Von: APA/Reuters
Fast jede fünfte Stelle fällt weg, geringeres Lohnplus und weniger Weihnachtsgeld – so will der kriselnde deutsche Sportautobauer Porsche die Personalkosten senken und den Gewinn nach einem Einbruch 2025 wieder steigern. Bis 2035 werden weitere 5.000 Stellen wegfallen, hieß es am Montag nach einer Betriebsversammlung in Stuttgart. Sie kommen zu den im ersten “Zukunftspakt” 2025 beschlossenen 3. 900 Mitarbeitenden bei Porsche und 500 Jobs bei Tochterunternehmen hinzu.
“Das Zukunftspaket ist gut für Porsche”, sagte Vorstandschef Michael Leiters. Das Unternehmen könne sich jetzt mit der Strategie “Sportwagenschmiede 35”, die er umfassend im Oktober präsentieren will, neu ausrichten und in seine Wettbewerbsfähigkeit investieren. Der MDax-Konzern sagte zugleich eine Standortsicherung für das Stammwerk Stuttgart Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum Weissach sowie 2,1 Milliarden Euro Investitionen bis 2035 zu. Im derzeit schwierigen Umfeld sei das Paket hart erkämpft, erklärte Betriebsratschef Ibrahim Aslan. “Wir schauen nun wieder nach vorne – für die Stammbelegschaft und die Marke Porsche.”
Bonus für Gewerkschaftsmitglieder
Die 5.000 Mitarbeitenden sollen über Fluktuation, Altersteilzeit und Aufhebungsverträge sozialverträglich ausscheiden, wie das Unternehmen und der Porsche-Betriebsrat am Montag nach einer Betriebsversammlung im Stammwerk Stuttgart mitteilten. Von aktuellen und künftigen Tariferhöhungen sollen 3,5 Prozent einbehalten werden, das Weihnachtsgeld von bis zu 100 Prozent auf 60 Prozent eines Monatsentgelts sinken. Mitglieder der Gewerkschaft IG Metall erhalten einen Bonus von jährlich 200 Euro sowie 411 Euro Zuschlag zu einer einmaligen Transformationsprämie von 1500 Euro. Auch Manager üben finanziellen Verzicht 2027 und 2028. Die IG Metall Stuttgart nannte die Vereinbarung ein wichtiges Signal für die Porsche-Belegschaft und den Industriestandort Baden-Württemberg.
Porsche steckt in der Krise, weil das Geschäft in China einbricht, die erhöhten US-Zölle belasten und sich die enormen Investitionen in Elektroautos nicht auszahlen. Bis zum Rekordhoch vor drei Jahren von rund 320.000 Verkäufen hatte die Volkswagen-Tochter einen Boom erlebt. Die Belegschaft war seit 2015 um 75 Prozent auf zuletzt gut 42.000 Jobs gestiegen. Doch seither sank der Absatz immer schneller – für dieses Jahr prognostizierte Porsche im April 250.000 Fahrzeuge. Beim Gewinn, der 2025 operativ auf 413 Millionen Euro von 5,6 Milliarden Euro im Vorjahr eingebrochen war, wollen die Schwaben die Wende schaffen. Im ersten Halbjahr verdiente der MDax-Konzern 1,35 Milliarden Euro, eine Marge von 7,8 Prozent.
Jahrelang war Porsche mit einer Marge rund 15 Prozent der profitabelste deutsche Autobauer und neben Audi die Cash-Cow des VW-Konzerns. Zweistellige Margen seien in zwei, drei Jahren wieder möglich, sagte Autoanalyst Daniel Schwarz von der Privatbank Metzler. Dafür jedoch seien die Kostensenkungen und der Personalabbau notwendig. Das Ausmaß, das es so zuletzt Ende der 80er bis Anfang der 90er Jahre bei Porsche gab, entspreche dem Absatzrückgang. “Das ist unvermeidlich, weil nicht von einer Rückkehr zum starken Wachstum in China auszugehen ist.”
Achillesferse China
Die deutsche Autoindustrie steht so stark unter Druck wie nie zuvor. Hauptgrund ist das Ende des jahrzehntelangen starken Wachstums in China, wo VW, Audi, BMW und Mercedes-Benz lange Zeit den Markt dominierten. Die sprudelnden Gewinne von dort überdeckten mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, die teils von hohen Arbeitskosten in Deutschland, teils auch von Fehlentscheidungen von Managern herrührt. Mit dem Übergang zum Elektroauto sind die chinesischen Hersteller seit einigen Jahren im Aufwind. Da der größte Automarkt weltweit schwächelt, exportieren sie immer mehr Autos und verschärfen so den Druck auf die europäischen Hersteller auf deren Heimatkontinent, denn der US-Markt ist den Chinesen versperrt. Mit den höheren Einfuhrzöllen der USA verdient Porsche dort nicht mehr so gut wie früher, da der Autobauer mangels ausreichender Stückzahlen nicht in Nordamerika produziert.
Dass Porsche so stark ins Straucheln kam, lag auch an zu ehrgeizigen Plänen zum Umstieg auf Elektroautos unter dem früheren Vorstandschef Oliver Blume. Die Sportwagen-Kundschaft macht einen raschen Abschied vom Verbrenner nicht mit. Der sei Jänner amtierende Chef Leiters überarbeitet jetzt die Modellplanung, die wieder stärker auf Verbrenner ausgerichtet sein soll. Einige Pflöcke schlug er schon ein: Der Vorstand wurde mit dem Weggang des Software-Experten Sajjad Khan um einen Posten verkleinert. Die einst mit Gigafabrikplänen geschaffene Batteriezelltochter Cellforce wird geschlossen. Das gleiche Schicksal ereilte das Geschäft mit E-Bikes und die Software-Tochter Cetitec.
Alle deutschen Autobauer verschärfen derzeit ihre Sparpläne. In Porsches Mutterkonzern Volkswagen geht das Ringen um den Abbau bis zu 50.000 weitere Stellen und womöglich auch Fabrikschließungen weiter. Bei Porsches Konzernschwester Audi steht der Standort Neckarsulm in Frage. Für Mittwoch sind Proteste dort vorm Werkstor geplant.




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