewichts.
Sein privates Glück fand er ganz klassisch auf einem traditionellen Bozner Ball: Dort lernte er Rita Ganthaler kennen, geheiratet wurde 1965. Nach über 60 Jahren Ehe blicken die beiden heute stolz auf ihre vier Kinder, drei Buben und ein Mädchen. Zwei der Söhne und die Tochter sind in seine Fußstapfen getreten und im Unternehmen tätig. Ein Sohn lebt als Unternehmensberater in München.

Sport und Bewegung begleiteten Paul Atzwanger durch die Jahrzehnte. „Ich habe periodisch immer wieder etwas Anderes gemacht“, erzählt er. Als Oberschüler waren es Radtouren mit Freunden, oft auch gleich über mehrere Pässe. „Es waren normale Räder, aber wir waren gut trainiert“ meint er schmunzelnd. Danach kamen das Klettern und schließlich Tennis. „Samstagnachmittag haben wir immer unter Freunden in einem Tennisverein mit Schwimmbad gespielt – zum Vergnügen der Familien, die dabei waren,“ erinnert er sich. „Ich bin auch viel Skifahren gegangen, in Corvara, aber auch außerhalb Südtirols, in Kitzbühel oder St. Moritz.“ An den Tiefschnee am Arlberg etwa denkt er heute noch gerne. Und nicht zu vergessen: die Reisen mit seiner Frau, die Kreuzfahrten und gemeinsamen Radrundreise mit Freunden.
Aber auch die Liebe zur Musik begleitete ihn seit seiner Jugend: Paul Atzwanger begeistert sich für Orchesterkonzerte und Opern, mit seiner Frau besuchte er „die größten Opernhäuser von Neapel über Mailand und Wien bis New York oder Buenos Aires“ – berühmte Dirigenten und Opernstars inklusive.
Einsatz für Bildung und Wirtschaftsverbände
Darüber hinaus engagierte sich Atzwanger über viele Jahre in unterschiedlichen Gremien. Prägend war sein Einsatz für das traditionsreiche Franziskanergymnasium, das alle drei Söhne besuchten. Als Schulratspräsident wirkte er an einem tragfähigen Finanzierungsmodell mit und unterstütze die damals rein private Schule dabei, mit dem Land ein Abkommen zu schließen. „Schon ein bisschen stolz“ ist er aber auf eine grundlegende Neuerung im altehrwürdigen Franzikanergymnasium: „Wir haben es durchgesetzt, dass auch Mädchen aufgenommen werden.“
Er war auch „einer der ersten deutschsprachigen Südtiroler in der Nachkriegszeit im Unternehmerverband“, blickt er zurück. „Wir haben damals eine junge Gruppe gebildet, die dann offiziell zu den ‚Jungindustriellen‘ wurde.“ Ganze 60 Jahre hat er in verschiedenen Gremien des Verbandes mitgearbeitet „und mitbewegt“.
In Pension mit 86
Erst mit 86 übergab Paul Atzwanger die Leitung der Firma. Heute steht mit Sohn Thomas als Verwaltungsratspräsident, Sohn Christoph als Vizepräsident und Neffe Martin als Delegiertem des Verwaltungsrates die nächste Generation an der Spitze.
Werte wie Handschlagqualität, Ehrlichkeit und Kundenorientierung prägen sein Denken bis heute. „Die Zufriedenheit der Kunden macht ein Unternehmen langfristig erfolgreich“, lautet seine Überzeugung.
Und auch mit 90 Jahren ist Paul Atzwanger noch regelmäßig im Betrieb anzutreffen – im obersten Stock, im Büro mit der schönsten Aussicht. „Zahlen und Aufträge interessieren mich noch immer“, meint der Jubilar schmunzelnd, „damit ich am Laufenden bleibe“.
Der runde Geburtstag wurde gebührend gefeiert – natürlich im Betriebsgebäude. Mit rund 200 Geladenen, mit der Familie, langjährigen Freunden und Wegbegleitern, Ehrengästen und Mitarbeitern.





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