Von: mk
Bozen – Permakultur nimmt sich ein Beispiel an der Naur und schafft essbare Ökosysteme. Außerdem trägt sie dazu bei, dass sich die Biodiversität deutlich verbessert. Daran erinnert die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) anlässlich des Welttags der der biologischen Vielfalt, der jedes Jahr am 22. Mai begangen wird.
Biologische Vielfalt oder Biodiversität umfasst die Vielfalt der Arten (Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen), die genetische Vielfalt innerhalb der Arten (darunter Nutzpflanzensorten und Nutztierrassen) sowie die Vielfalt der Ökosysteme. Damit ist biologische Vielfalt kein abstrakter Wert, sondern die ganz reale Grundlage für gesunde Böden, sauberes Wasser und die Ernährung der Menschen, für ein stabiles Klima und den Schutz vor Extremwetterereignissen. Menschliche Aktivitäten, allen voran die intensive und industrielle Landwirtschaft, zerstören jedoch die ökologischen Grundlagen und reduzieren die biologische Vielfalt auf drastische Weise. So schätzte bereits 2016 eine Studie, dass die Biodiversität aufgrund der Landnutzung auf 58 Prozent der globalen Landfläche nicht mehr intakt sei. Der Internationale Tag der biologischen Vielfalt ruft daher jedes Jahr am 22. Mai dazu auf, lokal zu handeln, um auf globaler Ebene dem Verlust der biologischen Vielfalt entgegenzuwirken.
In Landwirtschaft und Gärten bringt die Permakultur eine deutliche Verbesserung der Biodiversität. Die „dauerhafte Kultivierung“ (aus engl. permanent = dauerhaft und agriculture = Landwirtschaft) nimmt sich ein Beispiel an natürlichen Kreisläufen und Ökosystemen sowie traditionellen und indigenen Landnutzungsmethoden und schafft essbare Ökosysteme.
Diese werden so angelegt, dass sie an den jeweiligen Standort angepasst, naturnah, vielfältig und selbstregulierend sind. Die Vordenker der Permakultur, darunter der Australier Bill Mollison, machten die fortlaufende Beobachtung der Natur zu ihrem Prinzip. „Ein wichtiges Element ist der Anbau in Mischkultur in Stockwerken“, erklärt Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol. „Mehrjährige Gemüse-, Heil- und Gewürzpflanzen sowie Beeren wachsen am Boden, (Beeren-)Sträucher im mittleren Stockwerk und Bäume mit essbaren Früchten im oberen Stockwerk.“
Die vielen verschiedenen Pflanzen schützen und unterstützen sich gegenseitig, wodurch sie widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Schädlingen sind. Weitere Elemente sind Wildniszonen, geschlossene Kreisläufe, sparsamer Umgang mit Ressourcen wie Wasser, keine oder reduzierte und schonende Bodenbearbeitung, ständige Bedeckung des Bodens durch Wildkräuter, Gründüngung und Mulchen, selektives Mähen, Verzicht auf Mineraldünger und Pestizide, Verwendung von eigenem Kompost oder Mist.
Boden, Pflanzen und Tiere „übernehmen“ in diesem System verschiedene Funktionen und Leistungen: Wühlmäuse beispielsweise richten zwar Schaden an den Kulturen an, durchmischen, lockern und lüften aber andererseits den Boden, bauen „Wohnungen“ für Bestäuber wie Hummeln und dienen Wildtieren als Nahrung. In einem Permakultur-Garten findet man Hochbeete, Hügelbeete, Trockenmauern, Steinbeete, einen Teich oder ein Feuchtbiotop, und es gedeihen Gemüse, Kräuter, Wildkräuter, Blumenwiesen, Stauden, heimische (Beeren-)Sträucher und Obstbäume.
2024 haben Forschende der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) und der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU), darunter der aus Südtirol stammende Professor Johann Zaller, untersucht, wie Permakultur in der Landwirtschaft sich auf Bodenqualität, Bodenmikroorganismen und die Artenvielfalt auswirkt. Die untersuchten Permakultur-Böden enthielten um 71 Prozent mehr organisch gebundenen Kohlenstoff als die umgebenden konventionellen Vergleichsflächen, die Masse der Bodenmikroorganismen war um 42 Prozent und jene der Regenwürmer um 201 Prozent höher, die Bodenverdichtung um 20 Prozent geringer. Dadurch können die Permakultur-Böden pro Hektar rechnerisch 80 Tonnen mehr Wasser aufnehmen und speichern.
Die Artenvielfalt der Gefäßpflanzen war um 457 Prozent, jene der Vögel um 197 Prozent und jene der Regenwürmer um 77 Prozent höher als auf den Vergleichsflächen. Zugleich lieferten die untersuchten Permakultur-Flächen vergleichbare Erträge wie die konventionelle Landwirtschaft in Deutschland und deutlich höhere Erträge als die biologische Landwirtschaft im Mittel. Damit könne den Studienautoren zufolge die Permakultur zur dringend notwendigen Transformation der Landwirtschaft wirksam beitragen.




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